Angeln Viele Mitglieder des Angelvereins Unterdeufstetten meiden Storchenweiher wegen der Unruhe

Fichtenau / JOACHIM MAYERSHOFER 12.08.2015
Hohenlohe von oben (Teil 4): Mehr als 25 Weiher gibt es in Fichtenau. An vielen darf man angeln – wie am Storchenweiher. Die Mitglieder des Angelvereins haben aber andere Lieblinge.

"Wir haben für jeden Tag in der Woche einen eigenen Weiher", sagt Henning Müller (61) und lacht. Der Vorsitzende des Angelsport- und Gewässerschutzvereins Unterdeufstetten und Fichtenau und dessen rund 100 aktive Mitglieder (dazu kommen 50 passive) haben die Auswahl: Sie können am Ölweiher, am Moosweiher oder am Hurlesweiher, allesamt auf baden-württembergischer Seite, oder am Brunnenweiher, am Gabelweiher, am Altweiher oder am Schnepfenweiher auf bayerischer Seite angeln gehen. In der Auflistung fehlt der Storchenweiher in Lautenbach, einer von mehr als 25 Weihern in der Gemeinde Fichtenau und mit rund 25.000 Kubikmetern Wasser der drittgrößte, wie die Verwaltung mitteilt - doch nur auf den ersten Blick.

Tageskarten sind beliebt

Dieses von vielen als Anglerparadies betitelte Gewässer, das wie ein schimmernder Bumerang aussieht, ist nämlich nicht im Besitz des Vereins, sondern Eigentum der Gemeinde Fichtenau, die an Angler Tageskarten (13 Euro), Wochenendkarten (23 Euro) und Wochenkarten (45 Euro) ausgibt. "Jahreskarten gibt es bei uns nicht", betont Carmen Eckert, Sachbearbeiterin für Liegenschaften in der Gemeinde. "Mit Abstand am beliebtesten sind die Tageskarten." Und die erwerben für den Storchenweiher hauptsächlich Angler aus dem angrenzenden Ostalbkreis und dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Angler aus Fichtenau - der Verein gibt ausschließlich Jahreskarten zu je 160 Euro aus - bevorzugen meist andere Weiher, nachdem Mitte der 80er-Jahre die Gemeinde eine Verpachtung des Storchenweihers an den Angelverein "aus Tourismusgründen" ablehnte, wie es Müller formuliert. "Die Tageskartenkäufer bringen Unruhe an den Weiher", findet Gewässerwart Siegfried Lieckfeldt. "Die haben es nur auf den Fisch abgesehen. Ich will natürlich auch was fangen, aber das ist bei mir nicht vorrangig", sagt der 60-Jährige. Er wolle hauptsächlich die Ruhe und die Natur genießen.

372 Tageskarten wurden im Jahr 2014 für den Storchenweiher ausgegeben: 26 im Rathaus und 346 von Familie Schönborn im Hotel Storchenmühle, wo die Angel-Berechtigungen ebenfalls zu erwerben sind. "Wer eine Karte möchte, bekommt diese nach Vorlage eines gültigen Fischereischeins", sagt Carmen Eckert. Pro Tag und Person dürfen hier nicht mehr als drei Fische geangelt werden.
 


Eine ähnliche Regelung hat auch der Angelsport- und Gewässerschutzverein Unterdeufstetten und Fichtenau getroffen - allerdings ist die Fangmenge auf vier Fische pro Woche und Person insgesamt beschränkt, genauer auf Edelfische wie Karpfen, Schleie, Hecht, Zander und Wels. Wer einen Fisch fängt, darf diesen nicht mehr zurückwerfen, betont Henning Müller. Vorausgesetzt, das Schonmaß ist erreicht und Schonfristen sind eingehalten. Erst ab einer für jede Fischart individuell geregelten Größe dürfen die Tiere mitgenommen werden. Und auch nur zu bestimmten Zeiten.

Siegfried Lieckfeldt erklärt, dass die Weiher des Vereins beispielsweise von 1. Januar bis 31. März stillgelegt seien. Und auch im Herbst für drei Wochen, wenn neue Fische eingesetzt werden. Wenn im Jahr 100 Karpfen rausgefangen werden, "kommen etwa 110 rein", so Lieckfeldt. Bei Raubfischen ist der Faktor sogar noch größer, weil viele Jungfische von größeren Artgenossen gefressen werden. Und dann gibt es da noch die tierischen Angler. "Die vielen Fischreiher stören uns nicht, aber wenn der Kormoran durchzieht, dann ist es, wie wenn ein Jagdgeschwader die Weiher abfischt", sagt Rolf Müller (63), der Bruder des Vereinsvorsitzenden.

