Mehr als 120 Besucher sind am Freitag in die Herolthalle Wolpertshausen gekommen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der keine Fragen zugelassen sind, suchen die Besucher an Stehtischen das Gespräch mit den Bewerbern. Die Freien Wähler machen den Anfang und haben damit die schlechteren Karten gezogen. Denn die Bewerber sind nervös ob der ungewohnten Situa­tion, vor mehr als 100 Menschen zu sprechen. Sie nutzen kaum ihre zwei Minuten Redezeit, sondern rattern ihre Selbstpräsentation ab. Von Liste zu Liste wächst die Souveränität der Bewerber – man weiß dann, wie’s geht – und Ju­lian Appelt, TV-Moderator und Unternehmer, Einzelbewerber auf der Liste Junge Leute – macht die gekonnte Schlusspräsentation. Er will sich für schnelles Internet einsetzen, dafür, dass Landwirte beim A-6-Ausbau eine Entschädigung bekommen wie für Bauerwartungsland.

Politik für Familien

Von Moritz Gehring (Jahrgang 1992, Zeitsoldat) bis Cornelia Füssel (1973, Übersetzerin) präsentieren sich die zehn Vertreter der Freien Wähler. Sie stellen ihre Fähigkeiten heraus, wie Gehring, der auf seine analytischen Fähigkeiten verweist. Sie betonen ihre Verankerung in der Gemeinde, wie beispielsweise Boris Winterfeld, der sich freut, „in dieser tollen Gemeinde leben zu dürfen“. Und heben hervor, wofür sie stehen, für eine familienfreundliche Gemeinde mit guter Kinderbetreuung und nachhaltiger Wirtschaftspolitik.

Die sieben Vertreter der Liste Eins, von Matthias Mohr (1980, Elektrotechniker) bis Jörg Kraft (1970, Physiotherapeut), schließen sich den Zielen der Freien Wähler an. Mit Hans-Henning Ley (1963, Ingenieur für Energietechnik), und Gottfried Gronbach (1956, Gründer der Firma Novatech), haben sie zwei Vertreter, die sich nicht nur persönlich, sondern auch beruflich dafür einsetzen, dass Wolpertshausen eine Ökogemeinde wurde und bleibt. Auf das Thema ärztliche Versorgung und Lärmschutz im Zusammenhang mit dem A-6-Ausbau macht Gerhard Fischer (1957) aufmerksam.

Mit Spannung ist die Vorstellung der Heimat-Liste erwartet worden, diese hat sich dieses Jahr neu aufgestellt und umfasst zehn Bewerber. Levin Stapf entschuldigt fünf Bewerber der Liste, die verhindert sind. Er stellt kurz die fehlenden Kandidaten und ihre Ziele vor.

In Wolpertshausen ist die unechte Teilortswahl abgeschafft. Jetzt können mehrere Gemeinderäte aus Teilorten in den Rat gewählt werden. Landwirt Frank Neber, Mitglied der Heimat-Liste, will die Gelegenheit nutzen. Bisher hatte er gegen seinen Freund „Gefi“ keine Chance. Gefi steht für Gerhard Fischer, der wie Neber aus Hörlebach kommt. Neber versprach, sich für die Belange aller Bürger einzusetzen. Auf Nachfrage berichtet der Landwirt, der für die BESH Hohenloher Weiderinder produziert, dass den Kandidaten der Heimat-Liste in den letzten Wochen vorgeworfen worden sei: „Ihr seid doch Marionetten von Bühler.“ Neber, der von Rudolf Bühler für die Liste geworben worden ist, sagt: „Da habe ich mich distanziert. Ich habe klare Ziele und lasse mich nicht instrumentalisieren. Es ist zu wenig, nur für die Landwirtschaft einzutreten.“

Die Heimat-Liste tritt unter anderem für ein gutes Miteinander ein, für Naturschutz, für bezahlbaren Wohnraum, für gleichberechtigte Entwicklung aller Teilorte und für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Stuttgart

An Stehtischen wird anschließend diskutiert. Hagen Russ (17) freut sich darauf, zum ersten Mal wählen zu dürfen. Er kannte etliche Bewerber nicht und fühlt sich nun gerüstet, um seine Stimmen abgeben zu können. Ebenso sieht es auch Ralf Hofmann: „Ich hatte nicht zu jedem Namen ein Gesicht, eine Vorstellung von der Person.“ Vielfach bedauert und teilweise kritisiert wird, dass von der Heimat-Liste die Hälfte der Bewerber nicht anwesend ist. „Das ist bodenlos“, stellt Thomas Russ fest, „dass die Bühler-Liste“ so schwach vertreten sei – und korrigiert sich gleich: „Das heißt ja nicht Bühler-Liste sondern Heimat-Liste.“

Gute Gründe

Wie Bettina Bollinger gestern sagt, gab es für alle fünf Vertreter der Heimat-Liste private oder berufliche Verpflichtungen, die sie nicht absagen konnten – die Kandidatenvorstellung sei zu kurzfristig terminiert worden. Bollinger selbst war in Südtirol auf einem Trainingslager, das sie organisiert hatte. Ihr Mann, Harro Bolliger, gab einen Grillkurs für die BESH. Sebastian Bühler war auf einer Hochzeit und Steffen Keitel und Christina Bühler auf einem beruflichen Termin.

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Kein Forum, da Gemeinderäte nicht an Fraktionsdisziplin gebunden sind


„Beim Wahlforum des HT vor fünf Jahren in Wolpertshausen waren nur zwei Vertreter pro Liste auf dem Podium“, sagte Cornelia Füssel, Listenführerin der Freien Wähler und Stimmenkönigin bei der letzten Wahl. „Wir arbeiten im Gemeinderat aber nicht fraktionsgebunden.“ Aus diesem Grund sei von den seitherigen beiden Listen (Freie Wähler und Liste Eins) das Wahlforum der Zeitung abgelehnt worden. Auch Bettina Bollinger, Sprecherin der Heimat-Liste, hatte Abstand von einem Forum genommen, schließlich seien die Kandidaten noch nicht in die Tiefe der Themen eingearbeitet.

Die Kandidatenvorstellung wurde von Cornelia Füssel angeregt. Sie habe erst spät mitbekommen, dass noch zwei weitere Listen antreten. Angesichts „der ganz vielen neuen Kandidaten wollten wir allen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen. Viele hatten gesagt: Die kenne ich gar nicht“.  Sie fand es schade, dass es fünf  Bewerber nicht geschafft hatten, zur Vorstellung zu kommen. sel