Michelbach Vom Sprachwitz jüdischer Märchen

Hohenloher Kultursommer in der ehemaligen Synagoge von Michelbach: Paula Quast und Henry Altmann boten einen überzeugenden Märchenabend mit Musik.
Hohenloher Kultursommer in der ehemaligen Synagoge von Michelbach: Paula Quast und Henry Altmann boten einen überzeugenden Märchenabend mit Musik. © Foto: Lothar Schwandt
Michelbach / Lothar Schwandt 08.08.2018
Rezitatorin Paula Quast sowie Pianist und Kontrabassist Henry Altmann bieten feinsinngen Humor, gepaart mit einem multiinstrumentalen Klangteppich.

Vor einer Woche sang der Liederkranz Michelbach/Gailroth/Reubach beim Festzug in Wallhausen voller Inbrunst „Hohenlohe – Land der Heimat, wo der Wind nie schlafen geht“. Umso schöner, dass der Hohenloher Kultursommer nun einen Abend in der ehemaligen Synagoge in Michelbach veranstaltet hat. Passend zum intimen Rahmen dieser Gedenkstätte rezitierte Paula Quast dort „Jüdische Märchen“, akustisch wirkungsvoll unterlegt von Henry Altmann.

Eine perfekte Ergänzung

Beide ergänzen sich perfekt, denn was die Erzählerin in Worte packt, erfährt seine dramatische Steigerung durch Altmanns Begleitung. Am Anfang war bekanntlich das Wort, und Sprachwitz und Tiefgang scheinen dem Judentum tatsächlich in die Wiege gelegt worden zu sein. Immer wieder scheint das Alte Testament mit seinen Lebensweisheiten durch und seine Auslegung durch die Geschichten der Rabbis als die unumstrittenen örtlichen Autoritäten.

Eingestimmt wurden die Zuhörer durch das Märchen „Der Traum des Holzfällers“, der sich drei Wünsche erfüllen lassen darf und schließlich „am Golde hängt“, bis zum bösen Erwachen und der Erkenntnis, dass der Verzicht letztlich glücklicher macht.

Henry Altmann, aus einer Roma-Familie stammend, genügen hier eine Sansula und disharmonische Tonschritte sowie kleine Terzen auf dem Keyboard zur Steigerung des Höreffekts. Auch der weise König Salomo kommt vor, als er einem Verwalter eine Aufgabe stellt, an der dieser fast zerbricht, während seine Ehefrau dieselbe Aufgabe bedenkenlos durchführen würde, um sich die Gunst des Königs zu sichern, bevor dieser Einhalt gebietet. „Unter tausend habe ich einen Mann gefunden, aber keine Frau“, so die Erkenntnis Salomos, worauf ein Raunen im Saal hörbar wurde.

Wie es zur Feindschaft zwischen Hund und Katze kam und welche Rolle dabei Adam, sein Sohn Seth, Wolf und Schaf spielen, erzählt Paula Quast ausdrucksstark, während Altmann hier Elemente des Singspiels unterlegt – ganz im Stil der Tierstimmenimitation von „Peter und der Wolf“. So reihen sich noch weitere Märchen aneinander, während sich das Publikum an diesem warmen Abend immer wieder Luft zufächelt und andächtig lauscht. Die Musik mischt osteuropäisch-jiddische Anklänge mühelos mit der sanften Melancholie arabischer Weisen.

Bei „Der Streit des Priesters mit dem Stadtnarren“ bezieht Altmann seine gesamte Instrumentenpalette ein: das selten gespielte Mandoloncello mit Rundbauch, ein Euphonium und eine Handtrommel – damit unterlegt er sonst Filmmusiken und Theaterszenen. Und diese instrumentale Vielfalt braucht man auch, um die Wendung zu verstehen, die dieses Märchens nimmt, indem der Narr die richtigen Antworten gibt, obwohl er die Aufgaben völlig anders verstanden hat.

So bleibt dieser Märchenabend den Besuchern in der ausverkauften Spielstätte besonders durch die Charakterstudien in Erinnerung, die die Schauspielerin sehr pointiert herausarbeitet. So ist dieser Märchenabend eine willkommene Abwechslung im sonst musikdominierten Programm des Kultursommers, reich an Lebensweisheiten war er obendrein. Die Gäste dankten dem wiederholten Auftritt des Duos in Michelbach mit Applaus, Susanne Dippon vom Förderverein überreichte ein kleines Präsent.

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