Schaden Urteil in Fichtenauer "Teer-Affäre" gefällt: Baufirma soll Schäden ersetzen

Auf der Gemeindeverbindungsstraße von Wildenstein nach Unterdeufstetten lösten sich vor drei Jahren Bitumen-Bröckchen - und blieben an 1000 Autos hängen. Ein Betroffener klagte in erster Instanz erfolgreich gegen die Baufirma. Foto: Harald Zigan
Auf der Gemeindeverbindungsstraße von Wildenstein nach Unterdeufstetten lösten sich vor drei Jahren Bitumen-Bröckchen - und blieben an 1000 Autos hängen. Ein Betroffener klagte in erster Instanz erfolgreich gegen die Baufirma. Foto: Harald Zigan
Fichtenau / HARALD ZIGAN 01.08.2013
In der Fichtenauer "Teer-Affäre" gibt es jetzt ein Urteil: Die Baufirma muss für die Schäden an Autos haften, die im Winter 2010/2011 auf einer Straße entstanden. Der Rechtsstreit dürfte aber weitergehen.

Mitten im Winter wunderten sich etliche Autofahrer aus Fichtenau und Umgebung über die urplötzlich aufgetauchten "Sommersprossen" an ihren Karossen - hässliche Bitumen-Bröckchen auf dem Lack, die sich oft nur mit einer aufwendigen Reinigung wieder entfernen ließen.

Die Wurzel des Übels stand recht schnell fest: Die betroffenen Autofahrer (nach einer Zählung des Fichtenauer Rathauses sollen es rund 1000 gewesen sein) waren zuvor allesamt auf der Gemeindeverbindungsstraße von Wildenstein nach Unterdeufstetten unterwegs gewesen, die von der Baufirma Liesen aus Niedersachsen mit einer neuen Oberfläche aus Bitumen und Splitt versehen worden war.

Die ersten Lack-Beschwerden von Bürgern erreichten das Rathaus in Wildenstein kurz vor Weihnachten 2010. Die Straße wurde von der Gemeinde allerdings erst am 17. Januar 2011 gesperrt.

Unternehmer verklagt Baufirma

Nach einem juristischen Kleinkrieg zwischen dem Rathaus und der Baufirma über die Frage der Haftung und die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde für diese kommunale Straße wollte der in fünf Auto-Fällen ebenfalls betroffene Unternehmer (und Fichtenauer Gemeinderat) Herbert Kaspar klare Fronten schaffen: Er verklagte die Baufirma vor dem Amtsgericht Crailsheim auf Schadensersatz - und erhielt jetzt im mittlerweile vierten Anlauf dieses Zivilprozesses Recht: Amtsgerichtsdirektor Anton Schiele verurteilte die Baufirma dazu, den Schaden (in diesem Fall die Reinigungskosten von rund 300 Euro pro Fahrzeug) zu ersetzen.

"Diffizile Rechtsfragen" galt es hierbei zu bedenken, wie der Richter in seiner Urteilsbegründung sagte. Entscheidend war für Anton Schiele letztlich die Frage, ob es für die Firma erkennbar (und damit vermeidbar) gewesen sei, dass "durch den neuen Belag Verunreinigungen auftreten können".

Eine Antwort darauf gab das Gutachten eines Experten aus Ulm: Er kam zu dem Schluss, dass die Firma die unzureichende Verfestigung der Bitumen-Emulsion hätte bemerken müssen. Die Arbeiten sind nach Ansicht von Richter Anton Schiele ohnehin in einer "klimatisch problematischen Zeit" ausgeführt worden, die allein schon eine "höhere Sorgfaltspflicht als üblich" erfordert hätte. Die späte Sperrung der Straße durch die Gemeinde Fichtenau "war in diesem Prozess gegen die Baufirma nicht zu prüfen", wie Anton Schiele erklärte.

Das juristische Nachspiel der "Teer-Affäre" dürfte aber noch lange nicht beendet sein: Dr. Bernhard Schlichter, Anwalt der Baufirma, hat das Urteil noch nicht schriftlich vorliegen - er geht aber davon aus, dass sein Mandant Berufung vor dem Landgericht in Ellwangen einlegt.