Das Schicksal von Hans und Sophie Scholl hat Meike Awe bereits zu Schulzeiten bewegt. Den Mut des Geschwisterpaares, das gegen das Nazregime eintrat, bewunderte die Schülerin.
Vor ein paar Jahren wurde sie auf ein kleines, idyllisch gelegenes Haus im Mainhardter Weiler Steinbrück aufmerksam. Ein Bekannter wohnte darin. Dem sagte sie: „Volker, wenn du mal ausziehst, habe ich Interesse, deine Nachfolgerin zu werden.“ Zum damaligen Zeitpunkt wusste die 41-Jährige allerdings nicht, dass es sich bei dem renovierungsbedürftigen Gebäude um den Scholl-Hof handelte, das Geburtshaus von Robert Scholl (1891–1973). Er war der Vater von Hans und Sophie. Zwei Jahre später meldete sich der Bekannte mit der Frage: „Willst du es noch?“ Das sei Timing gewesen, sagt Meike Awe, denn sie war mit ihren fünf Kindern auf der Suche nach einem Haus mit Garten. Bei der Übergabe erfuhr sie, um welches Haus es sich handelte. „Das war für mich das i-Tüpfelchen.“
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Crailsheim

Neues Leben eingehaucht

Vor vier Jahren übernahm sie das Haus für wenig Geld zur Miete. Mit viel Enthusiasmus machte sich Meike Awe mit ihrem ältesten Sohn Nik (20) an die Arbeit und hauchte dem Gebäude neues Leben ein. Viele künstlerische Elemente schmücken seither die Wohnräume und auch der vernachlässigte Garten trägt die Handschrift der Künstlerin. „Immer wieder hielt ich beim Renovieren inne und habe mir vorgestellt, wie die Scholls damals hier gelebt haben“, erzählt sie. Da sei die Idee gereift, den Ort mit etwas Besonderem zu würdigen. Immer wieder seien Leute gekommen, die das Haus anschauen wollten. „Aber es gab eben nichts Außergewöhnliches zu sehen“, sagt die Steinbrückerin. Der „Zaun der Geschichte“ sollte dies ändern.

Kreative Ader

Die Bewohner im Dorf erzählten ihr Geschichten über die Scholls. Die Familie habe viel Wert auf Gemeinschaft, Geselligkeit und Austausch gelegt. Für Awe stand fest: „Das ist die Kraft dieses Platzes.“ Sie kaufte Zaunlatten, schliff diese den ganzen Sommer über und bemalte sie mit Zitaten der Scholls, die sie in Büchern und im Internet gefunden hat. „Jetzt freue ich mich, dass diese Geschichte mit dem Zaun lebendig bleibt.“ Das nächste Projekt steht bereits an: „Ich möchte hier einen Platz des Miteinanders und Zusammenkommens schaffen.“

Widerstandskämpfer und Vorbild


Hans und Sophie Scholl sind bekannt als Widerstandskämpfer gegen das Naziregime. Sie waren Mitglieder der „Weißen Rose“, einer Münchener Gruppe von Studenten, die während des Zweiten Weltkriegs aktiv war.

Das Geschwisterpaar wurde am 18. Februar 1943 beim Austeilen von Flugblättern, mit denen sie gegen Antisemitismus und Rassismus eintraten, überrascht und festgenommen. Vier Tage später stand das Todesurteil fest. Noch am selben Tag wurden sie in München enthauptet. coja