Berlin/Region Verfassung in Schutt und Asche

SEBASTIAN UNBEHAUEN 27.02.2013
Welch ein Symbol: Vor 80 Jahren brannte der Reichstag - und die Weimarer Verfassung lag schon am Tag danach in Schutt und Asche. Auch in Hohenlohe gingen die Nazis rigide gegen politische Gegner vor.

Hitler war seit einem knappen Monat Reichskanzler, die Reichstagswahl stand unmittelbar bevor, da meldete der in Gerabronn erscheinende "Vaterlandsfreund": "Das Reichstagsgebäude in Brand gesteckt. 20 Brandherde im Reichstag. Einer der Täter ein holländischer Kommunist." Bis heute diskutieren Historiker kontrovers, wer das Feuer gelegt hat. War es Marinus van der Lubbe, ein kommunistischer Einzeltäter? Waren es die Nazis selbst?

Sicher ist nur, dass die Nationalsozialisten das Ereignis für ihre Zwecke zu nutzen wussten. Die Trümmer des Gebäudes rauchten noch, als Reichspräsident Paul von Hindenburg die "Verordnung zum Schutze von Volk und Staat" unterschrieb. Bürgerliche Grundrechte der Weimarer Verfassung wurden damit außer Kraft gesetzt, der erste große Schritt in Richtung Diktatur war getan.

Der "Vaterlandfreund" berichtete von Verboten sozialdemokratischer und kommunistischer Zeitungen. Politische Gegner, vor allem aus den Reihen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), wurden in "Schutzhaft" genommen. Aus Heilbronn meldete das Gerabronner Blatt: "(. . .) wird die Polizeidirektion jede Kundgebung der kommunistischen Partei und ihrer Hilfs- und Nebenorganisationen unter freiem Himmel bis zum Wahltag verbieten." Von fairem Wahlkampf konnte keine Rede sein - auch nicht in Hohenlohe. Der "Vaterlandsfreund" schrieb: "Im Zuge der Polizeiaktion gegen die KPD wurden auch in Gerabronn am Samstagvormittag (dem Tag vor der Reichstagswahl, Anm. d. Redaktion) bei verschiedenen kommunistischen Parteimitgliedern Haussuchungen vorgenommen und Druckschriften beschlagnahmt."