Henning Müller steht dem 1958 gegründeten Verein seit 1983 vor. Seit 1963 ist er Mitglied. Doch die Angelleidenschaft des 61-Jährigen ist noch viel älter. "Schwarzfischen war in unserer Kindheit doch gang und gäbe", sagt Müller. Doch nicht nur der Umgang mit jungen Übeltätern habe sich im Laufe der Zeit gewandelt. "Früher war die Rotach auch noch zwei Meter breit und klar, man hat darin alle Fische gesehen." Heute sei der Bach oft nur ein Rinsal. Drainagen, Sandeinschwemmungen, künstliche Gräben, landwirtschaftlicher Raubbau - all das habe für die Gewässerwirtschaft und die Angler negative Folgen, findet Müller.

Es gibt immer was zu tun

Die enge Verbindung zur Natur untermauern die Fichtenauer Angler wie viele andere Angelvereine auch durch zahlreiche Arbeitseinsätze und intensive Pflege am und im Gewässer. Alle sechs Wochen kümmere man sich um bestimmte Dinge, sagt Müller. Mal werde Gras gemäht, mal werden Bäume geschnitten, mal Hänge stabilisiert. Bei rund 15 Hektar Wasserfläche, die im Besitz des Angelvereins sind, gebe es immer was zu tun.

Wenn dann am Ende des Angeltages ein Fisch am Haken zappelt, mit dem Kescher aus dem Wasser gehievt und fachmännisch geschlachtet wird ("Müller: Die Angelprüfung wird immer anspruchsvoller!"), freuen sich Henning und Rolf Müller sowie Siegfried Lieckfeldt auf den Gaumenschmaus. "Was ich fange, das esse ich auch", betont Lieckfeldt. Bei allen dreien steht gebratener Karpfen ganz oben auf der Beliebtheitsskala. "Die haben nur natürliches Futter zu fressen bekommen", sagt Rolf Müller. Den Fisch in Mehl gewendet, Salz und Pfeffer dazu - und natürlich Kartoffelsalat. Der darf nicht fehlen. "Leute, die Angst vor Gräten haben, sollten Wels essen, der hat keine", rät der Fachmann.

Und welchen Tipp haben die Experten für Angler, damit auch einmal ein 70 Pfund schwerer Wels oder ein 15 Kilo schwerer Silberkarpfen anbeißt, wie am Ölweiher geschehen? "Mais, Wurm, Teig, toter Köderfisch - der Trend geht eindeutig zurück zu Naturködern", sagt Siegfried Lieckfeldt. "Mein Highlight war ein 98 Zentimeter langer und sieben Kilo schwerer Hecht. Das war 30 Minuten harte Arbeit. Ich musste sogar ins Wasser rein, damit ich ihn rausgekriegt habe!"

"Hohenlohe von oben" in 14 Teilen: Von A wie Anglerparadies bis W wie Wellness

1. Teil/Samstag, 1. August: Beerenobst so weit das Auge reicht (Gemeinde Wallhausen)

2. Teil/Mittwoch, 5. August: Die A 6 als Lebensader (Satteldorf)

3. Teil/Samstag, 8. August: Ernte mit Bauer Hanselmann (Gerabronn)

4. Teil/ Mittwoch, 12. August: Anglerparadies Storchenweiher (Fichtenau)

5. Teil/Samstag, 15. August: Die Outdoor-Puten vom Sternhof (Rot am See)

6. Teil/Mittwoch, 19. August: Oh, du schöne Jagst (Kirchberg)

7. Teil/Samstag, 22. August: Wiesenbach - kleiner Ort, große Firma (Blaufelden)

8. Teil/Mittwoch, 26. August: Energiewende in den Hirtenwiesen (Crailsheim)

9. Teil/Samstag, 29. August: Eine Herberge im Schloss (Stimpfach)

10. Teil/Mittwoch, 2. September: Wellness im Muschelkalk (Langenburg)

11. Teil/Samstag, 5. September: Wohnen auf dem Tempelhof (Kreßberg)

12. Teil/Mittwoch, 9. September: Ein Schäfer und seine Herde (Frankenhardt)

13. Teil/Samstag, 12. September: Die Burgruine Leofels lebt (Ilshofen)

14. Teil/Mittwoch, 16. September: Barockes Bartenstein (Schrozberg)

Das große Finale mit weiteren Bildern: Samstag, 19. September

HT

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