Es ist schon fast der Running Gag der Vorstellungsrunde. Humorvoll stellt sich Tilman Schoch, Listenführer der Freien Alternativen Liste (FAL) vor: „Ich bin Mainhardter mit Leib und Seele und habe mein ganzes Leben hier verbracht. Die einzige dunkle Stelle in meiner Vita ist, dass mein Start ins Leben nicht in Mainhardt, sondern in Schwäbisch Hall im Diak erfolgt ist.“ Das greifen andere auf, als erster Wolfgang Feuchter, Gemeinderat der Unabhänigen Wählervereinigung (UWV). Er sei in Storchsnest geboren, kontert er. Etliche weitere Ratskandidaten knüpften daran an und heben, wenn sie per Hausgeburt in den Weilern geboren worden waren, darauf ab.

Es ist eine kurzweilige und informative Diskussion, welche die gut hundert Besucher im Löwen verfolgen. Auffallend viele junge Frauen und Männer kandidieren für die Mainhardter Listen. Bemerkenswert auch, wie engagiert die Bewerber sonst schon sind: Viele sind parallel in mehreren Vereinen aktiv. In der Diskussion zeigt sich, dass beide Fraktionen in gegenseitigem Respekt zusammenarbeiten. Deutlich wird auch, wie sehr sich die Bürger und die Ratskandidaten mit ihrer Gemeinde, mit der Landschaft, in der sie leben, verbunden fühlen.

17 Millionen für die Schule

Größte Investition der kommenden Jahre ist der Umbau und die Sanierung der Helmut-Rau-Schule. Die Kosten belaufen sich auf 17 Millionen Euro, die Gemeinde kann mit 4,4 Millionen Euro Förderung rechnen. Um das Großprojekt zu finanzieren, muss die Gemeinde rund zehn Millionen Euro Kredite aufnehmen. Kann sich Mainhardt das leisten? „Wir haben in den vergangenen Jahren unsre Schulden reduziert, wir sind in der Lage, die Großprojekte anzugehen“, stellt Wolfgang Feuchter fest. Während der Bauzeit werde es eine Übergangslösung mit Unterricht in Containern geben. Auch Räume des bis dahin erweiterten Kindergartens werden gebraucht. „Nächstes Jahr müssen wir anfangen, denn bis 2022 muss abgerechnet werden“, kündigt der 62-jährige Unternehmer an. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärt Tilman Schoch. „Wir haben diskutiert, ob man das Projekt teilen, strecken, billiger machen kann.“ Der Ortsbaumeister habe sein Können eingebracht und die Gemeinde habe Fachwissen von außen geholt. Doch es gebe keine Alternative, um den guten Schulstandort zu halten. „Ein Drittel der 15 bis 20 Millionen Euro gehen in den Brandschutz, ein Drittel in die energetische Sanierung, ein Drittel in den Grundriss und Fachräume – das hat mich sehr betroffen gemacht.“

Simon Müller ergänzt: „Da ist kein Luxus drin, wir bauen keine goldenen Wasserhähne ein.“ Es gehe darum, den Schulstandort attraktiv zu halten. Derzeit werden dort 750 Kinder an der Grund-, Werkreal- und Realschule unterrichtet.

„Keine Lausbubenstreiche“

Mit Graffiti beschmierte Gebäude, gestohlener Grabschmuck, ein umgesägter Maibaum sowie Einbrüche und Diebstähle in der Schule: „Sind das noch Lausbubenstreiche oder ist das ein Vandalismus-Problem“, fragt Dr. Mar­cus Haas. Der Chefredakteur des Haller Tagblatts moderiert die Gesprächsrunde. Das seien keine Lausbubenstreiche mehr, wer­tet Simon Müller. Der Be­triebs­wirt (35) geht davon aus, dass die Täter Jugendliche sind. „Das sind Einzelfälle“, stellt Karina Röger fest. Die 27-jährige Kandidatin der FAL ist die zweitjüngste Kandidatin und nimmt souverän an der Diskussion teil. Die Volleyball-Jugendtrainerin beim SSV Geißelhardt rät, die Jugendlichen stärker mit Freizeitangeboten an die Vereine zu binden.

