Mainhardt Vortrag in Mainhardt: Heike Krause beleuchtet, wie einst mit Hunden umgegangen wurde

Das vermutlich bekannteste Hundegesicht Gaildorfs. "Archivhund" Helene ist treue Begleiterin von Stadtarchivarin Dr. Heike Krause, die nun auch im Mainhardter Riegenhof ihr Buch "Hunds Tage" vorgestellt hat. Privatfoto
Das vermutlich bekannteste Hundegesicht Gaildorfs. "Archivhund" Helene ist treue Begleiterin von Stadtarchivarin Dr. Heike Krause, die nun auch im Mainhardter Riegenhof ihr Buch "Hunds Tage" vorgestellt hat. Privatfoto © Foto:  
Mainhardt / KATHARINA GOTTSCHALK 12.09.2015
Die Gaildorfer Stadtarchivarin hat sich damit beschäftigt, wie sich das Verhältnis von Mensch zu Hund in den letzten 500 Jahren veränderte. Nun hat Dr. Heike Krause ihr Buch auf dem Riegenhof vorgestellt.

In Wohnzimmer-Atmosphäre erzählt Heike Krause, Stadtarchivarin aus Gaildorf, auf dem Riegenhof aus ihrem Buch "Hunds Tage". 20 Jahre lang hat sie sich in Archiven viele Informationen und Geschichten über Hunde zusammengesammelt. "Geschichte und Hunde zusammenzubekommen, das war nicht einfach", berichtet Krause. Es sei immer ihr Lebensziel gewesen, einmal ein Hundebuch zu schreiben. Aber keines, das ein Erziehungsratgeber ist, sondern eines, das erzählt, wie man in den letzten 500 Jahren mit Hunden umgegangen ist, welche Rolle Hunde in der Gesellschaft gespielt haben und vieles mehr.

Krause nennt Menschen, die einen Hund besitzen, Hundler. Sie selbst ist also auch eine Hundlerin, denn Archivhund Helene ist fast immer an ihrer Seite. Doch zunächst vorne angefangen. Wie hat man Hunde früher gesehen? Im ersten Zoologiebuch von 1583 werden die Hunde als edel und hochgesinnt beschrieben, die "ihren Namen und ihren Herrn erkennen". Sie seien gehorsam und treu. Bei diesen Worten nicken viele der knapp 20 Zuhörer zustimmend.

Ob es wohl viele Hunde früher gab? "Für die Zeit vor 1820 eine Aussage zu machen, ist schwierig. Aber es werden wohl weit weniger gewesen sein, als man vermutet. Der einfache Untertan konnte sich gar keinen Hund leisten", erzählt Heike Krause. Wilde, freilaufende Hunde habe es überhaupt nicht gegeben. "Die wurden sofort totgeschlagen. Man hatte Angst vor Seuchen." Überhaupt ging man früher mit dem besten Freund des Menschen nicht sehr zimperlich um. Wurde ein Hund krank, hat man ihn einfach beiseite geschafft. Auch die Zahl der Rassen war lange nicht so hoch wie heute. "Der Stand von 2012 war, dass es weltweit 343 verschiedene Hunderassen gibt."

Früher wurden die Hunde nicht nach dem Aussehen gezüchtet, sondern nach ihren Fähigkeiten. Es gab beispielsweise die unentbehrlichen Rassen, die Jagdhunde, die Hunde für die Schäfer und die Metzgershunde. Da fragt man sich, wofür Metzger Hunde brauchten. "Das waren häufig Rottweiler. Sie haben beispielsweise die Geldbörse des Metzgers bewacht. Teilweise hatten sie diese um den Hals hängen. Da kann man sich vorstellen, dass sich da kein Dieb herangetraut hat", berichtet Krause. Auch zum Rindertreiben oder zum Ziehen von kleinen Leiterwagen wurden die Hunde eingesetzt. Wer sich einen Esel oder ein Pferd zum Ziehen nicht leisten konnte, spannte einen Hund vor den Karren.

Spätere Berufe für Hunde: Polizeihund, Schutzhund, Armeehund. Im Ersten Weltkrieg waren 40000 Hunde mit dabei, aber nur 20000 kamen auch wieder nach Hause. Wurden sie im Krieg also noch als Helden gefeiert, sah das nach dem Krieg schnell anders aus. "Es gab nichts zu essen, also landeten viele Hunde im Kochtopf." Der älteste Beweis für das Zusammenleben von Mensch und Hund ist ein 33000 Jahre altes Hundeskelett.

Info Das Buch "Hunds Tage - Kleine Kulturgeschichte eines Vierbeiners" ist 2014 im PH.C.W. Schmidt Verlag in Neustadt an der Aisch erschienen.

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