Vom ausfahrbaren Teleskopstaubwedel aus weichen Straußenfedern über bemalte und verzierte Deko-Straußeneier bis zu Bonbons aus Straußeneier-Likör: Auf der Straußenfarm von Helga und Georg Weybrecht in Hausen am Bach dreht sich alles um die bis zu 2,50 Meter großen gefiederten Tiere. „Wir wollten etwas anderes als die anderen machen“, erklärt Georg Weybrecht.

Seit 1. Januar 2015 betreibt er die großzügig angelegte Farm. Ab 12 Uhr an den Wochenenden oder für vorangemeldete Gruppen auch unter der Woche öffnet die rollstuhlgerechte Straußenfarm ihre Pforten für Interessierte. Nach einer Führung über das Gelände können sich Groß und Klein im gemütlichen „Straußenstüble“ von Helga Weybrecht mit hausgemachten Kuchen und Torten verwöhnen lassen.

Ans Herz gewachsen

Ursprünglich war auf dem Farmgelände die Baumschule des gelernten Gärtners Georg Weybrecht. Weil ein Nachfolger fehlte und die Marktlage schwierig war, hat Weybrecht schweren Herzes seine Pflanzung aufgegeben. Nach wie vor betätigt er sich jedoch in der Gartenpflege und versorgt zudem seit 30 Jahren das zwölf Kilometer entfernte Rothenburg mit seinen Weihnachtsbäumen. Und doch ist ihm die Arbeit mit den Laufvögeln mittlerweile gleichermaßen ans Herz gewachsen. „Das hätt‘ ich mir nie träumen lassen“, schmunzelt der Gartenpfleger.

Große Laufvögel sind der Fokus der Farm von Georg und Helga Weybrecht. Strauße fühlen sich pudelwohl

Auch seiner Frau Helga, die vor 20 Jahren der Liebe wegen aus dem Öhringer Raum nach Hausen am Bach gezogen ist, gefällt die Farmarbeit. „Ich arbeite gerne mit Menschen“, erklärt die ehemalige Altenpflegerin. Dieser Passion könne sie nun auch auf der Farm nachgehen, indem sie die zahlreichen Gäste bewirtet und unterhält. Zudem zählt sie einen weiteren Vorteil auf: „Ich habe keinen Stress mehr.“

Für einen Schock sorgte allerdings der 24. Mai 2018: „Innerhalb einer halben Stunde hat es 70 Liter geregnet“, erinnert sich Georg Weybrecht an das schwere Unwetter. Das Ergebnis: Die ganze Straußenfarm stand unter Wasser. Mehrere Monate musste das Ehepaar die Farm wegen Renovierungsarbeiten schließen und konnte keine Besucher empfangen. Nun erstrahlt das „Straußenstüble“ wieder in neuem Glanz: „Wir haben frischen Estrich verlegt und neue Fenster und Türen eingesetzt“, zählt Georg Weybrecht auf. Ebenso hat er die vormaligen Backsteinmauern des einstigen Schweinestalls verputzt, in der die Schenke untergebracht ist. „Wir hoffen nun, dass es nächstes Jahr besser wird“, erklärt er.

Michelbach

Momentan leben acht Strauße auf Weybrechts Farm in Hausen am Bach. Drei sind erst ein hal­bes Jahr alt und noch ein wenig schüchtern, wenn Fremde an ihr Gehege kommen. Die fünf älteren erweisen sich jedoch als äußerst zutraulich. Mit elegant anmutenden Schritten kommen sie auf ihren von kräftiger Laufmuskulatur durchzogenen Beinen an den Zaun und recken einem ihre langen Hälse entgegen. Eines der vier Weibchen lässt es sich nicht nehmen, mit ihren fast fünf Zentimeter großen Augen eine Fotokamera aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen.

