Wolpertshausen Viel mehr als nur Volkstanz

Sich erinnern und erklären: Bei der Vernissage der Fotoausstellung im Gastronomiebereich Mohrenköpfle im Regionalmarkt Wolpertshausen gibt es viel zu erzählen. In Bild sind Christian Leu, Hilde Ott und Deborah Werner. Foto: Ufuk Arslan
Sich erinnern und erklären: Bei der Vernissage der Fotoausstellung im Gastronomiebereich Mohrenköpfle im Regionalmarkt Wolpertshausen gibt es viel zu erzählen. In Bild sind Christian Leu, Hilde Ott und Deborah Werner. Foto: Ufuk Arslan
Wolpertshausen / MARGITTA SCHMIDT 22.02.2013
Eine Fotoausstellung über die Landjugend Schwäbisch Hall ist derzeit im Mohrenköpfle-Gastronomiebereich in Wolpertshausen zu sehen. Zur Vernissage kamen über 40 aktive und ehemalige Landjugendmitglieder.

"Schau mal, das kleine Mädchen bist ja du!" freut sich eine Besucherin und zieht ihre Bekannte lachend zu einem der schwarzgerahmten Fotos an der Wand. Die erkennt nicht nur sich selbst wieder, sondern auch Bruder und Mutter, beide sind inzwischen verstorben. "Das ist schon seltsam, die jetzt zu sehen", meint sie nachdenklich, wendet sich dann aber wieder den erfreulichen Begebenheiten aus der Jugendzeit zu. Auch Helmut Marstaller erinnert sich. 12 Jahre, von 1968 bis 1980, dirigierte er den Landjugendchor. Bei vielen Feiern und Treffen war der präsent, heute existiert er nicht mehr. "Für mich war das eine schöne Zeit", lächelt Marstaller.

Von 1951 bis in die Gegenwart zeigen die Fotografien das vielseitige Spektrum der Schwäbisch Haller Landjugend auf. "Guck mal da!" und "Weißt du noch?" ist immer wieder zu hören. Bei den Älteren werden Erinnerungen wach über das 1. Württembergische Landestreffen. Da war 1951 und da wurde ein Schwäbisch Hällisches Landschwein als Gastgeschenk mitgenommen. Andere schmunzeln über einen Ausflug nach Hamburg. "Von dem sind aber trotz des obligatorischen Reeperbahnbummels alle wieder anständig heimgekommen", betont Marstaller.

Etwa 40 Besucher, von "jungen Aktiven bis hin zu reiferen Vertretern der Landjugend", begrüßt der Initiator der Ausstellung, der Vorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) Rudolf Bühler, am Dienstagabend im Mohrenköpfle. Die Überreichung der Erntekrone, ein altes Fotoalbum und eine Preisverleihung haben bei der Idee für diese Ausstellung Pate gestanden. Die Landjugend war Gewinner des Agrarkulturpreises 2012, der von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft ausgelobt wurde. Bei der Übergabe der Erntekrone im Landratsamt zeigte Hilde Ott, Bäuerin aus Jagstrot, ihr altes Landjugend- Fotoalbum. "Noch so viel Begeisterung nach 50 bis 60 Jahren, das ist doch eine Sache", meint Bühler anerkennend in Richtung der 84-Jährigen, die in den 50er Jahren Vorsitzende in Orlach war. Ihre alten Fotos brachten ihn auf die Idee, die Geschichte des Agrarkulturpreisträgers, der Landjugend, schwerpunktmäßig aufzuzeigen: "Es gäbe ja unheimlich viel zu berichten."

Anusha Tayebi, Assistentin in der BESH, sichtete die Fotos von Hilde Ott, Marianne Hornung und Ernst Kunz. Dann stellte sie die Auswahl thematisch zusammen und kümmerte sich um Vergrößerungen, Rahmung und Beschriftung. "Den Schwerpunkt haben wir auf die Anfänge, also auf die 50er und 60er Jahre gelegt, aber es sind auch ein paar aktuelle dabei." Das Haller Tagblatt lieferte frühere Zeitungsberichte.

Mitten im Raum steht die prachtvolle Erntekrone. Traditionell aus Hafer, Weizen und Roggen in Handarbeit gebunden, bildet sie einen attraktiven Blickfang. "Der Erntekrone wird zu wenig Beachtung geschenkt", bedauert Rudolf Bühler, dabei sei sie ein Symbol für traditionelle ländliche Kunst.

Bürgermeister Jürgen Silberzahn begrüßt das Engagement der Landjugend: "Es ist gut, wenn sich viele junge Leute zusammenfinden, um das Dorfleben mitzugestalten."

"Entstanden ist eine gute Präsentation, die unsere Vielseitigkeit nach außen trägt. Manche denke ja, unser Schwerpunkt wäre der Volkstanz, aber wir bieten viel mehr. Im Vordergrund stehen bei uns Gemeinschaft und Geselligkeit", meint Christian Leu, Vorsitzender der Landjugend. Er hofft, dass Fotos und Erntekrone viel Aufmerksamkeit von Ansässigen und Durchreisenden erfahren.