Langenburg Vereint gegen die Freileitung

Über die geplante Leitung soll Storm aus erneuerbaren Energien aus Hohenlohe abfließen.
Über die geplante Leitung soll Storm aus erneuerbaren Energien aus Hohenlohe abfließen. © Foto: dpa
Langenburg / Sebastian Unbehauen 17.10.2018
Die Hohenloher Kommunen, die von der geplanten 110-kV-Stromleitung betroffen sind, wollen gemeinsam ein Erdkabel fordern. Der Gemeinderat Langenburg hat dem zugestimmt.

Das eigentliche Schreiben an das Referat 21 des Regierungspräsidiums in Stuttgart nimmt weniger Raum auf dem Papier ein als die vorgesehenen Unterschriften: die Bürgermeister Wolfgang Class (Langenburg), Siegfried Gröner (Rot am See), Petra Weber (Blaufelden), Stefan Ohr (Kirchberg), Frank Harsch (Braunsbach), Jacqueline Förderer (Schrozberg), Kurt Wackler (Satteldorf), Rita Behr-Martin (Wallhausen), Joachim Schaaf (Kupferzell) und Christian Mauch (Gerabronn) werden – für den Fall, dass alle Gemeinderäte zustimmen – die Signaturstifte zücken. Gemeinsam haben sie eine Stellungnahme zur geplanten Hochspannungsleitung zwischen Kupferzell und Rot am See formuliert.

Die betroffenen Kommunen werden im nun begonnenen Raumordnungsverfahren als Träger öffentlicher Belange gehört. Das Regierungspräsidium (RP) muss ihre Stellungnahme bei der Suche nach der besten Trasse in der Abwägung berücksichtigen.

„Kann nicht vermittelt werden“

Die Bürgermeister argumentieren, dass der Bau von Windrädern im Nordosten des Landes bereits zu „großem Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung“ geführt habe. Die Anlagen würden bis heute von einer breiten Bevölkerungsschicht nicht akzeptiert. „Die zwischen Rot am See und Kupferzell geplanten Leitungstrassen einer Freileitung verlaufen in großem Umfang durch hochwertige Natur-, FFH- und Landschaftsschutzgebiete mit den einmalig schönen Flusstälern Kocher, Jagst und Brettach“, heißt es weiter. „Das kann der Bevölkerung nicht vermittelt werden. In allen betroffenen Gemeinden gibt es deshalb großen Widerstand gegen einen Freileitungsbau.“

Keiner der Trassen, die noch im Verfahren sind, geben die Rathauschefs den Vorzug. Stattdessen fordern sie eine Erdleitung. Nur so könne die Akzeptanz für diese Leitung und die Energiewende steigen. Außerdem erhöhe sich der Artenreichtum durch die schmalen Schneisen im Waldbestand, die bei der Erdverkabelung entstünden.

Fazit: Stromleitungen müssten zwar eigentlich als Freileitungen ausgeführt werden, wenn die Kosten für eine Erdleitung den Faktor 2,75 übersteigen – „allerdings gibt es davon Ausnahmen. Diese sind hier gegeben, weil zwingende öffentliche und private Belange die Erdverkabelung rechtfertigen.“

Der Langenburger Gemeinderat hat dieser Stellungnahme am Montag zugestimmt. „Wir wollten kein Schwarzer-Peter-Spiel betreiben“, erklärte Bürgermeister Class, „sondern als Raumschaft mit einer Stimme sprechen“. Deshalb die gemeinsame Forderung. Im Langenburger Gremium herrschte indes keine komplette Einmütigkeit. Fürst Philipp kündigte an, gegen die Stellungnahme zu stimmen, was er später auch tat. Der Weltklimarat habe erst jüngst wieder Alarm geschlagen, sagte er, man wolle außerdem keine Kohle mehr, kein Gas aus Russland, keinen Atomstrom. Also müsse der Ausbau erneuerbarer Energien weitergehen. Er kritisierte ein „moralisches Doppelspiel“: „Wir wollen, wollen, wollen, aber akzeptieren keinen Ausbau in unserer dicken, fetten Wohlstandsgesellschaft.“ Es sei in Sachen Klimawandel nicht Fünf vor Zwölf, sondern Eins vor Zwölf – da sei mehr Offenheit angebracht. Bernhard Adamski stimmte dem grundsätzlich zu. Ein Erdkabel über das Jagsttal will auch er, darüber hinaus sei aber eine Freileitung in Ordnung. Schließlich gebe es solche schon, schließlich seien sie billiger in der Unterhaltung. Er enthielt sich der Stimme.

Kritik von anderer Warte kam von Johann Pollanka, der eine Pressemitteilung der „Besorgten Bürger aus Langenburg und Umgebung“ verteilte. Darin wundern sich diese darüber, dass man sich nun in Bezug auf den Windkraftausbau auf großen Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung und auf eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes berufe – während dies beim Bau des Windparks im Brüchlinger Wald ignoriert worden sei. Auch in der damaligen Situation hätte man sich „ein solch gemeinsames Auftreten und Unterstützung“ gewünscht. Pollanka enthielt sich.

Die anderen Stadträte hielten es derweil eher mit Klaus Groninger: „Wir müssen viele Dinge akzeptieren. Aber da, wo wir etwas gestalten können, sollten wir unseren Einfluss geltend machen. Es muss versucht werden, das Ding unter die Erde zu bekommen.“

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