Rot am See Wenn die Posaune spricht

Henning Wiegräbe beim Solo zu Eugène Bozzas Ballade. Wiegräbe hat eine Professur für Posaune an der Muho Stuttgart. Später hat er mit Hohenlohe Brass noch ein für ihn und das Ensemble geschriebenes Stück uraufgeführt: Ingo Luis’ „Chansons d’amour“.
Henning Wiegräbe beim Solo zu Eugène Bozzas Ballade. Wiegräbe hat eine Professur für Posaune an der Muho Stuttgart. Später hat er mit Hohenlohe Brass noch ein für ihn und das Ensemble geschriebenes Stück uraufgeführt: Ingo Luis’ „Chansons d’amour“. © Foto: Ralf Snurawa
Brettheim / Ralf Snurawa 31.12.2018
Viel Publikum zieht die öffentliche Generalprobe des Neujahrskonzerts von „Hohenlohe Brass“ in Brettheim an. Französische Komponisten und ihre Werke stehen im Mittelpunkt.

Spätestens als der Solist des Abends, Henning Wiegräbe, zu Beginn der Zugabe seine Posaune mal launisch und flatterhaft, mal in einen rhythmischen Groove verfallend einsetzte, erlag man dem Gedanken, dass da einer durch sein Instrument zum Publikum spricht. Die eigentliche, von den etwa 120 Zuhörern heftig erklatschte Zugabe erschien danach fast als bloßes Nachspiel, auch wenn „Hohenlohe Brass“ den Beatles-Klassiker „All You Need Is Love“ mit viel Hingabe zelebrierte.

Natürlich kamen Wiegräbe die anderen Stücke, die er am Samstagabend im „Haus der Musik“ der evangelischen Kirche Brettheim solistisch mitgestaltete, seiner sehr kommunikativen Ausdrucksweise entgegen. Eu­gène Bozzas „Ballade“ op. 62 ist etwa eine Ansammlung musikalischer Zitate. Und Wiegräbe ließ sein Instrument sprechen.

Genussvoller Klang

Momente von „hot intonation“ gehörten ebenso dazu wie wunderbar wiedergegebene schnelle Staccato-Folgen oder ein gewitzt eingesetztes Glissando. Genussvoll ließ Wiegräbe die Posaune zur Uraufführung des Abends erklingen, zu Ingo Luis‘ eigens für ihn und „Hohenlohe Brass“ komponiertes „Chansons d‘amour“ auf Chansonklassiker von Édith Piaf und Charles Aznavour.

Piafs „L‘hymne à l‘amour“ wirkte durch die Gesanglichkeit des Posaunenspiels sehr innig. Auch den Ensemblemitgliedern bot das Stück neben einfühlsamem Begleiten viele Möglichkeiten des Zusammenspiels wie etwa zu Aznavours „Je me voyais déjà“ oder auch des Hervortretens als Ensemble, besonders zu Piafs „Milord“. Mit viel Drive spielend wurde „Hohenlohe Brass“ hier zur Big Band.

Neben diesem Konzerthöhepunkt mit französischen Chansons widmete sich „Hohenlohe Brass“ noch einigen Klassikern französischer Musik. Dazu zählt etwa Gabriel Faurés „Pavane“. Sie wurde nicht schleppend im Tempo, fast ein wenig wiegend und sanft gesanglich von den Blechbläsern gespielt.

Vorausgegangen war Alexandre Guilmants eigentlich für die Orgel komponierte Paraphrase über „Tochter Zion“. Diese Melodie aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Judas Maccabaeus“ wurde zu Beginn melodisch andeutungsweise genutzt, um den Klangraum auszuloten. Später bot sie Guilmant die Grundlage für einen fugierten Teil, dessen Themeneinsätze in der Konzertwiedergabe deutlich herauszuhören waren.

Ein Zeitgenosse Händels war Jean-Joseph Mouret. Zu seiner „Suite des Symphonies“ erzeugten die Musiker von „Hohenlohe Brass“ tänzelnde Passagen und effektvoll vorgetragene Verzierungen wie Triller in den Trompeten. Perfekt abgestimmt waren die Wechsel zwischen den Instrumentengruppen.

Eingeleitet hatte das Ensemble das Konzert mit der Fanfare aus Claude Debussys „Musique pour le Roi Lear“: kraftvoll glänzend, aber genauso schön klangwogend. Später erklang noch „La cathédrale engloutie“ desselben Komponisten in einem Blechbläser-Arrangement. Die Musiker ließen die Melodie in den verschiedensten Klangfarben schillern. Das konnte majestätisch strahlend oder warm und weich getönt klingen.

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Konzerttermine im Januar

Die Neujahrskonzerte finden statt: Morgen um 19 Uhr in der Stiftskirche Öhringen, am 3. Januar um 19 Uhr in der Kilianskirche Heilbronn, am 4. Januar um 19 Uhr in der Stephanuskirche Tübingen, am 5. Januar um 19 Uhr in der Christuskirche an der Gänsheide Stuttgart, am 6. Januar um 18 Uhr in St. Michael in Schwäbisch Hall und am 19. Januar um 19 Uhr in der Hildthalle in Weinsberg.

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