Oberrot Völkleswaldhof verarbeitet Vorzugsmilch in eigener Hofmolkerei

SIGRID BAUER 04.03.2014
Baden-Württemberg hat nur drei landwirtschaftliche Betriebe, die Vorzugsmilch produzieren. Einer davon gehört Pius und Anja Frey: der Völkleswaldhof im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald bei Oberrot.

Die beiden gelernten Landwirtschaftsmeister sind stolz darauf, eine Milch zu erzeugen, die, wie sie sagen, "so schmeckt wie früher". Vorzugsmilch heißt: Sie wird so, wie sie aus der Kuh kommt, gefiltert, gekühlt und direkt in Flaschen gefüllt. Im Gegensatz zur sonst käuflichen Milch, die homogenisiert und erhitzt wird, damit sie länger haltbar ist, enthält diese Milch alle natürlichen Bestandteile unverändert. Wie Anja Frey feststellt, gebe es im Handel auch fast keine Milch mehr, die nur pasteurisiert wurde (also etwa 30 Sekunden auf 72 bis 75 Grad Celsius erhitzt wird und sechs bis zehn Tage haltbar ist), sondern nahezu nur noch ESL- und H-Milch. Durch die Erhitzung ist die Milch länger haltbar, allerdings wird ein Teil der Vitamine zerstört, verändern sich Milchzucker und der Geschmack. Während bundesweit die Vorzugsmilcherzeugung abnimmt, sehen die Freys in dieser Qualitätsmilch eine Möglichkeit, ein spezielles Produkt für einen speziellen Kundenkreis anzubieten. "Allein mit der Demeter-Bio-Milch hätten wir keine Zukunft gehabt", so die Mutter von drei Kindern.

Vor gut zwei Jahren sind die Freys in die Erzeugung von Vorzugsmilch eingestiegen und mit der Entwicklung recht zufrieden, "auch wenn es noch nicht optimal läuft", wie Anja Frey berichtet. "Betriebswirtschaftlich betrachtet wird unsere Arbeitszeit nicht entlohnt - aber schließlich können wir nicht erwarten, dass gleich die Dukaten klappern", meint ihr Mann Pius und lacht. Für ihn ist es das Höchste, wenn seine Endkunden zufrieden sind und er von ihnen hört: "Eure Milch ist gut!"

Zum hohen Aufwand bei Produktion und Abfüllung kommen Kosten durch die monatlichen Untersuchungen durch Lebensmittelkontrolleure und des Tierarztes. Von bestimmten Bakterien dürfen nur zehn in einem Millimeter zu finden sein. "Das ist extrem wenig, schließlich ist die Milch ein lebendiges, in einem Stall erzeugtes Produkt", so Anja Frey. Wenn nur ein Keim dieser Art mehr drin ist, läuft die Milch nicht unter Vorzugsmilch, sondern als Milch mit Güteklasse 1, die für Milch mit einer Gesamtkeimzahl von 5000 bis 100.000 Keimen pro Milliliter gilt. "Solche Milch erzeugen über 99 Prozent aller Milchbauern", weiß die junge Landwirtin.

Zweimal pro Woche fahren die Mitarbeiter zu Privatkunden und Geschäften im Umkreis von 20 Kilometern. Auch in Schwäbisch Hall wird die Milch angeboten. Ein Großhändler holt einmal wöchentlich Milch ab und beliefert Naturkostläden und Lebensmittelgeschäfte etwa in Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe und Pforzheim. "Auch über den Großhändler bekommen wir positive Rückmeldungen von den Endkunden", freut sich Pius Frey. Zukünftig liefern sie noch ein zweites Mal nach Stuttgart, weil dort ein neuer Lebensmittelmarkt Vorzugsmilch anbieten will. "Eine Super-Angelegenheit für uns", meint seine Frau. Ansonsten sei Mund-zu-Mund-Propaganda die beste Werbung.

Zur Zeit haben die beiden Öko-Bauern 50 Milchkühe, alle mit Hörnern. "Das gehört für mich zur Kuh dazu, auch wenn bei einer Rangelei unter ihnen mal eine einen Kratzer abkriegt", meint Pius Frey. Die Kälber dürfen drei Monate bei ihrer Mutter bleiben. "Sie gedeihen dann viel besser. Außerdem ist unseren Kunden wichtig, dass die Kälber gesäugt werden. Zum Melken ist dann immer noch genug Milch übrig", erklärt Anja Frey.

Im Winter sind die Kühe in einem Laufstall mit Außenbereich untergebracht. In einem zweiten Stall stehen rund 60 weibliche Kälber und Jungkühe. Die Bullenkälber geben die Freys schweren Herzens aus Platzmangel zum Mästen weg.

Definition und Unterschied