Wohnhausbrand Vom großen Glück zu überleben

Nach Polizeiangaben wurde das Einfamilienhaus der siebenköpfigen Kirchberger Familie bei dem Brand völlig zerstört.
Nach Polizeiangaben wurde das Einfamilienhaus der siebenköpfigen Kirchberger Familie bei dem Brand völlig zerstört. © Foto: Birgit Trinkle
Kirchberg / Birgit Trinkle 13.09.2017

Alexander Müller, Chef der Kirchberger Feuerwehr, wohnt nur rund 500 Meter entfernt: Als er am Montag zwei, drei Minuten nach der Alarmierung um 23.15 Uhr an der Ecke Ahornstraße/Fichtenstraße eintraf, stand das Haus in Vollbrand. Das Feuer loderte so hoch, dass klar war: Da geht gar nichts mehr. Jetzt abzuklären, ob noch jemand drin war in diesem Flammenmeer, war allererste und wichtigste Aufgabe.

Kind als Lebensretter

Leicht bekleidet standen die Bewohner auf der Straße; die Eltern und fünf Kinder. Sie versicherten, dass sie vollzählig waren. Eines der Kinder war aufgewacht und hatte alle anderen geweckt, sonst hätte es gestern in Kirchberg wohl eine Tragödie gegeben. Ob es Rauchmelder gab, ist nicht klar.

Die Katze ist verbrannt

Die Katze hat’s nicht geschafft; der Hund galt als vermisst, bis er am nächsten Morgen lebend im Gebüsch gefunden wurde. Kurz nach dem Kommandanten traf die bei einem Vollalarm nicht nur aus Kirchberg, sondern auch aus Gaggstatt, Hornberg und Lendsiedel ausrückende Gesamtfeuerwehr Kirchberg mit sieben Fahrzeugen und 45 Männern und Frauen ein. Crailsheim kam ebenfalls mit zwei Fahrzeugen und zwölf Mann – wie immer, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Dann stieß die „Führungsgruppe Mitte“ der Gemeinden Vellberg, Braunsbach, Wolpertshausen, Ilshofen und Kirchberg mit drei Fahrzeugen und zehn Einsatzkräften dazu, die den Einsatz koordinierte und Alexander Müller in der Einsatzleitung unterstützte. Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Armin Klingenbeck kam so schnell es ging. In kürzester Zeit war also eine schlagkräftige, gut ausgerüstete Truppe vor Ort.

Gegen einen solchen Brand aber, in diesem Stadium, hilft gar nichts. Der gesamte Besitz der Familie war verloren, nicht nur die materiellen Werte, auch all die persönlichen Schätze, die im Laufe eines Lebens angesammelt werden – Fotoalben, Erbstücke, Stofftiere. Vielleicht hat im Keller die eine oder andere Kiste das Feuer überstanden, das steht noch nicht fest: Alles andere ist unwiederbringlich verloren.

Ganz große Hilfsbereitschaft

Ebenfalls gleich nach der Alarmierung und bis in die Morgenstunden war der Kirchberger Ordnungsamtsleiter Jürgen Köhnlein am Brandort. Im Geiste war er schon alle Möglichkeiten durchgegangen: „Wir hätten uns schwer getan, die Familie unterzubringen“, vermutlich hätte man auf die „Erlebnisherberge“ zurückgreifen müssen. Dazu kam es aber nicht, eine Familie der Kirchberger „Gemeinde Gottes“ erklärte sich spontan bereit, die buchstäblich über Nacht obdachlos gewordene Familie über längere Zeit aufzunehmen.

Nicht nur diese so großherzige Geste bewegt ihn, auch die Hilfsbereitschaft der Nachbarn sei ganz großartig gewesen; sofort hätten sich Helferinnen und Helfer gefunden, die insbesondere die Kinder weggebracht hätten ins Warme, Sichere, weg vom Drama des verlorenen Daheims. „Wir hätten sicherlich auch etwas zustande gebracht“, sagte Köhnlein, aber so sei’s ungleich einfacher gewesen.

„Vermisste Person“ vermutet

Das größte Problem für die Feuerwehrler war es, ein Übergreifen des Feuers aufs Nachbarhaus zu verhindern, das aufgrund des Funkenflugs akut bedroht war. Erste Maßnahme war eine Riegelstellung, also eine Wasserwand zwischen dem brennenden Haus und der Nachbarschaft aufzubauen. Als das Nachbarhaus evakuiert werden sollte und auf wiederholtes Klingeln und Klopfen niemand öffnete, war guter Rat teuer, vor allem weil Nachbarn von einer älteren Dame im Obergeschoss erzählt hatten, die sich nicht selbst retten könne. So wurde die Tür aufgebrochen und das Haus durchsucht; die Bewohnerin war aber nicht daheim.

Gefahren am Brandort

Nachdem die Frage nach der „vermutlich vermissten Person“ geklärt und ein Überspringen des Feuers verhindert war, konnte die Wehr sich dem eigentlichen Brand zuwenden. Reinhalten, mit ganz viel Wasser, war angesagt, nicht reingehen, noch lange nicht. Zu diesem Zeitpunkt war der Strom noch nicht abgeschaltet, und von der Gasflasche am Grill auf der Terrasse strömte Gas aus; die Situation war insgesamt gefährlich. Erst um 10 Uhr morgens, nach der Brandwache, war der Einsatz beendet, dann wurde aufgerüstet, Wasser getankt – und ein Großteil der Einsatzkräfte ging direkt zur Arbeit. Als sei’s selbstverständlich, sich Nächte um die Ohren zu schlagen, um anderen zu helfen.

Neben dem Rettungsdienst war die Crailsheimer Schnelleinsatzgruppe des DRK in Kirchberg da, um die Bewohner auf Rauchgasvergiftung zu untersuchen, um parat zu stehen, sollte jemand gerettet werden und natürlich für den Eigenschutz der Feuerwehr. Die Polizei war mit drei Fahrzeugen und sechs Beamten im Dienst. Alle miteinander zeigten in dieser Nacht in Kirchberg, warum ein gut funktionierendes Rettungswesen so wichtig ist. Zur Brandursache wird noch ermittelt. Der Schaden wird auf mindestens 200 000 Euro geschätzt.