Rot am See Wahrzeichen für die Landwehr

Rot am See / Harald Zigan 10.09.2018
Der 583 Jahre alte Rohrturm bildet nach der Sanierung wieder eine Landmarke. Der Denkmal-Tag stößt auch in anderen Kommunen auf großes Resonanz.

Gestandene Mannsbilder aus der Landwehr, die den am Kriegsende im April 1945 bis auf die Grundmauern zerstörten Rohrturm bei Musdorf aus dem Jahr 1435 noch in voller Größe und Pracht kannten, hatten gestern schier Tränen in den Augen: Der westlichste Vorposten des mittelalterlichen Stadtstaates Rothenburg, der sein Territorium mit einer „Landhege“ genannten Wall-und-Graben-Anlage vor Feinden schützte, bildet nach der Sanierung und mitsamt einem Fahnenmasten in der Original-Höhe des einstigen Turmes (zwölf Meter) wieder eine weithin sichtbare Landmarke.

Dem erst vor fünf Jahren gegründeten Historischen Verein „Bebenburger“ aus Rot am See und seinen 180 Mitgliedern ist es zu verdanken, dass die einstige, über viele Jahre hinweg als Schweinestall genutzte Zollstation mit ihrem Wachturm wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist und jetzt viele Exponate zur Geschichte des Turmes, zur Landhege und später auch zur Muswiese nahebei birgt.

Der Traum, den steinernen Zeugen aus dem Mittelalter wieder in voller Größe aufzubauen, ging zwar nicht in Erfüllung, weil das Landesdenkmalamt den Rest des Turms über 70 Jahre nach dem Krieg inklusive den Schweinekoben schon wieder als neues Denkmal einstufte und auch die Statik ein Problem gewesen wäre. Damit konnte der „Bebenburger“-Vorsitzende Horst Herzig leben. Auch der Papierkrieg um Zuschüsse schreckte den Steinmetzmeister, von dem auch eine Stele vor dem Turm stammt, nicht ab.

Viel Arbeit in Projekt gesteckt

Und so wurde die Sanierung des überaus maroden Mauerwerkes mitsamt einem neuen Dachstuhl zum Kostenpunkt von insgesamt rund 130.000 Euro mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm (30.000 Euro), der Denkmalstiftung des Landes (20.000 Euro) und der Gemeinde (5000 Euro) finanziert – nicht zu vergessen die Beiträge der Mitglieder, viele Spenden und die Eigenleistung der „Bebenburger“, vor der auch Architektin Bärbel Mittnacht vom Büro Kraft & Kraft aus Hall den Hut zog.

Das ausdauernde Engagement der „Bebenburger“ würdigten auch Brigitte Ströbel (Vorstandsmitglied des Leader-Vereins Hohenlohe-Tauber), Bürgermeister-Stellvertreterin Susanne Nicklas-Bach und der frühere FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger. Der Musikverein Rot am See unterhielt die vielen Besucher, eine Übung mit einer Feuerwehrspritze von 1879 rundete das Programm ab.

„Interesse wecken“ 

Altehrwürdige Baudenkmale wurden am Sonntag zum Beispiel auch in Kirchberg/Jagst, in Wallhausen sowie in Crailsheim in den Blickpunkt gerückt, wo Stadtarchivar Folker Förtsch eine „sehr gute Resonanz“ bilanziert: „Es kamen weitaus mehr Besucher als in den letzten Jahren.“

Sogar auswärtige Kultur-Touristen durchschritten die offenen Denkmaltüren in Crailsheim. „Dieser Tag bietet die Chance, über Gebäude die Stadtgeschichte zu transportieren und das Interesse an diesem reichen Erbe zu wecken“, sagt Folker Förtsch.

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