Wiesenbach Von der Heuernte zur Hüttles-Bar

Wiesenbach / Birgit Trinkle 30.06.2018
In Naicha hat Wiesenbach die Reihe der Dorffeste fortgeführt und sieht sich nun bestätigt im Ansatz, dass das gemeinsame Feiern dem Ort gut tut

Kuchen backen? Würste verkaufen? Den kostbaren freien Samstag damit verbringen, anderer Leute Bier zu zapfen? Es ist im Crailsheimer Raum nicht mehr so einfach, wie’s mal war, Freiwillige zu finden, die Feste und Hocketsen ausrichten – im Vergleich zu den Ballungsräumen aber, in denen solche Traditionen eingehen wie Primeln ohne Wasser, ist Hohenlohe eine Insel der Glückseligen. Kein Wochenende im Sommer ohne ein halbes Dutzend Feiern, die ausschließlich von Ehrenamtlern ausgerichtet werden.

Das Festwochenende in Naicha, das erste dort und das letzte in der Reihe der von Wiesenbach organisierten Dorffeste, ist ein Paradebeispiel dafür, was möglich ist, wenn ein Wohnort als Lebensraum begriffen wird.

Zu diesen Dorffesten lädt nicht nur ein Verein, sondern halb Wiesenbach ein: Feuerwehr, Sportverein, Kirchengemeinde, Landfrauenverein, Albverein, Kindergarten, die Dorfjugend, dann der Ortskern, der Bewirtungsverein, der Liederkranz mit Tonartchor und der Förderverein Dorfladen, alle sind dabei, alle packen mit an.

Bilderbogen aus alter Zeit

Michael Häußerman, der eine ganze Reihe von Ämtern und Funktionen ausfüllt und den kleinen Weiler nach außen vertritt, sagt, ganz bewusst seien auch ehemalige „Naachemer“ eigens eingeladen worden. Ein Geschenk für heutige und frühere Bewohner gleichermaßen war Arnold Ganzhorn zu verdanken. Aus ganz vielen historischen Fotos der Dorfgemeinschaft Naicha hat er einen in Dauerschleife gezeigten „Medienbeitrag“ zusammengestellt, einen Bilderbogen, der bis in die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht und sich bis zur Jahrtausendwende spannt: Naicha ganz im Schnee und Kinder beim Schlittenfahren, die längst selbst Kinder und Enkel und Urenkel haben, Naichaer mit Pferden, bei den Dorffesten einer anderen Zeit, bei der Heuernte – fast war da der Staub auf der Haut zu spüren und der Sommer auf dem Feld zu riechen. „Nicht reißerisch aufgemacht, nicht laut und aufdringlich, einfach eine schöne Nostalgie-Sammlung“, sagt Gerti Häußermann, die das Dorffest von Anfang an begleitet und nach Kräften unterstützt hat. Weil die Untertitel Namen und Umstände beisteuerten, machten die alten, in Dauerschleife gezeigten Fotos nicht nur Freude, sie regten auch zum Erzählen an, zum Austausch fast vergessener Geschichten.

Was ebenfalls gut ankommt, ist das selbstverwaltete „Hüttle“ der Jugend – die „Hüttles-Bar“ lockt unter anderem die Freunde der Beachpartys zu den Dorffesten und stellt sicher, dass sich alle Generationen angesprochen fühlen.

Wiesenbachs Ortsvorsteher Manfred Glemser spricht von „großer Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger“ und von „gelebter Gemeinschaft“. Diese Gemeinschaft wird an einem solchen Wochenende nicht nur sichtbar und erlebbar, sie wird auch gestärkt. Wenn der selbst gebackene Kuchen von anderen gelobt wird, wenn beim Bierzapfen und Würsteverkaufen so viel gelacht wird wie sonst die ganze Woche über nicht, wenn alte Freundschaften erneuert oder neue begründet werden: Das ist aller Mühen wert, finden fast alle, die sich dazu aufraffen, ihre Freizeit zu verschenken.

Glemser freut sich, dass nach Wiesenbach, Saalbach und Emmertsbühl auch in Naicha gefeiert werden konnte. Er dankt Michael Häußermann und überhaupt allen „Nachemern“ und hofft, dass die Dorffeste auch in Zukunft möglich sind.

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