Braunsbach Weg der Versöhnung gewählt Früheres Rabbinatsgebäude in Braunsbach wird nach Simon Berlinger benannt

Simon Berlinger wird als Versöhner für seinen Einsatz geehrt. Foto: hanseli-foto
Simon Berlinger wird als Versöhner für seinen Einsatz geehrt. Foto: hanseli-foto
Braunsbach / PM 20.06.2014
Über 350 Jahre lebten Christen und Juden in Braunsbach nachbarschaftlich miteinander, bis die Nationalsozialisten die Lage radikal veränderten.

Seit einigen Jahren erinnert das Rabbinatsmuseum Braunsbach an die ehemalige jüdische Gemeinde im Dorf am Kocher.

Eines ihrer Mitglieder war Simon Berlinger aus Berlichingen, der 1936 im Rabbinatsgebäude die Israelitische Bezirksschule für Kinder aus Schwäbisch Hall, Dünsbach, Braunsbach und Künzelsau eröffnete. Während seiner Dienstzeit im Kochertal setzte er sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Juden ein.

1939 floh Simon Berlinger vor den Nationalsozialisten in das heutige Israel, wo er eine neue Heimat fand. Hier setzte er sich bis zu seinem Lebensende unentwegt für eine Versöhnung zwischen Juden und Deutschen ein. Oftmals besuchte er seine alte Heimat und Wirkungsstätte im Kochertal. Bei seinem letzten Besuch in Schwäbisch Hall sagte Berlinger: "Unsere Generation wählte den Weg der Wiederversöhnung mit dem von uns erwünschten Deutschland der Völkerverständigung, der Toleranz, des Rechtes und der humanistischen Weltanschauung." Das Rabbinatsmuseum in Braunsbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Förderung von Verständigung und Toleranz zwischen Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen im Sinne Berlingers beizutragen.

Um den Versöhner zu ehren, wird das Rabbinatsgebäude am Sonntag, 22. Juni, den Namen "Simon-Berlinger-Haus" erhalten. Als Gäste werden unter anderem die Töchter von Berlinger mit ihren Familien erwartet, die in Israel leben.

In einer Sonderausstellung können Besucher mehr Informationen über Simon Berlinger erhalten. Ferner wird ein Film über ihn gezeigt, der kurz vor seinem Tode in Haifa entstanden ist. Eine Broschüre über Simon Berlinger ist im Museum erhältlich. Der angekündigte Vortrag an diesem Sonntag entfällt.

Für den Festtag ist um 14 Uhr die offizielle Namensgebung geplant. Um 15 Uhr folgt die Eröffnung der Sonderausstellung "Simon Berlinger - Von Berlichingen über Braunsbach nach Haifa". Musikalisch gestaltet wird die Feier von Elisabeth Brose, Mitglied der Gruppe Kleztett, mit der Klarinette.

Sonderausstellung bis Juli

Nähere Infos über die jüdische Gemeinde in Braunsbach gibt es unter Telefon

0 79 06 / 85 12 oder online unter

www.rabbinatsmuseum-braunsbach.de. Die Sonderausstellung ist bis Ende Juli

jeweils am zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr und nach

vorheriger Vereinbarung zu sehen. pm

SWP