Tilman Schoch erinnert sich an ähnliche Vorkommen, die gut zehn, fünfzehn Jahre zurückliegen. Damals sei der Jugendbeauftragte eingestellt worden, „danach war es ruhig, die Arbeit hat gefruchtet.“ Er rät, die Entwicklung zu beobachten. „Nicht jeder will sich in einen Verein einbringen“, meint er. Doch wenn ein Jugendbeauftragter eingestellt werde, „sind wir bei den Finanzen  und der Frage: Kann man sich das leisten?“ Wolfgang Feuchter meint: „Ich bin zweigeteilter Meinung. Müssen wir den Aufwand treiben, um die fünf bis zehn Jugendlichen, die nicht in den Verein gehen, zu packen?“

Wunsch: eine Sporthalle

Was ist den Bewerbern wichtig? Das verraten sie, als die vier Podiumsteilnehmer erklären, wofür sie Geld ausgeben würden, wenn denn welches übrig wäre. „Ich würde mit einer großen, neuen Sporthalle anfangen“, bekennt Wolfgang Feuchter. Ins Breitband würde Simon Müller investieren, denn erst kürzlich war in Frohnfalls für 14 Tage das Internet ausgefallen – für Geschäftsleute untragbar. „In die Jugendarbeit und in den Wald“ würde Karina Röger das Geld investieren. Vor allem, um Kindern und Jugendlichen so attraktive Angebote machen zu können. „Die regionale Infrastruktur in den Teilorten stärken“, sagt Tilman Schoch. „Dass man nicht immer ins Auto steigen muss, um in den Hauptort zu kommen oder woanders hinfahren muss.“

In der kurzen Fragerunde hakt ein junger Mann nach, warum er nicht den Seniorenbus auch nutzen könne. Schochs Antwort: Die Gemeinde dürfe nicht ins Transportgewerbe einsteigen.

Laden: Made in Mainhardt

Ein Senior schlägt vor, auf dem früheren Schlecker-Areal einen Laden einzurichten, in dem Produzenten aus der Gemeinde ihre Produkte verkaufen können. Ehrenamtliche sollten den Laden führen. Eine diskussionswürdige Idee, so Schoch. Ein weiterer Senior bemängelt, dass die Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf der Bundesstraße im Ort zu hoch sei. „Wir müssen die Kreuzung täglich unter schwierigsten Bedingungen queren. Ein Kreisel wäre das Richtige“, meint er.

Die Einschätzung der Gefährdung teilen die Vertreter beider Listen. „Ich wäre schon dankbar, wenn wenigstens Tempo 50 gefahren würde“, meint Tilman Schoch und plädiert für die Aufstellung eines Blitzers. Simon Müller regt an, zur Finanzierung eines Kreisverkehrs Spenden zu sammeln. Und Wolfgang Feuchter sagt: „Vielleicht nehmen wir das Thema im nächsten Gemeinderat mit auf die Agenda.“

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Die bisherige Verteilung: UWV, CDU und FAL


In Mainhardt treten bei der Unabhängigen Wählervereinigung UWV 20 Frauen und Männer an. In dieser Liste sind nun auch Bewerber, die bisher bei der CDU kandidiert haben oder für die CDU im Rat sitzen. Der Ortsverband Mainhardt der CDU hat sich aufgelöst. Die UWV ist bisher stärkste Kraft im Gemeinderat mit neun Sitzen, gefolgt von der CDU mit acht Sitzen.

Die Freie Alternative Liste geht mit 16 Kandidaten in den Wahlkampf. Sie hat mit Tilman Schoch den Stimmenkönig gestellt. Die Liste ist derzeit mit fünf Sitzen im Rat präsent.