Gäbe es keine Corona-Pandemie, dann hätte Jan Vogel aus Neufürstenhütte bei Großerlach zurzeit sicherlich alle Hände voll zu tun. Seit dem 20. Februar ist der 38-Jährige der „Schwäbische Waldschrat 2020/21“. Mit diesem inoffiziellen Titel würde er auf Veranstaltungen ohne Gage den Schwäbisch-Fränkischen Wald repräsentieren. Doch dieses Jahr ist alles anders. Durch Covid-19 bleiben die Einladungen aus.
Die Idee mit dem „Schwäbischen Waldschrat“ entstand vor drei Jahren. Jan Vogel selbst war es, der aus Langeweile auf Facebook eine Gruppe mit dem Namen „Rund um den Schwäbisch-Fränkischen Wald“ gründete. „Ich wollte durch Beiträge der Gruppenmitglieder für unsere schöne und einzigartige Region werben“, erzählt der Maurermeister und angehende Bautechniker. Innerhalb von 14 Tagen hatte die Gruppe über 500 Mitglieder. Zahlreiche Bilder, Besonderheiten und Erfahrungsberichte wurden gepostet. „Das hat mich sehr gefreut“, sagt Jan Vogel. Mittlerweile hat die Gruppe 2542 Mitglieder.

Auenwald

Jan Vogel setzte sich gegen sechs Mitbewerber durch

Als Christoph Jäger, Bürgermeister der Gemeinde Großerlach, auf der Plattform die „Schwäbische Waldfee“ suchte, hatte sich Jan Vogel aus Jux und Tollerei ebenfalls beworben. „Leider dürfen nur Frauen mitmachen“, sagt er lachend. Allerdings kam ihm als Gruppen-Administrator die Idee, den „Schwäbischen Waldschrat“ zu initiieren. Was einen Waldschrat ausmacht, ist nicht definiert. Voraussetzungen für die Kandidatur gibt es also keine. Vor drei Jahren begann die Wahl mit acht Bewerbern. Ein Jahr später waren es sieben. Der Gruppen-Gründer bewarb sich da das erste Mal selbst und landete auf dem zweiten Platz. Im Februar dieses Jahres setzte er sich dann gegen sechs Mitbewerber durch. Die Abstimmung erfolgt durch die Mitglieder. „Zu gewinnen gab es zwei T-Shirts, eine Jacke und zwei Fotoshootings von regionalen Unternehmen“, so der Waldschrat.

Schwäbischer Wald

Waldschrat hat kaum Aufträge

„Ich konnte aufgrund der Pandemie bis jetzt nahezu nirgends auftreten. Deshalb machen wir es wie die Weinköniginnen und die Schwäbische Waldfee: Ich pausiere dieses Jahr, werde aber das Amt nächstes Jahr ausführen.“ Daher komme es 2021 zu keiner Neuwahl. Allerdings dürfe man ihn für alle Anlässe anfragen. „Ich entscheide aber selbst, ob ich die Einladung annehme“, betont er. Das sei bei der Wahl des Waldschrats die Bedingung, da es sich um ein Ehrenamt handle.
Vogel hält sich gerne in der Natur auf. „Mir ist es wichtig, dass jeder anständig mit unserer Umwelt umgeht und auch mit seinen Mitmenschen.“ Die Schönheit des Schwäbisch-Fränkischen Waldes liege ihm am Herzen. „Und auch die interessante Geschichte der Region.“ Dazu gehören für ihn Berühmtheiten wie der Erfinder des Muckenbatschers, Erich Schumm aus Murrhardt.
„Nun freue ich mich auf hoffentlich viele spannende Begegnungen in 2021.“

Das Leben des Waldschrats


Jan Vogel ist 1982 in Backnang geboren. Vor acht Jahren zog er nach Neufürstenhütte bei Großerlach. Beruflich hat er sich vom Maurer-Gesellen zum Meister hochgearbeitet. Derzeit besucht er in Schwäbisch Hall die Technikerschule. Sein Ziel ist der Abschluss Bautechniker. Vogel ist Vorsitzender des Vereins für historisches Handwerk und lebendige Geschichte mit Sitz in Großerlach. coja