Crailsheim Von der Kleinsiedlung zum Stadtteil Roter Buck

Die Luftaufnahme vom Stadtteil Roter Buck wurde Ende der 1950er-Jahre bei der Ausführung des Baugebiets „Spitalfeld“ gemacht.
Die Luftaufnahme vom Stadtteil Roter Buck wurde Ende der 1950er-Jahre bei der Ausführung des Baugebiets „Spitalfeld“ gemacht. © Foto: Stadtarchiv Crailsheim
Crailsheim / Helga Staiger 21.06.2018
Der Rote Buck wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Wohngebiet aufgebaut. Entlang der Haller Straße ist er nach Norden gewachsen.

Zwischen der Haller Straße und der Jagst entstand auf einem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Gebiet der Stadtteil Roter Buck. Dieser Name bezeichnete als Flurname ursprünglich nur ein Teilgebiet. Die Bezeichnung lässt darauf schließen, dass hier ein bewaldeter Hügel war, der zur landwirtschaftlichen Nutzung gerodet wurde. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war dieses Areal kaum besiedelt. Im Jahr 1784 errichtete Georg von Berg eine Ölmühle, an deren Bestehen noch der Ölmühleweg erinnert. Nur wenige Häuser entstanden später im Bereich der Haller und der Tiefenbacher Straße. In ihnen wohnten vor allem Eisenbahner.

Mit dem Ausbau der Siedlung in den 1930er-Jahren hat sich der Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch beschäftigt: „Hintergrund war die große Wohnungsnot in Crailsheim. In der Stadt gab es seit dem Ende des Ersten Weltkriegs einen Mangel an qualitativ ordentlichen und bezahlbaren Wohnungen. Mit dem Bau des Fliegerhorstes und der Ansiedlung von größeren Betrieben verschärfte sich das Problem dramatisch und die Stadt war fieberhaft um die Ausweisung von Baugebieten bemüht.“

So beschloss der Crailsheimer Gemeinderat im Mai 1936 den Bau einer „Kleinsiedlung“ nördlich der Ölmühle. Die hier neu gebaute Straße wurde nach dem in Crailsheim geborenen Pfarrer Friedrich Richter benannt. Die im Anschluss daran errichtete Siedlungserweiterung erhielt ihren Namen nach einem führenden Repräsentanten der NSDAP, Robert Ley. Im Juli 1938 wurde für die ‚Robert-Ley-Siedlung‘ ein Bebauungsplan aufgestellt, wenige Jahre später konnten 45 Siedlungsstellenbewerber ihr Haus beziehen.

Sämtliche Straßen im Gebiet erhielten Namen nach Funktionären der NSDAP. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden diese Straßen in die heutigen Bezeichnungen Birken- und Holderweg sowie Blumenstraße umbenannt, die Siedlung erhielt den Namen Ölmühlesiedlung.

Auch die Friedrich-Richter-Straße war in Heidestraße umbenannt worden, obwohl Richter kein Nationalsozialist war. Als die Ölmühlesiedlung in der Nachkriegszeit weiter ausgebaut wurde, entstand als Parallelstraße zum Birkenweg die Friedrich-Richter-Straße neu. Folker Förtsch erläutert: „Der Startschuss für den großzügigen und planmäßigen weiteren Ausbau der Siedlung auf dem Roten Buck erfolgte schließlich Ende 1954, als der Gemeinderat am 16. November dieses Jahres den ‚Bebauungsplan Nr. 48 Birkenweg‘ aufstellte. Er umfasste neue Siedlungsflächen entlang der späteren Straßen Johannesstraße, Roter Buck, St.-Martin-Straße und Drei-König-Weg – insgesamt ein Wohngebiet.

Schon Mitte 1957 wurde der „Bebauungsplan Nr. 55 Spitalfeld“ vom Gemeinderat beschlossen, nach welchem 550 Wohnungen für 2000 Menschen entstehen sollten. Dabei wurde viel über die bis zu viergeschossige Bauweise mancher Mehrfamilienhäuser diskutiert. Auch der Bau des Übergangswohnheims für DDR-­Flüchtlinge wurde sehr kritisch gesehen, denn hier sollten in 48 Wohnungen 500 Menschen untergebracht werden. Ein Gebäude auf dem Roten Buck stach aber besonders hervor, wie Folker Förtsch betont: „Das von weitem markanteste Bauwerk auf dem Roten Buck ist sicherlich das Hochhaus an der Beethovenstraße. Im August 1970 legte Oberbürgermeister Hellmuth Zundel den Grundstein für das zwölfgeschossige Gebäude.“ Hier entstanden 46 Mietwohnungen.

Noch Jahre nach der Fertigstellung der Gebäude, und einer guten Ausstattung mit Lebensmittelläden und Geschäften zum Trotz, war der Zustand der Straßen und Wege ein Ärgernis für die Bewohner. Eine Verbesserung für Fußgänger war die Fertigstellung des Eberlstegs im Juli 1973. Im Jahr zuvor war der lang ersehnte Kindergarten an der Wolfgangstraße eröffnet worden. Das evangelische Gemeindezentrum Paul-Gerhardt-Haus wurde 1974 eingeweiht, die Paul-Gerhardt-­Kirche im Jahr 1989. Wie jeder Stadtteil sollte auch der Rote Buck eine eigene Schule erhalten, doch wurden diese Pläne nicht realisiert. Auf dem dafür vorgesehenen Gelände entstand zwischen 1978 und 1981 das Alten- und Pflegeheim Wolfgangstift. Die Bürgergemeinschaft Roter Buck wurde als erster Verein des Stadtteils am 12. November 1981 gegründet.

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