Ilshofen Wenn das Hinterteil interessiert

Ilshofen / UTE SCHÄFER 04.03.2013
Der Rinderzuchtverein Schwäbisch Hall hatte am Samstag zur Viehschau in die Ilshofener Arena eingeladen - und die hiesigen Landwirte trieben in der Tat so manche gefleckte Kuh-Schönheit auf.

Immer wieder schaut Hans Dieter Herrmann gespannt in den Ring. Dort führt sein Sohn Matthias eine seiner Kühe vor. Hat "Mau Mau" eine Chance? "Mau Mau" ist eine Fleckvieh-Kuh. Und diese Rasse gehört in die Region wie keine andere, sagt Landwirt Herrmann aus Blaubach. Er muss es wissen, denn er ist der Vorsitzende des hiesigen Rinderzuchtvereins. Die alten Hohenloher Rassen, das Limpurger Rind etwa oder das Gelbvieh, seien nämlich vor gut 100 Jahren mit dem Simmentaler zum Fleckvieh verschmolzen.

Kein Wunder also, dass die Landwirte des hiesigen Zuchtvereins vor allem Fleckvieh zur Bezirksrinderschau durch die Arena in Ilshofen führen. "Ein klassisches Zwei-Nutzungsrind", erklärt Herrmann fachmännisch. Es komme sowohl auf das Euter der Kühe an, als auch auf die Bemuskelung. "Und das ganze muss sich auf einem guten Fuß bewegen", erklärt er. Nicht ohne Grund schauen die Ringrichter den Kühen also nicht in die schönen Augen. Es ist das Euter, der Rahmen, die Fesseln, die zählen. Die Schauseite der Kühe ist folglich hinten, nicht vorn.

"Mau Mau" steht in dieser Hinsicht nicht schlecht da, aber auch nicht super. Der ungewöhnliche Name übrigens hat einen Grund: Bei den Kühen haben Töchter und Mütter denselben Anfangsbuchstaben. Mau Maus Mutter heißt Mikado. "Wir haben eine ganze Spielesammlung im Stall", lächelt Herrmann. Und wenn Mau Mau Töchter bekommt, heißen die dann Mühle oder Memory. "Aber das steht noch nicht fest."

118 Kühe und ein Bulle stellten sich am Samstag den prüfenden Blicken der Ringrichter. Zuchtvereinsvorsitzender Herrmann ist hochzufrieden. "Erstens ist die Qualität der Tiere toll. Und zweitens haben diesmal viele Landwirte mitgemacht." Das müsse man honorieren, denn eine solche Schau sei viel Arbeit. "Aber das Wetter hat gut mitgemacht", sagt er. "Draußen konnte man bis jetzt ja nichts machen."

Bei aller Zufriedenheit sorgt sich der Landwirt um die Zukunft. Die Lebensmittelskandale, die derzeit, wenn man so will, in aller Munde sind, treffen die heimischen Landwirte tief. Auch in der Landwirtschaft hätten Großunternehmen immer stärker das Sagen, seien es Fleischverarbeiter oder Futtermittelhersteller. Der Bauer stehe zwischen den Fronten. Dabei gebe es genügend Gesetze. Sie müssten nur eingehalten werden, sagt der Landwirt und plädiert für mehr Kontrollen. "Die kleinen Landwirte haben doch meist nichts zu verbergen. Aber sie sind die Leidtragenden." Allerdings wollte er sich zur Bezirksschau die Laune nicht verderben lassen. Denn als die kleinen Jungzüchter mit ihren Kälbchen in den Ring zogen, war allen klar, dass nicht nur die Kühe auf guten Füßen stehen, sondern die Viehzucht selbst auch. 26 Kinder und Jugendliche nahmen am Jungzüchterwettbewerb teil. Da muss einem um die Zukunft der Viehzucht hierzulande nicht bange sein.