Ein Heilbronner Paar kam nach Wiesenbach zum vielbeworbenen Taubenmarkt, um Tauben zu kaufen. Dass sie die Wahl haben würden unter Dutzenden, ja Hunderten von Tauben, davon gingen sie aus. Das war das Jahr, überlegt Gerd Bauer, in dem gerade mal acht Tauben gezeigt wurden. Die Heilbronner fielen aus allen Wolken, erinnert sich der Vorsitzende der Blaufelder Kleintierzüchter aus Brüchlingen, fanden’s dann aber gar nicht schlimm, dass Wiesenbachs bekannteste und bestbesuchte Veranstaltung nur dem Namen nach ein Taubenmarkt ist, dass sich ihnen vielmehr die Gelegenheit bot, ein richtig gutes Fest mitzufeiern.

Es ist Gerd Bauer und seinen Mitstreitern zu verdanken, dass es überhaupt noch Tiere gibt. Im Schnitt zwölf Tauben werden gezeigt, dazu ein paar andere Kleintiere. Bauer selbst steuert ebenfalls eine Handvoll große und kleine Hühner sowie Enten bei: „Damit die Leut‘ was zum Anschauen und die Kind’ was zum Streicheln haben.“ Manchmal sind einige Kaninchen ausgestellt, grundsätzlich erstreckt sich die von verschiedenen Ämtern erteilte Taubenmarkt-Genehmigung auf alle Kleintiere außer Papageienarten und Affen, was regelmäßig für Erheiterung sorgt.

Sehr ernst ist es dem nunmehr 70-Jährigen, wenn er von der Tradition spricht, davon, den Taubenmarkt ebenso weiterzuführen wie die Kleintierzucht in Blaufelden. Als sein Vater starb, vor 35 Jahren, wurde ihm bedeutet, er müsse weitermachen, weil es sonst keine Enten mehr gebe im Verein. Er hat weitergemacht und auch seinen Sohn und seine Enkel mit seiner Freude am Federvieh angesteckt: Wenn der Verein heute stolz ist auf 380 Nummern bei der Lokalschau, ist das auch der Familie Bauer zu verdanken, die allein 120 Tiere beisteuert.

Einige wenige seiner Stars wird Gerd Bauer am Samstagvormittag zwischen 9.30 und 12.30 zeigen. Auch für sie baut er wieder acht Käfig-Böden mit je drei Käfigen auf: Das reicht in aller Regel für den gesamten Taubenmarkt-Bestand. Wenn dann mit dem Taubenflug das Fest offiziell eröffnet wird, haben die geflügelten Namensgeber ihre Aufgabe auch schon erfüllt. Und ab geht‘s, zurück in die heimischen Ställe und Taubenschläge.

Entschichtungen

Dann übernehmen andere. Vor allem am Sonntag ist ab 11 Uhr halb Wiesenbach auf den Beinen; eine Messe in der Lötholzhalle zu Hobby, Handwerk und Kunst ist mit zahlreichen Aktionen und Bewirtungsangeboten verbunden.

In der Kapelle Kunst-Kultur zeigt Rolf-Dieter Röger aus Kreßberg die Ausstellung „Entschichtungen – Tapeten unter Tapeten“, die in seinem mittlerweile abgerissenen Elternhaus entstanden ist. Das 1827 in zentraler Lage in Kupferzell neu aufgerichtete barocke Fachwerkhaus war Wohnhaus, Seifensiederei, zeitweise Kolonialwarenladen und vor allem von reichen Bürgern bewohnt, wie kostbare Tapeten bezeugen, die Röger Schicht um Schicht entblättert hat.

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Jetzt fehlt nur  noch einer


Ein Schwerpunktthema ist der Dorfladen. Mittlerweile haben 119 Engelhardshauser, Emmertsbühler, Saalbacher, Naichaer und Wiesenbacher Anteile gezeichnet; damit sind die 120, die nötig sind, das Projekt auf den Weg zu bringen, fast erreicht.

„Die Gründung eines Dorfladens berührt die ganz grundsätzliche Frage, wie wir leben wollen“, sagt Beiratsmitglied Sebastian Glemser. Er nennt zwei Ansatzpunkte: „Erstens aus gesellschaftlicher Sicht, in der so getan wird, als seien wir alle für immer jung, ungebunden, mobil, konsumaffin und bräuchten uns nur um uns selbst zu kümmern. Zweitens aus politischer Sicht, bei der die Politik – jenseits der Sonntagsreden – die Landbevölkerung und ihre Lebensrealität längst aus dem Blick verloren hat.“

Der künftige Standort in der Volksbank-Filiale ist zum Taubenmarkt geöffnet. Die Initiative Dorfladen präsentiert sich mit einer Glühbar und der Verlosung eines großen Quilts.

Infos gibt es unter www.dorfladen-wiesenbach.com