Zum 13. Europatag hatte die Crailsheimer Vorsitzende Brigitte Ströbel auf den Erzeugerhof Blumenstock in Kleinallmerspann geladen. Hier wurde endlich einmal am gemeinsamen Tisch praktiziert, von dem man sonst nur redet: ein direkter, respektvoller Austausch unter Vereinigungen und Institutionen mit unterschiedlichen politischen Ansichten. Und das zum Wohle der Gesellschaft auf einer europäischen Ebene und zum wichtigen Thema "Unser tägliches Brot". Bürgermeister Stefan Ohr schilderte eingangs einen Selbstversuch, dem er sich gestellt hatte. Nachdem er den Film "Taste the Waste" gesehen hatte, suchte er einen Joghurt mit abgelaufenem Verfallsdatum in seinem Haushalt und probierte ihn: "Der schmeckte gar nicht anders", befand er. Die erstaunten Frauen ließ er raten, wie alt er wohl war. Heraus kam ein Ablaufdatum im Oktober 2011.

Über die aktuelle Europapolitik informierte Dr. Inge Gräßle, Mitglied des Europarats. An verschiedenen Beispielen zeigte sie eine positive Entwicklung in den neuen EU- Ländern Bulgarien und Rumänien auf. "Deutschland muss mehr aufpassen als beide Länder zusammen, um nicht in die gleiche Lage zu geraten wie Griechenland", mahnte sie. Noch schwieriger sei die Lage in den Kandidatenländern Kroatien, Türkei, Mazedonien und bei den potenziellen Kandidaten Bosnien, Serbien und Kosovo.

"Das auf drei Jahre ausgelegte Leitthema Leben ist mehr wert" ist ein Spiel mit Worten und lässt viele Deutungen zu", meinte Hannelore Wörz, Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Baden. Das Unterthema "Essen schafft Gemeinschaft" sei als Gesellschaftsaufgabe zu sehen, bei der das gemeinsame Zubereiten und Essen im Mittelpunkt stehe. In Vorträgen und Seminaren würden aber auch Tischkultur, regionale Spezialitäten und der Einfluss ausländischer Gerichte auf unsere Essgewohnheiten beleuchtet. "Unsere Ernährung steht im Spannungsfeld zwischen gemeinsamem Wettbewerb und Regionalität." Für Europa fordern die Landfrauen vereinheitlichte Rahmenbedingungen und eine Gleichwertigkeit von Land und Stadt. "Es ist wichtig, schon Kindern die richtige Sichtweise vom Wert der Lebensmittel nahezubringen", appellierte die Präsidentin. Die größte Tafel Baden-Württembergs soll am 16. Juni entstehen. Fast alle Kreisvereine im Verbandsgebiet, so auch Crailsheim und Schwäbisch Hall, haben ihre Beteiligung mit unterschiedlichsten Aktionen in Aussicht gestellt. Bewahren, informieren, erschaffen und verändern - das sind die Ziele der weltweit agierenden Organisation "Slow Food". Sie stellt sich bewusst gegen Fast Food. Der Lebensmittelindustrie wirft Hans-Werner Bunz vom Slow-Food-Convivium Hohenlohe vor, die Welt krank gemacht zu haben: "Überall wo es industrielle Lebensmittel gibt, gibt es weltweit die gleichen Krankheiten." Mit der Aktion "Teller statt Tonne" soll die Lebensmittelverschwendung gestoppt werden: "Ignorieren Sie das Haltbarkeitsdatum. Es ist willkürlich und fördert die Verschwendung von Lebensmitteln", rät Bunz. "Verwenden Sie regionale Erzeugnisse - lokal ist genial."