Rot am See Wenn die Gerüchtesuppe überkocht

Jenny (Britta Deuter, rechts) muss mit ihren Eltern Petra (Simone Muley) und Werner (Karl Reinhardt) diskutieren.
Jenny (Britta Deuter, rechts) muss mit ihren Eltern Petra (Simone Muley) und Werner (Karl Reinhardt) diskutieren. © Foto: Ralf Snurawa
Rot am See / Ralf Snurawa 09.07.2018
In Reubach hatte „Treibjagd“ Premiere, ein Stück, bei dem dem Publikum der Spiegel vorgehalten wird.

Am Ende verlieren die beiden Gerüchteköchinnen Irene und Susanne bei ihrer Würzerei mit Gerüchten die Kontrolle. Dem neuen  ins Dorf gekommenen Klavierlehrer Clemens wird nicht nur ein Verhältnis mit seiner Schülerin Jenny nachgesagt, er soll auch versucht haben, sie zu erwürgen. Doch weder hat er ein Verhältnis mit Jenny, noch hat er sie gewürgt; vielmehr hat er um Hilfe gerufen, als er sie auf der Straße liegend fand.

Der Übeltäter, dem das alles zugute kommt, ist in Arno Boas Theaterstück „Treibjagd“ der Stadtrat, Landtagskandidat der Mehrheitspartei und Jäger Matthias. Der veranstaltet mit seiner Clique, dem arbeitslosen Manfred, der nymphomanen Bettina und dem Wirt Werner eine Art Treibjagd auf den Klavierlehrer, um davon abzulenken, dass er selbst über Jenny hergefallen ist.

In Arno Boas‘ Original kommt Matthias davon. Regisseurin Patricia Foik und die Darsteller des Reubacher Sommertheaterswollten das so nicht stehen lassen. Matthias‘ Versuch, Jennys Leben ein Ende zu setzen, wird aufgedeckt. Wie es dann aber mit ihm, Jenny und dem Klavierlehrer weitergeht, bleibt offen.

Carolin Vogel füllte die Figur der Bettina wunderbar mit Leben aus: Wie sie sich an den Klavierlehrer anschmiegt, um ihn lüstern dazu zu überreden, doch die Leitung des Kirchenchors zu übernehmen, das war überaus sehenswert und komisch.

Ein Komödiantenduo par excellence bildeten Romy Setzer und Bettina Krauß als infernalische Gerüchteköchinnen. So, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, waren auch Artur Graf, Tanja Schmitt und David Seeger als Jennys Freunde Sebastian, Martina und Jonas zu erleben: mal fies die Gerüchte anheizend und Jenny aus ihrem Kreis ausgrenzend, mal überzeugt hinter ihr stehend.

Britta Deuters Einstand als Amateurdarstellerin hätte kaum besser ausfallen können. Als Jenny wusste sie mit ihren Eltern Petra und Werner – Simone Muley und Karl Reinhardt gingen in ihrer Rolle ebenso überzeugend auf – in aller Härte zu streiten und sich genauso zu versöhnen. Als Schülerin des Klavierlehrers begeisterte sie auch sängerisch.

Michael Seeger interpretierte den Klavierlehrer als introvertierten Musiker, der sich bis zur Katastrophe weder von Jennys Eltern noch von deren Freunden oder dem Rest der Dorfgemeinschaft aus der Ruhe bringen lässt und die Abgeschiedenheit sucht, um zu komponieren.

Wilfried Betz war als der arbeitslose Manfred zu erleben, der die Wahrheit offenlegt. Das wird Matthias, dem von Bernd Zugck vom Grinsen bis zum Händeschütteln bestens nachgeahmten Politiker, bei einem Fernsehinterview zum Verhängnis. Da passte das vom Publikum mitgeklatschte Eingangslied „Lass die Leute reden“ auch als Zugabe und Schlusskommentar.

Der Neuanfang mit Regisseurin Patricia Foik blieb ein wenig in der Tradition tragikomischer Stücke in Reubach, in denen dem Publikum auch der Spiegel vorgehalten wird – wenngleich nicht in der Härte, wie es bei ihrem Vorgänger Gerd Bauer der Fall war. Aber da ist noch viel Raum für Entwicklung.

Info

Weitere Vorstellungen sind am 12., 13. und 14. Juli jeweils um 20.30 Uhr zu sehen.

www.reubacher-sommertheater.de.

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