Wallhausen Festzug: weil sie hier wachsen dürfen

Blümchen und Zwerge haben ihren Platz gefunden. Jetzt nur nicht aufstehen, sonst kippt die Schaukel: Kinder des Kindergartens „Schatztruhe“ mit ihren Erzieherinnen Melanie Brenner-Schewen und Susanne Stauch präsentieren stolz ihre Festkostüme.
Blümchen und Zwerge haben ihren Platz gefunden. Jetzt nur nicht aufstehen, sonst kippt die Schaukel: Kinder des Kindergartens „Schatztruhe“ mit ihren Erzieherinnen Melanie Brenner-Schewen und Susanne Stauch präsentieren stolz ihre Festkostüme. © Foto: sd
Wallhausen / Birgit Trinkle 06.07.2018
Die Kindergärten in Wallhausen, Michelbach und Hengstfeld bereiten sich auf den großen Festzug vor, an dem sie die größte Gruppe stellen.

Von wegen Geheimnis. In Wallhausen pfeifen es zwar nicht die Spatzen von den Dächern, aber die Bären und die Mäuse plaudern es beim Frühstück aus, bestimmt hat einer der Schmetterlinge mit der Oma darüber gesprochen, und die Raben, die  Frösche und die Elefanten konnten es garantiert auch nicht für sich behalten: Wenn Wallhausen am 29. Juli das 875-jährige Bestehen mit einem großen Umzug feiert, setzen 95 Kinder und 19 Erzieherinnen aus den nach Tieren benannten Gruppen das Thema „Kinder-Garten“ um.

In einer jungen Gemeinde

Gefühlt wird sich die halbe Gemeinde beteiligen, garantiert aber ist kein Pulk so groß wie der, mit den Kindern aus Wallhausen, Michelbach/Lücke und Hengstfeld. Acht Gruppen sind dabei, unter anderem die Kleinsten, die sich „Küken“ und „Raupen“ nennen. Das Gefühl, in einer kinderreichen Gemeinde zu sein, trügt nicht: Das Durchschnittsalter ist mit 41 Jahren niedriger als der Kreis- oder Landesdurchschnitt, sagt Lothar Schwandt, der sich die Statistik angeschaut hat: „Wir sind neben Satteldorf die jüngste Gemeinde im Landkreis.“

Wie nun verkleidet man Dutzende Kinder so, dass die Kosten überschaubar sind, der Nachwuchs die Motive o.k. findet und das Ganze auch noch für das Konzept des Kindergartens steht? Erzieherin Claudia Sokoll hatte die Idee mit dem Garten, dem „Kinder-Garten“. Sie war es auch, die für 49 kleine Blumen und 46 Zwerge Material bestellt,  Muster aufgemalt und viele Stunden lang ausgeschnitten hat. Genäht wurde dann von den Erzieherinnen, die in diesem Garten die Gärtnerinnen sind.

Leiterin Susanne Stauch beruft sich auf Friedrich Fröbel, Ausnahme- und Herzblutpädagoge und Erfinder des Kindergartens.  Fröbel hat Kinder wiederholt mit Pflanzen verglichen. „Kinder sind wie Blumen: Man muss sich zu ihnen nieder beugen, wenn man sie erkennen will“, hat der Begründer der Spielpädagogik eines seiner bekanntesten Zitate geprägt. Auch das Wort „Kindergarten“ kommt nicht von ungefähr. Wie Pflanzen in der Obhut eines guten Gärtners soll sich der Nachwuchs entwickeln, so der Ansatz eines Fröbelkindergartens, und auf Fröbels Spuren nehmen sich die kleinsten Wallhausener als Teil der Natur wahr, erfahren die Zusammenhänge von Wachsen und Hegen und Pflegen der Pflanzen. Das Gartenmotiv war also für Erzieherinnen und Kinder gleichermaßen vertraut.

Derzeit üben die Kinder ihr Lied ein und freuen sich generell sehr aufs Jubiläum. Die kleine Livvi hat nur eine Anmerkung: Dass sie Bonbons unters Volk werfen soll, ist ein fremdes Konzept. Eigentlich ist sie ja diejenige, die Bonbons aufsammelt. Aber für diesen einen, ganz besonderen Tag wird’s gehen.

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