Langenburg / Erwin Zoll  Uhr

Der Wind, der über den Brüchlinger Wald hinwegweht, treibt nicht nur zwölf Windkraftanlagen an, er weht auch bares Geld in die Kassen einer neuen Stiftung. Mit ihren Unterschriften unter den Stiftungsvertrag haben Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg und der Vorstand der DT Deutschen Stiftungstreuhand AG in Fürth Ende letzten Jahres die Stiftung Brüchlinger Wald ins Leben gerufen. In diese Stiftung wird ein Teil der Erträge fließen, die die Windräder abwerfen.

Der Windpark ist seit dem Juni 2018 in Betrieb. Er besteht aus zwölf Anlagen, von denen zehn auf Langenburger und zwei auf Blaufeldener Gemarkung stehen. Sie werden von der ENBW betrieben; ihr hat Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg die Grundstücke verpachtet, auf denen die Windräder stehen.

Die Errichtung der Stiftung ist Teil des Kompromisses, den die ENBW, die Stadt Langenburg und das Fürstenhaus 2016 geschlossen haben. Vorausgegangen waren lange, zum Teil heftige Auseinandersetzungen um den Flächennutzungsplan, der den Windpark ermöglichen sollte. Zu dem Kompromiss gehört auch die radargesteuerte Beleuchtung der Windräder, die in den nächsten Tagen in Betrieb gehen wird (die Zeitung berichtete).

„Es war von Anfang an vorgesehen, so viele Bürger wie möglich einzubeziehen“, sagt Fürst Philipp im Gespräch mit unserer Zeitung. Allerdings sei dies schwierig gewesen, weil die Standortsuche immer wieder auf seine eigenen Grundstücke hi­nausgelaufen sei – der größte Teil des Brüchlinger Walds gehört dem Fürstenhaus. „Die Stiftung ist eine bessere Lösung, als nur einzelne angrenzende Grundstückseigentümer zu beteiligen“, betont Fürst Philipp. Ein Teil der Pacht, die der 49-jährige Betriebswirt von der ENBW erhält, nämlich 35 000 Euro jährlich, fließt nun in die Stiftung. Noch im vergangenen Jahr hat Fürst Philipp die erste Rate überwiesen.

Der Betrag entspricht seinen Angaben zufolge in etwa den Pachteinnahmen aus dem Betrieb eines einzelnen Windrads. Mit genaueren Zahlen hält sich der Chef des Hauses Hohenlohe-Langenburg zwar zurück. Um jedoch die Größenordnungen zu veranschaulichen, verweist er darauf, dass die Pachteinnahmen aus dem Windpark in etwa für den Betrieb und die Erhaltung von Schloss Langenburg ausreichen.

Weil der Windpark auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt ist, kann die Stiftung bis zu 700 000 Euro erhalten – vorausgesetzt, dass sich alle Rotoren so lange drehen. Wird der Betrieb des Windparks eingestellt, enden die Zahlungen, werden einzelne Windräder stillgelegt, dann werden die Zuwendungen anteilig reduziert.

Viele Verwendungszwecke

Die Stiftung Brüchlinger Wald ist eine Verbrauchsstiftung. Sie darf nicht nur die Kapitalerträge aus ihrem Vermögen ausschütten, sondern darf das Vermögen selbst bis auf einen Restbetrag von 10 000 Euro verwenden.

Mit ihrem Geld wird die Stiftung Einrichtungen, Personen und Personengemeinschaften in Langenburg, Billingsbach, Brüchlingen und Raboldshausen fördern – vorausgesetzt, sie haben sich in bestimmten Bereichen verdient gemacht. Dazu gehören dem Stiftungsvertrag zufolge zum Beispiel die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen, Kultur, Geschichte und Pädagogik, vom Klimawandel bedrohte Natur oder Landschaftspflege und Wegeunterhaltung in der Gemarkung Langenburg. Fürst Philipp denkt zum Beispiel daran, die Mobilität von Senioren zu unterstützen oder eine Strecke für E-Biker vom Jagsttal nach Langenburg hinauf einzurichten. „Wir können mit der Stiftung Dinge unterstützen, die sonst nicht möglich wären“, sagt er.

Allerdings entscheidet nicht der Stifter darüber, wer Geld erhält, sondern ein Stiftungsrat. Ihm gehören kraft Amtes die Bürgermeister von Langenburg und Blaufelden an sowie der Langenburger Pfarrer, im Fall der Vakanz der Langenburger Pfarrstelle der Dekan von Blaufelden. Jedes dieser Mitglieder bestimmt ein weiteres Mitglied, das dem Gemeinderat seiner Gemeinde beziehungsweise dem Langenburger Kirchengemeinderat angehören muss.

Noch hat der Stiftungsrat keinen Vorsitzenden. Die konstituierende Sitzung des Gremiums, bei der der Vorsitzende und sein Stellvertreter gewählt werden, soll erst nach den Gemeinderatswahlen vom 26. Mai stattfinden. Ob auch die nächste Wahl des Kirchengemeinderats abgewartet wird, erscheint fraglich, denn die ist erst für den 1. Dezember 2019 vorgesehen.

Fürst Philipp legt keinen Wert darauf, im Stiftungsrat mitzuwirken. „Ich würde mich zwar nicht weigern, mitzumachen, wenn ich gefragt würde, aber sinnvoller wäre es der Neutralität wegen ohne mich“, sagt er.

Offen für weitere Zustiftungen

Die Stiftung Brüchlinger Wald ist eine Zustiftung zur Sparkassenstiftung, also zur „Stiftergemeinschaft der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim“, wie sie amtlich heißt. Sie wird von der DT Deutschen Stiftungstreuhand AG als Stiftungsträgerin verwaltet nach der für die Sparkassenstiftung geltenden Satzung. Die Stiftung Brüchlinger Wald ist offen für weitere Stifter, die Zustiftungen einbringen können. Die Stiftungstreuhand erhält für die Verwaltung eine Vergütung, die von der Höhe der Zuwendungen und des Stiftungsvermögens abhängt. Eine weitere, von der Höhe der Zuwendungen abhängige Vergütung steht der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim zu. erz