Ortsbildprägend war das mächtige Haus in Satteldorf. Seit 1696 stand es im Ortskern oberhalb der Wolfsgasse, weiß verputzt im Erdgeschoss, das Fachwerk im ersten Stock zu sehen. Das ehrwürdige Haus mit den Steinbögen über den Türen und den Halbbögen über den Fenstern bildete mit Kirche und Pfarrhaus ein hübsches Ensemble.

Wirklich hübsch war es allerdings schon lange nicht mehr, denn das Dach des Gebäudes an der Wolfsgasse stand in den letzten Jahren offen. Die Satteldorfer konnten dem Verfall zusehen. Immer wieder hatten sich Bürger für den Erhalt des Gebäudes starkgemacht, doch ohne Erfolg.

Jetzt kam der Bagger, das Gebäude ist weg. Die Satteldorfer bedauern das, und der Bürgermeister auch: „Wir waren in den letzten Wochen noch einmal mit einem Schreiner im Gebäude, um zu schauen, ob es doch noch zu retten ist“, berichtet Kurt Wackler. Ein Handwerker mit großer Liebe für alte Häuser sei‘s gewesen. „Er hat selbst schon welche saniert.“ Doch angesichts der maroden Bausubstanz winkte der nur ab, so Wackler. „Es ist außerdem auch der Schwamm im Gebäude.“

Das denkmalgeschützte Haus ist Opfer unglücklicher Umstände geworden. Ein Investor hatte es 2011 von der Gemeinde gekauft. Die war seinerzeit froh, das Gebäude an jemand verkaufen zu können, die es sanieren wollte. Eine Architektin mit guten Referenzen sei‘s gewesen, heißt es. Die neue Besitzerin hat auch gleich mit der Sanierung losgelegt. Das Dach zum Beispiel wollte sie neu decken und ließ das alte abdecken. Doch dann passierte nichts mehr. Die Investorin verschwand, eine Kontaktaufnahme war nicht mehr möglich. Das Haus blieb zurück – mitsamt dem halb abgedeckten Dach.

Dort regnete es nun herein, die ohnedies schlechte Bausubstanz wurde immer maroder. 2016 wurde das Gebäude zwangsversteigert. Zum Mindestpreis fiel es an die Gemeinde zurück. Hätte damals Bürgermeister Wackler nicht das Mindestgebot abgegeben, wäre das Haus im Besitz der Architektin geblieben. Der Status quo hätte sich vielleicht auf Jahre hinaus nicht verändert. Nun begann die Gemeinde erneut, nach einer Lösung zu suchen. Auch diesmal ohne Erfolg, denn das Haus hatte zwei „Macken“: Erstens verhinderte der Denkmalschutz strukturelle Veränderungen beziehungsweise einen Abbruch, während sich zweitens der bauliche Zustand stetig verschlechterte.

Schwäbisch Hall-Wackershofen

Im November vergangenen Jahres war es dann so weit: Das Landratsamt Hall als untere Denkmalschutzbehörde erteilte die Baufreigabe zum Abbruch. Jetzt durfte der Bagger anrollen – und das passierte in der vergangenen Woche tatsächlich. Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung im September eine Abbruchfirma damit beauftragt.

Kaum war der Bagger da, war auch schon der Dachstuhl weg. „Jetzt kommt die Kirche dahinter heraus. Das sieht fast schon hübsch aus“, sagte eine Anwohnerin. Sie versuchte damit wohl, das Beste aus den Tatsachen zu machen, die der Bagger schuf.