Satteldorf Von einem, der Berge versetzen kann

Satteldorf / Guido Seyerle 13.03.2018
Der Satteldorfer Patrick Klaus arbeitet als Baumaschinenführer der Firma Leonhard Weiss auf der Stuttgart-21-Baustelle.

Berge versetzen, das ist auf der Neubaustrecke von Stuttgart 21 zwischen Stuttgart und Ulm notwendig. Tausende von Kubikmetern Erde müssen entnommen und an anderer Stelle wieder aufgefüllt werden. Auf einem 7,8 Kilometer langen Bahnabschnitt ist dafür die Firma Leonhard Weiss verantwortlich.

Einer der Männer, die monatelang auf dieser Baustelle arbeiten, ist Patrick Klaus. Während der junge Mann im Büro in Satteldorf seinen Tagesbericht ausfüllt, zeigt Disponent Marcus Kohler Fotos der Baustelle. Die bietet einige Herausforderungen. Weil direkt neben der Autobahn 8 gearbeitet wird, muss sensibel vorgegangen werden. Immer wieder ist auch eine kurze Sperrung der A 8 notwendig – zum Beispiel wenn mit einer Flächensprengung Gestein gelockert wird. „Da hebt sich kurz die Erde um einen halben Meter und fällt dann wieder zurück. Besonders laut ist das nicht“, beschreibt Kohler, der als Disponent im Bereich Bodenstabilisierung 30 Maschinisten führt. Aber die Sprengung ist effektiv: Dadurch wird das Kalkgestein gelockert und kann leichter ausgebaggert werden.

Insgesamt sind rund 100 Beschäftigte der Firma Weiss an diesem Abschnitt tätig. Der 24-jährige Klaus, ein eher ruhiger Zeitgenosse, der bei seiner Partnerin auf einem Hof bei Bronnholzheim wohnt, bewegt mit seiner rund 500.000 Euro teuren Großmaschine jeden Tag Hunderte von Tonnen: 40-Tonnen-Bagger laden Erde auf den an seinem Traktor angekuppelten Hänger, Klaus fährt diese zu einem drei Kilometer entfernten Zwischenlager und kippt den Aushub dort ab.

Disponent Kohler schätzt seine Arbeit und sieht die Herkunft aus der Landwirtschaft positiv: „Menschen, die vom Bauernhof stammen, sind von Kindesbeinen an den Umgang mit schweren Maschinen gewohnt.“ Schließlich kommt es bei der Arbeit auf der Baustelle auch darauf an, mit dem wertvollen Werkzeug schonend umzugehen – und dabei möglichst effektiv zu arbeiten.

Arbeit in der „Königsklasse“

„Die Maschinisten in der Bodenstabilisierung können dem Vorarbeiter wichtige Tipps geben, welche Zuschlagstoffe sich mit dem jeweiligen Boden wie verarbeiten lassen. Hinten soll eine Art knetbare Masse rauskommen. Es geht nicht nur darum, nur mit der Maschine zu fahren.“ Und augenzwinkernd fügt der Disponent hinzu: „Nicht von ungefähr sind wir die Königsklasse.“ Dieser Ausspruch führt im Baubüro zu vernehmlichem Murmeln der Kollegen. Man spürt: Trotz der harten Arbeit ist man mit Spaß bei der Sache.

Klaus hatte zuletzt als gelernter Mechaniker bei einem Verpackungsmaschinenhersteller gearbeitet. Er war immer wieder auf Montage und spürte, dass ihn die Arbeit nicht ausfüllt. Im Mai 2017 wechselte er zu Weiss. Der 24-Jährige, der auch gern Motocross fährt, fühlt sich nun auf der Baustelle deutlich zufriedener. Auch wenn der Arbeitstag um 5.15 Uhr am Werkstor in Satteldorf beginnt. Kohler lächelt: „Bau ist einfach sexy.“

Das hat sicher auch mit den reinen Leistungsdaten von Klaus‘ Maschine, einem Traktor Fendt 939, zu tun: 396 PS, zehn Liter Hub­raum, vollgetankt 700 Liter. Obwohl der Fendt auf der Straße fahren darf, kommt es nicht auf die Fahrgeschwindigkeit an. Bei der Bodenstabilisierung fährt man teilweise mit 0,5 Kilometern pro Stunde, Klimaanlage und Kühlschrank sind selbstverständlich an Bord.

Doch die Größe einer Baumaschine ist nicht der alles entscheidende Faktor, ob sich ein Maschinist wohlfühlt. „Es muss einem gefallen, auf einem ganz großen Bagger zu sitzen. Da löffelt man den ganzen Tag“, erzählt Kohler. „Und für manche mag es überraschend klingen: Frauen sind ideale Baugeräteführerinnen, weil sie zärtlich mit den Maschinen umgehen.“ Dementsprechend stellt Leonhard Weiss auch gern Frauen für diese Position ein.

Derweil könnte Klaus schon bald den nächsten Karriereschritt machen. Die Vorgesetzten sind mit seinem Einsatz sehr zufrieden. Der 24-Jährige darf bereits nach nicht einmal einem Jahr in der Firma in die Tätigkeit als Vorarbeiter hineinschnuppern. Klaus‘ Fazit: „Das ging schneller als gedacht.“

Erneuerte Version des Artikels

In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, das Baugerät Fendt 939 habe eine Leistung von 340 PS.

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