Crailsheim Weniger Straftaten im Altkreis

Crailsheim / Von Luca Schmidt 12.09.2018
Jugendliche werden krimineller, sexualisierte Gewalt nimmt zu und Straftaten werden weniger– so könnte man die Kriminalstatistik 2017 für Crailsheim zusammenfassen. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Die Deutschen fühlen sich immer weniger sicher – das zeigen Umfragen. Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache: Zehn Prozent weniger Straftaten gab es im Jahr 2017 in Deutschland, das belegt die Kriminalstatistik der Polizei. Im Altkreis Crailsheim wird dieser Wert sogar noch übertroffen: 3186 Straftaten waren es im vergangenen Jahr laut Polizeipräsidium Aalen, im Vergleich zu 3601 Straftaten in 2016 – ein Rückgang um 11,5 Prozent. „Es handelt sich um ein Zurückpendeln in Größenordnungen vor dem Jahr 2015, als der viel diskutierte sprunghafte Anstieg stattfand“, sagt die Polizei dazu.

Den Rückgang kann man an vielen Zahlen ablesen: So wurden im Altkreis Crailsheim in den Bereichen Körperverletzung, Gewaltkriminalität und Diebstahl (außer Ladendiebstahl) weniger Straftaten registriert.

Anstieg durch neue Rechtslage

Gegen den Trend entwickelten sich allerdings die Zahlen, wenn die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung betrachtet werden: Um 41 Prozent stiegen die Zahlen hier an. Dies sei laut Polizei vor allem auf Rechtsänderungen zurückzuführen, die sich in den Zahlen nun durchschlagen. „Diese hohe Zunahme bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lässt sich im Gesetz zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung begründen; der PKS-Straftatenkatalog im Deliktsbereich ‚Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung‘ wurde mit zahlreichen Änderungen überarbeitet“, so die Polizei. Der Anstieg im Altkreis Crailsheim um 16 Fälle lasse sich fast vollständig auf eine geänderte Rechtslage zurückführen: 15 Fälle waren vor der Änderung noch kein Tatbestand.

Ein weiterer Grund sei die „Sensibilisierung der Bevölkerung“ durch Institutionen wie die Polizei, die, gemeinsam mit öffentlichen Debatten wie #metoo, zu einem „niederschwelligeren Anzeigeverhalten“ geführt haben, so die Polizei.

Täter sexualisierter Gewalt sind dabei fast ausschließlich Männer. Unter 365 ermittelten Tatverdächtigen im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen befanden sich gerade einmal acht Frauen. Wer Opfer wird, entscheidet die Art der Tat. Exhibitionistische Angriffe träfen vor allem Frauen, die zufällig anwesend sind. Sexuelle Beleidigungen im Internet hingegen träfen häufig Jugendliche, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch fänden in der Regel im familiären Bereich statt oder innerhalb anderer Vorbeziehungen zwischen Täter und Opfer.

Polizei öfter Ziel von Gewalt

Ebenfalls entgegen dem Trend entwickelten sich im Jahr 2017 Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum und Gewalt gegen Polizeibeamte: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Zahlen hier von 161 auf 168 beziehungsweise von 27 auf 28 Taten; das sind jeweils rund vier Prozent. Zwar sind die Änderungen im Altkreis Crailsheim nicht gravierend, allerdings spiegeln sie einen generellen Trend wider. „Wir leben in einer Zeit, in der zunehmend alles hinterfragt wird“, so die Polizei. Damit  verbunden sei, „dass die Kritik- und Beschwerdebereitschaft quer durch alle Schichten enorm zunimmt. Alles, vor allem auch staatliche und behördliche Maßnahmen, werden stark und kritisch hinterfragt.“

Mit dieser „neuen Mündigkeit“ gingen ein „wesentlicher Fokus auf das eigene Wohl“ und eine „Überhöhung der eigenen Beurteilung einer Situation“ einher. „Eine starke Selbstbezogenheit und zunehmend fehlende Normakzeptanz machen auch nicht, und erst recht nicht, vor staatlichen und behördlichen Maßnahmen halt“, schreibt die Polizei. Die Behörde muss aber Maßnahmen durchsetzen oder transportieren – auch, wenn diese von den Betroffenen nicht verstanden werden. Komme nun bei den Betroffenen Gewaltbereitschaft dazu, „kommt es zu den Übergriffen, die eben auch immer öfter vor dem Polizeibeamten und seinen Maßnahmen nicht zurückschreckt“, erklärt die Polizei in ihrer Interpretation dieser Statistik.

Helfer werden zu Opfern

So sei im Aalener Präsidiumsbereich an jedem zweiten Tag ein Polizeibeamter durch solche Straftaten verletzt worden. „Angriffe richten sich zunehmend auch gegen andere Helfer aus Feuerwehr und Rettungsdiensten oder auch gegen Krankenhauspersonal“, so die Polizei.

Und auch die Jugendlichen werden immer krimineller – zumindest wenn man die Statistik der Tatverdächtigen betrachtet. 240 Jugendliche und Kinder im Alter bis 18 Jahre wurden 2017 einer Tat verdächtigt – ein Anstieg um 40 im Vergleich zum Vorjahr (plus 20 Prozent). Und das, obwohl die Zahl der Tatverdächtigen im gleichen Zeitraum von 1567 auf 1541 sank, das sind zwei Prozent weniger. Einen konkreten Grund hierfür gibt es laut Polizei aber nicht.

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