Schwäbisch Hall Vitaly Pisarenko und Dominic Chamot stellen ihr Können unter Beweis

Dominic Chamot, Teilnehmer des Meisterkurses von Leslie Howard auf Schloss Schillingsfürst, beim Musizieren in Schwäbisch Hall.
Dominic Chamot, Teilnehmer des Meisterkurses von Leslie Howard auf Schloss Schillingsfürst, beim Musizieren in Schwäbisch Hall. © Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 24.07.2015
Virtuose Töne füllten den Saal in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, als die beiden Teilnehmer des Meisterkurses von Leslie Howard auf Schloss Schillingsfürst ihr Können dem Publikum des Hohenloher Kultursommers vorführten.

Aber Vitaly Pisarenko und Dominic Chamot zeigten auch ganz andere Seiten. Besonders Pisarenko vermochte durch seinen ausdrucksstarken Vortrag von Sergej Prokofievs sechster Klaviersonate, der ersten der drei sogenannten Kriegssonaten, die Zuhörer zu fesseln. Im Eingangssatz arbeitete er die Klangschärfen besonders drastisch heraus, was etwa das Seitenthema zu einer Insel des Wohlklangs werden ließ. Ein unentrinnbarer Sog ließ diese Insel schließlich in fratzenhaften Momenten untergehen.

Dadurch wirkte auch der heiter klingende, schnelle Marschrhythmus des nachfolgenden Allegretto-Satzes wie eine Groteske. Die eigentliche Klanginsel war aber der großartig geatmete Walzersatz, den Pisarenko in sanfte und zarte Gesanglichkeit tauchte - zu verstehen als Sehnsucht nach Ruhe.

Zum starken Kontrast geriet damit der toccatenartige und ruhelose Schlusssatz. Prokofiev nimmt darin noch einmal das dissonante Hauptmotiv des ersten Satzes wieder auf. Pisarenko schien es überdehnen zu wollen, als wolle er die sonst von ihm so klar herausgearbeiteten Strukturen vernichten.

Wie er zu strukturieren weiß, zeigte Pisarenko mit Ludwig van Beethovens c-Moll-Klaviersonate mit dem Beinamen "Pathétique". Da ging das Hervorheben motivischer Arbeit fast schon auf Kosten klanglicher Dramatik. Vielleicht wollte er auch einem Romantisieren dieses Werkes entgegenwirken. So ließ sich jedenfalls auch der langsame Mittelsatz deuten, dessen Melodie bei aller warmer Tongebung schlicht und klar zu hören war. Das finale Rondo unterstrich das Streben nach klaren Gliederungen.

Hemmungslos romantisch durfte danach Dominic Chamot mit den beiden Werken von Franz Liszt umgehen: der "Chapelle de Guillaume Tell" und den "Réminiscences de l'opéra 'Norma' de Bellini". Bei beiden Werken betonte der erst 20-jährige Pianist vor allem den Klangfarbenreichtum. Harmonische Fortschreitungen wurden genauso schön herausgestellt wie innig empfundene Arientöne. Die wurden in der großen Reminiszenzenfantasie mit erregten Bassläufen oder den leidenschaftlich dazwischengeworfenen "Guerra"-Zitaten konfrontiert, sodass neben den Klangfarben auch die dramatische Anlage zu ihrem Recht kam.

Chamot lotete dies mit großer Lust am Klang wie auch virtuosen Momenten im Dienst desselben aus wie bei den schnellen, glöckchenartigen Tonwiederholungen im Diskant. Umso zerrissener erschien seine Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs g-Moll-Sonate Wq 65,17. Zu hölzern, bisweilen flüchtig erklangen die fantasieartigen Ecksätze. Versöhnen konnte jedoch der ariose langsame Satz dazwischen, den Chamot hingebungsvoll bis in die Verzierungen hinein wiedergab.