Bächlingen Vom fröhlichen Plantschen zum spannenden Lernen

Bächlingen / MANFRED MÜHLENSTEDT 15.09.2016
Ein „Gewässer-Erlebnistag“ sollte es werden, am Sonntag auf der Jagstinsel in Bächlingen. Die FischHegeGemeinschaft Jagst (FGHJ) hatte eingeladen.

Mit der Veranstaltung sollte den Menschen der Fluss, die Fische und das gesamte Ökosystem der Jagst nähergebracht werden.  Die Hegegemeinschaft hatte bei ihrem Vorhaben fast ein wenig zu viel Glück, denn die Sonne brutzelte an diesem Tag dermaßen auf die Insel herab, dass die Besucher in kurzen Abständen zwischen Theorie und Praxis wechselten – sprich regelmäßig die Abkühlung in den Fluten suchten, die waren schließlich nur ein paar Meter entfernt.

Die Fischer und Heger hatten keine Mühe gescheut.  Das „Fischmobil“ des Landesfischereiverbandes war vor Ort und hatte Mikroskope, Fischmodelle, Informationstafeln und jede Menge Kompetenz mitgebracht. Die Jagstfischer ergänzten das Angebot mit viel Wissen rund um die Giftkatastrophe vor einem Jahr.

Die Veranstaltung hatte Gewicht. Denn die Hegegemeinschaft ist ein freiwilliger Zusammenschluss von 25 Fischereivereinen, acht Einzelpersonen und einer Kommune – von Crailsheim bis zur Jagstmündung. Damit gehören rund 4000 Mitglieder dazu. Deshalb unterstützte auch das Landratsamt Schwäbisch Hall den Gewässererlebnistag.

4000 Mitglieder in der Hegegemeinschaft organisiert

Es war ein buntes Programm, das von morgens bis zum späten Nachmittag geboten wurde. Bei den Kindern kam die „Gewässeruntersuchung“ besonders gut an. Zum einen durften sie die Kleinlebewesen selbst  im Fluss käschern – was bei der Hitze natürlich willkommen war. Zum anderen war das anschließende Mikroskopieren des Fangs richtig spannend. Da gab es „Viecher“ zu entdecken, die (wenn auch winzig) doch so exotisch waren wie Krokodile.

Wer schließlich beim ökologischen „Jagst-Quiz“ punkten wollte, der sollte zuvor dem Berater der Hegegemeinschaft, Dr. Berthold Kappus aus Züttlingen, genau zugehört haben. Er formulierte provokativ und pointiert.  „Die Jagst ist glasklar – aber ist sie deshalb sauber? Ist sie nicht. Jedenfalls nicht so sauber, wie es wünschenswert wäre. Phosphate, Koli-Bakterien, chemische Substanzen sind nachweisbar. Denn die Kläranlagen verfügen allesamt eben über keine chemische Reinigungsstufe. So gelangen Arzneimittelrückstände in den Fluss.“ Deshalb sei die Jagst auch kein offiziell zugelassenes Badegewässer. „Aber ich bade selbst gern in der Jagst – nur allzu viel Wasser zu schlucken, das vermeide ich“, wie Dr. Kappus sein Urteil relativierte.

Und natürlich war die Gift-Katastrophe vor einem Jahr ein großes Thema. Die Fische sind, soweit noch vorhanden, oft geschädigt. Die Schwarzfleckenkrankheit (Parasitenbefall) ist drastisch angestiegen. Unterhalb von Kirchberg ist der Besatz immer noch praktisch verschwunden. Der Wiederbesatz geht langsam voran. Vom Hochwasser Ende Mai hatte sich die Hegemeinschaft eine Zuwanderung erhofft, doch die fand kaum statt. Deshalb sucht der Verband zurzeit dringend kleinere Seen, die zur Nachzucht der Jagstfische dienen können.

Die Hegegemeinschaft mit ihrem Sprecher Markus Hannemann aus Dörzbach hat einen umfangreichen Katalog an Maßnahmen erarbeitet, dessen Umsetzung bei allem Engagement noch Jahre dauern wird.

In diesem Katalog hat auch der Kormoran und seine Vergrämung einen herausragenden Platz. Der Vogel ist so etwas wie der natürliche Gegner der Wiederbesatz-Maßnahmen.  Schließlich begreift der Räuber die frisch eingesetzten Fische wie eine Einladung zum Mittagessen, was den Anglern verständlicherweise gar nicht passt.

Bis die Jagst wieder so lebendig ist, wie sie einmal war, bleibt noch viel zu tun. Das wurde beim „Gewässer-Erlebnistag“ begreifbar. Doch zum Abkühlen war sie an diesem Tag – trotz aller Probleme – immer noch bestens geeignet.

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