„Strauße machen kein Geschrei“, freut sich Helga Weybrecht, „es sind ruhige und liebe Tiere.“ Von Georg Weybrecht und seinem Mitarbeiter Georg Grantner lassen sich die zu den größten Vögeln der Welt zählenden Tiere Gefieder und Hals kraulen. Fast liebevoll zupfen sie mit ihren zahnlosen Schnäbeln an Weybrechts Fingern. „Das tut nicht weh“, erklärt er. Auch Grantners braunes Sweatshirt scheint es den Laufvögeln angetan zu haben. Immer und immer wieder zupfen sie am Ärmel, der bereits deutliche Spuren davonträgt. Das kann Grantners sichtbare Freude im Umgang mit den am liebsten in der Gruppe lebenden Federtieren jedoch nicht mindern.

Waldburg

Gut ans Klima angepasst

Ursprünglich kommen die flugunfähigen Laufvögel in der afrikanischen und vorderasiatischen Steppe vor. Dennoch können sie sich gut an neue klimatische Bedingungen anpassen. „Im Winter legen sie dafür eine Fettschicht unter ihrer ledrigen Haut an“, erläutert Georg Weybrecht. So verbringen die Vögel trotz eines geräumigen Unterstands den größten Teil des Jahres im Freien. „Nur starken Wind mögen die Strauße nicht“, weiß Weybrecht aus Erfahrung. Was das Futter betrifft, sind die Tiere ebenfalls recht anspruchslos. Hauptsächlich fressen sie Gras. „Jeder Halm, den sie sehen, ist gleich weg“, erzählt Helga Weybrecht und lacht. Zusätzlich erhalten die bei ausgewachsener Größe rund 110 Kilogramm schweren Vögel Eisbergsalat, Gerste, Futtermais oder Weizenkleie. Dafür müssen Weybrechts allerdings Steine zufüttern: „Weil die Strauße keine Zähne haben, können so die Körner zermahlen werden“, erläutert Georg Weybrecht. Auf Antibiotika verzichtet er bewusst.

Über die Frühjahr- und Sommermonate beherbergt die Straußenfarm meist noch zehn weitere Laufvögel. „Wir kaufen kleine Strauße, die wir dann aufziehen“, berichtet Helga Weybrecht. Dafür gibt es sogar ein extra Gehege, das mit „Straußenkindergarten“ überschrieben ist.

Nach Ende der Paarungszeit im Oktober, in der die schwarzgefiederten Männchen mit stattlichen Balztänzen um die graugefiederten, etwas kleineren Hennen werben, schickt Georg Weybrecht einige seiner Tiere zum Schlachten nach Bamberg. Bis zu 40 Kilogramm Fleisch lässt sich von einem Strauß gewinnen, das Weybrecht seinen Farm-Besuchern zum Verkauf anbietet. Daneben können auch Straußeneier, gefüllt oder ausgeblasen, erworben werden. „Straußeneier sind gut für Diabetiker, da sie mehr Eiweiß als Eigelb enthalten“, weiß Helga Weybrecht. Im Gegensatz zum Hühnerei sei es etwas kräftiger im Geschmack, könne jedoch zu Blähungen führen. Von der Menge her gesehen ist ein Straußenei äußerst ergiebig: Es lässt sich mit 27 bis 32 Hühnereiern aufwiegen. Dafür legt eine Straußenhenne jedoch nur 30 Eier im Jahr, von Oktober bis April ist zudem Legepause.

Eier sind gut zum Dekorieren

Straußeneier, die hauptsächlich aus Kalk bestehen, fühlen sich ein wenig an wie Porzellan. Junge Hennen legen noch kleinere, matte Eier. „Die Eier der älteren sehen dagegen aus wie lackiert“, freut sich Helga Weybrecht. Daher eignen sie sich gut zum Dekorieren. Georg Grantner bemalt und bearbeitet die Eier von Weybrechts Straußenfarm liebevoll. „Dazu braucht man ruhige Hände“, schmunzelt Georg Weybrecht. Vorsichtig bohrt Grantner kleine Löcher in die Eischale, um Muster entstehen zu lassen. So lassen sich die Straußeneier auch als warm schimmernder Kerzenleuchter nutzen. Neben Fleisch und Eiern bietet das Ehepaar Weybrecht auch Straußeneier-­Nudeln oder in Afrika gefertigte Geldbörsen aus Straußenleder an. So können sich die Gäste auch noch zu Hause an ihren Besuch in der Straußenfarm erinnern.

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