Ilshofen Wahlforum-Splitter

Ilshofen / SEBASTIAN UNBEHAUEN 14.09.2013
Wenn die Propheten nicht zum Berg kommen, dann kommt der Berg halt zu den Propheten. So oder so ähnlich dürften sich das die Frauen der Diakoniestation Blaufelden gedacht haben, als sie zahlreich und durchgehend in Blau und Weiß gewandet in die Ilshofener Großsporthalle einzogen.

Sie kämpfen derzeit für eine bessere Finanzausstattung ambulanter Pflegedienste. Zuletzt hatten sie auf dem Crailsheimer Schweinemarktplatz demonstriert - und dazu alle Bundestagskandidaten eingeladen. Nur Stephen Brauer war gekommen. Beim Wahlforum hatte Pflegedienstleiterin Brigitte Knülle jetzt die Chance, die sieben Bewerber direkt zu befragen. Mit mäßigem Erfolg: "Ich habe das Gefühl, dass das Problem überhaupt nicht angekommen ist", sagte Knülle. Das freilich ist auch eine Erkenntnis.

Wo viel gesprochen wird, da wird sich auch versprochen. Beim Wahlforum war das nicht anders. Da taufte Moderator Andreas Harthan Stephen Brauers Sohn kurzerhand auf den Namen Konstantin, was der Kandidat mit einem knappen "Konrad" konterte. Da bekannte Peter Gansky, einst "sechs Meter" neben einem Atomkraftwerk gelebt zu haben, was seine Begeisterung für die Erneuerbaren erklären könnte. Und da bezifferte Christian von Stetten die Kosten für einen A-6-Ausbau auf "750 Milliarden Euro", was in Finanzkrisen-Zeiten bemerkenswert realistisch klingt.

Mit einem solch guten Besuch beim Wahlforum hatten die Mitglieder des Schwäbisch Haller Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 wohl nicht gerechnet. Jedenfalls gingen ihnen recht schnell die Handzettel gegen das vieldiskutierte Bahnhofsprojekt aus. "Förmlich aus den Händen gerissen", hätten die Leute ihm das Pamphlet, sagte Friedrich Reimer. Für ihn kam das einer Entschädigung gleich: "Viel frustrierender" sei nämlich der Morgen gewesen, als er auf dem Gaildorfer Markt für die Grünen um Stimmen geworben hatte. "Es hat geschifft und ich hatte keinen dabei, der die Leute festhält."

Tanja Käppler und Leonie Horlacher dürfen noch nicht wählen - zumindest nicht am 22. September. Schon im Vorfeld schreiten die Ilshofener Zehntklässler aber zum schulinternen Urnengang, mit Wahlkampf und allem drum und dran. Und dazu braucht man natürlich Plakate. Also wurden die Parteien angeschrieben, die auch reagierten - abgesehen von der CDU. Was lag da näher, als die Chance beim Schopfe zu packen und Christian von Stetten persönlich zur Lieferung zu mahnen? Der Abgeordnete zeigte wahlkampftypisches Verständnis, zückte das Visitenkärtchen und versprach, sich persönlich um die Sache zu kümmern.

Kleider machen Leute und transportieren Botschaften. Das weiß die Kanzlerin (Stichwort: "Schlandkette") und das wissen die Hohenloher Direktkandidaten. Der Bürger jedenfalls hat die Qual der Wahl angesichts eines Spektrums, das von der befliegten Eleganz des Peter Gansky bis zum legeren Piraten-Shirt des Alexander Brandt reicht. Dazwischen verströmten Christian von Stetten und Stephen Brauer mit ihren Anzug-Krawatten-Kombinationen einen Hauch klassischer Bürgerlichkeit. Florian Vollert setzte dem die Jeans entgegen, während Harald Ebner (knallgrünes Hemd) und Annette Sawade (knallroter Blazer) ihre Überzeugungen textil unterstrichen. Beide übrigens kombinierten die Farbtupfer mit Schwarz. Ein koalitionärer Fingerzeig?

Auf den Kanzler kommt es an. Keine Experimente. Den Älteren dürften diese Wahlkampfschlager aus der Adenauer-Zeit noch in den Ohren klingen - und auch die CDU hat sich wohl an deren Erfolg erinnert. Jedenfalls tauchte das Wort "Bundeskanzlerin" in Christian von Stettens Begründung, warum man ihn denn wählen solle, gefühlt öfter auf als das schlichte Personalpronomen "Ich".

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel