Spielbach / Birgit Trinkle Luise Wirsching aus Spielbach erzählt von Haus und Garten und Obstbäumen. Blick auf ein Leben zwischen Tradition und der Bereitschaft, sich eigene Gedanken zu machen, eigene Wege zu gehen.

Geschafft hat sie immer viel, sehr viel. Es ging ja nicht anders, wo der Vater doch mit einem Holzbein aus dem Krieg gekommen war. Aber dieses Schicksal teilt Luise Wirsching mit vielen anderen. Auch Gärtnern und Bäumeschneiden sind nicht so rar gesäte Fähigkeiten, dass damit erklärt wäre, warum die Spielbacher Bäuerin jetzt schon vier Mal im Fernsehen war und für ein fünftes Mal angefragt wurde. Warum so viele Berichte über sie geschrieben wurden oder warum sie am Wochenende im Rahmen der „Jagsttal-Wiesenwanderung“ eine eigene Info-Station zum Thema Streuobstbäume übernimmt.

Einziehen, ein Heim schaffen

Was die 72-Jährige macht, macht sie mit ganz großer, ansteckender Freude, vielleicht ist das ihr Geheimnis. Schönstes Beispiel ist das 300 Jahre alte Haus, in dem sie wohnt. Als sie in den frühen 70ern einzog, um drei ältere Verwandte zu versorgen, konnte sie sich noch vorstellen, dass das alte Häusle einmal einem Neubau weichen würde. Dann hat sie ein bisschen Kalk angerührt, ihre eigene Stube geweißelt, wenig später weitere Räume und den Flur.

Auch das Äußere ließ arg zu wünschen übrig. Die Farbe für die Fassade hat ihr der Maler angerührt; die große, ausziehbare Leiter, mit der die Schafferin ihren Pinsel bis ins allerletzt Giebeleck führen konnte, hat die Mutter für 400 Mark auf der Muswies‘ gekauft. Alles andere in diesem jahrelangen Verschönerungsprozess aber hat sie sich selbst erarbeitet und erspart und dabei immer mehr erkannt, dass sie nie mehr weggehen wollte aus diesem Haus. Jungen Leuten empfiehlt sie unbedingt ein solches Projekt. Einziehen in ein altes Haus und anfangen zu schaffen, immer ein Säckle Kalk parat zum Weißeln: Das ist für sie ein sicheres Glücksrezept.

Die Gewissheit, dass da einmal einer kommen würde, „der eine Heimat sucht“, hat sie sich als junge Frau über Jahre bewahrt, so lange, dass ihr manchmal schwer ums Herz wurde. Antrag um Antrag hat sie abgelehnt; in einer Uralt-Ausgabe des Hohenloher Tagblatts findet sich eine Annonce, mit der ein Bewunderer das lebhafte Mädel suchte, das er bei einem Landjugend-Treffen in Böblingen gesehen hatte – das erzählt sie übrigens nicht selbst, das kommt von Weggefährten. Der Richtige aber war nicht dabei.

Bis Erich Wirsching kam. Der hatte eine Heimat, einen eigenen, kleinen Hof, aber das war ihm nicht so wichtig wie die Luise aus Spielbach. Und nachdem sie ganz sicher war, dass er derjenige war, mit dem sie leben wollte, bauten sie gemeinsam weiter am alten Haus, am gemeinsamen Hof, waren dankbar für „Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder“. Die Geschichte dieser jahrelangen Werbung bis zur Hochzeit im Jahr 1979 verdient es, erzählt zu werden, ebenso wie viele andere Geschichten aus diesem reichen Leben. Am liebsten aber spricht Luise Wirsching über die Dinge, die sie gerne weitergeben würde.

Petersilie, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen wandern reihenweise durch Luise Wirschings Garten, immer nach ein und demselben Ordnungsprinzip. Seit 40 Jahren, ach was, noch länger, ist der Bauerngarten in Spielbach auf die Lehre Gertrud Francks ausgerichtet, der Hohenloher Mutter der Mischkultur, von der Luise Wirsching einst lernen durfte.

Die Sache mit dem Garten

Hier blühen die neuen Erdbeeren, dort die alten; bald lassen sich die Samen vom Ackersalat nehmen. Starkzehrer, Schwachzehrer, der Mulch zwischen den rollierenden Fruchtreihen: Das alles sieht genauso aus wie im alten Gartenplan und Luise Wirsching hat es so verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenkt.

Diese Gartenordnung ist ihr sehr wichtig. So wie die Obstbäume, die sie auf dem eigenen Grund und Boden schneidet, aber auch in vielen fremden Baamaländle, einfach weil sie’s gut kann.

So hat’s sein müssen

Die Zuversicht und die Kraft, die sie aus ihrem Glauben schöpft, nennt sie als Erstes, wenn sie nach den Dingen gefragt hat, die in ihrem Leben wichtig waren. Gleich zwei Mal, davon ist sie überzeugt, wurde sie gegen ihren Willen auf einen Weg geführt, der sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist und was sie wohl werden sollte. Zuerst, als sie als Bauerntochter im Winter nicht bei einer Familie mit Kindern in Stellung ging, um ein bisschen Geld zu verdienen, sondern voller Vorbehalte in einer Pension in Mainhardt. Dort lernte sie von einer begnadeten Köchin – und ganz nebenbei den Umgang mit Menschen. Die zweite wichtige Weiche, die sie nicht selbst gestellt hat, war eine auf sechs Wochen begrenzte Stelle als Köchin in der Bauernschule Weckelweiler: Sechs Wochen nehmen und dafür auf einen Viermonatsverdienst verzichten? Wie froh ist sie bis heute, dass sie sich 1972 zu Weckelweiler überreden ließ.

Entscheidende Erkenntnisse

In der Bauernschule durfte sie auf einer Lehrfahrt Gertrud Franck kennenlernen, Pionierin der Mischkultur. Fast noch wichtiger war ein Buch „Schicksal aus der Küche. Zivilisationskrankheiten – Ursachen, Verhütung, Heilung“ von Max O. Bruker, nach dessen Lektüre sie ihre Ernährung umstellte. Der Verzicht unter anderem auf Zucker und Weißmehl, davon ist sie überzeugt, erspart kropfunnötige Leiden – das war wohlgemerkt in einer Zeit, in der den Menschen beigebracht wurde, das Fett in der Nahrung sei die Wurzel allen Übels. Offen sein für Neues. Auch das dürfte eines ihrer Geheimnisse sein.

Das könnte dich auch interessieren:

Augenzeugen berichten über mehrere Beobachtungen im Raum Ruppertshofen und Eschach.

Ruhig waren die letzten fünf Jahre in Schrozberg nicht: Zwei Bürgerentscheide gab es. Dass diese keine Narben hinterlassen haben, zeigte sich beim bestens besuchten HT-Wahlforum.

Wiesenwanderung durchs Jagsttal steht an

Das Genusswandern im Jagsttal bewährt sich: Gewandert wird am Wochenende an den Südhängen zwischen dem Langenburger Teilort Bächlingen und Gommersdorf. An vielen Stationen gibt es regionale Spezialitäten und Infostände, Buchvorstellungen, Fledermaus-Führungen, Bogenschießen, Kräuterführungen und mehr. Luise Wirsching ist bei Dörzbach an „Station 10“ zu finden. Info: www.erlebnis-mittleres-jagsttal.de. bt

Gesunder Garten durch Mischkultur

Gesunder Garten durch Mischkultur: Gertrud Francks Gartenbuchklassiker zur Mischkultur wurde von Brunhilde Bross-Burkhardt überarbeitet und im oekom-Verlag neu herausgebracht. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gartenplan, der die Wechselbeziehungen sowie die Verträglichkeiten der Gemüsearten untereinander berücksichtigt – die denkbar beste Grundlage eines gesunden Biogartens, auf die nicht nur Luise Wirsching schwört. bt