Das Fränkische Volksfest startet morgen zu seiner 175. Auflage. Für das Jubiläum haben sich die Veranstalter etwas Besonderes ausgedacht, und die Hochseilartistenfamilie „Geschwister Weisheit“ eingeladen. Wie das Volksfest auch, blickt die Gruppe auf eine lange Tradition zurück: „Mein Urgroßvater hat die Hochseiltruppe im Jahr 1900 in Gotha gegründet“, erzählt Peter Weisheit. Seitdem ist die Artistengruppe kontinuierlich gewachsen.

Inzwischen sind die „Geschwister Weisheit“ mit ihrem Programm europaweit konkurrenzlos. „Wir versuchen ständig neue Innovationen einfließen zu lassen“, erklärt Peter Weisheit. Diesen Anspruch kann man auf dem Volksfest bei der Motorradshow bewundern. „Ende der 1950er-Jahre haben wir erstmals begonnen, Motorräder in unsere Auftritte zu integrieren“, sagt er. Das Resultat von beinahe 60 Jahren andauernder Verbesserungen und Innovationen ragt nun am Rande des Volksfestplatzes zwölf Meter über den Grund: Von ihrer neu entwickelten Hochstartanlage fahren zehn Artisten der „Geschwister Weisheit“ mit drei Motorrädern auf 30 beziehungsweise 40 Meter Höhe. Nach 150 Metern Strecke kommen sie dann am sogenannten Hochmast an – mit 62 Metern Höhe der weltweit höchste mobile Artistenmast.

Nun könnte man sich denken, mit Motorrädern über ein Hochseil zu fahren,  sei ja beinahe schon Standard. Aber nicht in der Form, wie es die „Geschwister Weisheit“ tun: „Dank der Konstruktion unserer Hochstartanlage können wir unsere Show direkt über dem Publikum stattfinden lassen“, sagt Peter Weisheit. „Im Mittelalter war es ganz normal, dass Artisten, Gaukler und Händler gemeinsam auf Märkten aufgetreten sind beziehungsweise ihre Waren angeboten haben“, erzählt Schwiegersohn Charly Weisheit. Im Laufe der Zeit hätten sich die Artisten aber vom direkten Marktgeschehen entfernen müssen – auch wegen Sicherheitsbedenken.

„Wir können es uns gar nicht leisten, unsere Sicherheit und die der Zuschauer zu vernachlässigen“

Umso euphorischer zeigt man sich bei den „Geschwistern Weisheit“, endlich wieder ganz nah an den Zuschauern sein zu können: „Jetzt kommt zusammen, was zusammengehört“, sagt Peter Weisheit in Anlehnung an das berühmte Willy-Brandt-Zitat. Man sei stolz, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen, fügt Charly Weisheit an. Insgesamt drei Jahre, bis ins Jahr 2015 hinein, hatte es gedauert, bis die Hochstartanlage alle Sicherheitsüberprüfungen und -zertifikate erhalten hat. Seitdem kann die Gruppe über den Köpfen des Publikums allerlei Akrobatik zeigen. Sorgen über zu viel Risiko und Spektakel winken die beiden im Gespräch ab: „Wir können es uns gar nicht leisten, unsere Sicherheit und die der Zuschauer zu vernachlässigen“, erklärt Peter Weisheit. Eine großartige und ästhetische Show abzuliefern, ohne jemanden in Gefahr zu bringen, sei die wichtigste Werbung für die Artistengruppe, fügt er an. „Das Publikum möchte staunen und kein Blaulicht“, pflichtet Schwiegersohn Charly bei.

Für die „Geschwister Weisheit“ ist das Volksfest erst die dritte Veranstaltung, bei der sie oberhalb der Zuschauer auftreten werden. „Zuvor gastierten wir mit dieser Form unserer Motorradshow nur einmal in Bremen und Hamburg“, sagt Peter Weisheit.

Die Stadt Crailsheim sei zunächst skeptisch gewesen, ob die Motorradshow auf dem Volksfestplatz überhaupt realisierbar sei, erzählt er. „Also bin ich nach Crailsheim gekommen und habe mir das Gelände angesehen“, schildert Peter Weisheit. Die Lösung: Die Artisten starten hinter dem Biergarten und fahren über die Köpfe der Gäste hinweg zur Karlsberghalle.

Info Die „Geschwister Weisheit“ treten am Samstag und Sonntag, 17. und 18. September, jeweils um 13.30 und 18 Uhr mit ihrer Show beim Volksfest auf.