Versorgung Vorsicht beim Trinkwasser

Gerabronn / Johannes Ihle 08.06.2018
Bei einer Kontrollprobe im Wasserturm in Gerabronn wurden coliforme Keime festgestellt. Bis mindestens Anfang nächster Woche soll sich die Bevölkerung an ein Abkochgebot halten.

In Gerabronn herrscht derzeit Aufregung. Denn ein Großteil der Bevölkerung – rund 800 Haushalte – wurde dazu aufgerufen, ihr Trinkwasser bis auf Weiteres vor seiner Verwendung abzukochen – mindestens sechs Minuten. Bei einer Kontrollprobe im Wasserturm wurden am Donnerstag erhöhte Werte gemessen.

„Im Wasser wurden coliforme Bakterien festgestellt“, sagt Holger Gersten vom Zweckverband Hohenloher Wasserversorgungsgruppe. „Der Grenzwert liegt bei 0.“ Der gemessene Wert sei etwas höher. Gestern wurde eine erneute Probe entnommen, über das Wochenende wird sie analysiert. „Wir werden uns mit dem Gesundheitsamt absprechen, wie es weitergeht“, sagt Gersten. „Bis mindestens Anfang nächster Woche“ sollten sich die Bewohner an die Empfehlung halten. „Das Wasser muss vor dem Verzehr abgekocht werden. Duschen und baden kann man problemlos, man sollte das Wasser nur nicht schlucken“, sagt Gersten.

Wer ist betroffen?

Auf dem Infozettel, der am Donnerstagnachmittag in den Briefkästen steckte, steht: „für alle Anschlussnehmer in Rechenhausen und Hochzone Gerabronn“. Damit können nicht alle etwas anfangen. „Ausschließen kann man den südwestlichen Teil Ge­ra­bronns, ab dem Kreisel“, sagt Gersten. „Dieser liegt in einer anderen Versorgungszone. Grundsätzlich gilt: Alle, die einen Zettel bekommen haben, sind betroffen.“

Doch so ganz stimmt das nicht. Das Gymnasium beispielsweise, das im Osten der Stadt liegt und somit im Gefahrengebiet, wurde nicht informiert. Eine Kollegin habe den Zettel von zu Hause mitgebracht. „Wir haben dann beim Zweckverband angerufen und nachgefragt“, heißt es von Seiten der Schule.

Mit Aushängen und Durchsagen wurden Kinder und Jugendliche darauf hingewiesen, dass sie kein Wasser aus der Leitung trinken und sich, wenn möglich, nicht die Hände waschen. Die Cafeteria der Schule hält sich an die Vorgaben und kocht das Wasser vor der Zubereitung des Essens ab.

Das Azurit Seniorenzentrum Hohenlohe wurde per Handzettel informiert, dennoch hätte sich Hausleiter Dieter Reipert „ein paar mehr Auskünfte gewünscht“. Die Situation sei entspannt. „Wir haben die Bewohner informiert, dass sie kein Wasser aus der Leitung trinken sollen. Wir halten Flaschen mit stillem Wasser für die morgendlichen Toilettengänge bereit“, sagt Reipert. „Zu trinken gibt es Apfelsaft- und Johannisbeersaftschorle.“ Schwieriger ist die Situation bei den Demenzkranken. „Dort ist eine größere Aufsicht nötig. Aber in der Regel trinken sie auch nicht einfach so aus dem Wasserhahn.“

Herkunft noch unklar

Wie die Bakterien ins Wasser gekommen sind, ist noch unklar. „Das kann mehrere Gründe haben“, sagt Gersten. Auch dies soll zeitnah geklärt werden. E.coli-Keime, also Bakterien die vom menschlichen oder tierischen Darm kommen, können aber ausgeschlossen werden. Bereits Anfang März gab es Probleme mit dem Leitungswasser in Gera­bronn: Es roch nach Chlor. Grund dafür war „ein Totalschaden der Chlordioxidanlage“ im Wasserwerk Bronn.

„Mit diesem Vorfall hat das aktuelle Ereignis nichts zu tun“, sagt Gersten. Aber mit Chlor wird nun auch gearbeitet. „Ab sofort werden gemäß der Trinkwasserverordnung maximal 0,3 Milligramm Chlor pro Liter hinzugefügt“, sagt Gersten. Dies sei eine effektive Möglichkeit, Keime und Bakterien risikolos zu entfernen.

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