Schrozberg/Wackershofen Urschafe Weiden in Hohenlohe

Daniel Kutter hält in Mäusberg eine Herde Krainer Steinschafe, eine robuste und uralte Rasse.
Daniel Kutter hält in Mäusberg eine Herde Krainer Steinschafe, eine robuste und uralte Rasse. © Foto: Ursula Richter
Schrozberg/Wackershofen / URSULA RICHTER 19.09.2015
Der "Sommer im Museum" veranstaltet morgen den Tag der Landschafe. Das Hohenloher Freilandmuseum stellt historische seltene Rassen vor. In Wackershofen etwa soll das Krainer Steinschaf zu sehen sein.

Das Schafgut Kutter ist der einzige Halter von Krainer Steinschafen im Landkreis. Zumindest der einzige, der Mitglied im Landesschafzuchtverband ist. Daniel Kutter lebt mit Partnerin Karin Winands in Mäusberg. Der Weiler gehört zu Schrozberg. Unter Hausnummer 3 findet man ein Gehöft mit einem Bauernhaus, einem Wirtschaftsgebäude, Garten und Obstwiese. Neun Hohenloher Landgänse aus eigener Zucht bevölkern das Gelände.

Die beiden 2011 aus Ulm Zugezogenen befassen sich in ihrer Freizeit vorwiegend mit Haus und Hof. Daniel Kutter ist für die Schafe zuständig. Schon sein Großvater hatte welche. Und so begann er in Ulm mit der Schafhaltung. Die Tiere sollten den Hang abweiden, nicht zu schwer und möglichst unkompliziert sein. All diese Eigenschaften treffen auf das Krainer Steinschaf zu. Er schaute sich im Allgäu welche an und bestellte drei Lämmer für den Herbst 2003.

Jetzt hat er auf drei Weiden insgesamt 100 Tiere. Er trennt nach Altböcken, die extra gehalten werden. Auch die 25 Jungböcke haben einen eigenen Weidegrund. Weil sie schon mit drei Monaten geschlechtsreif werden, kann man sie nicht in der Muttertierherde halten. Diese besteht aus 35 Mutterschafen und 30 weiblichen Lämmern. Sie stehen auf einer Waldwiese am Roggelhäuser Bach. Die Flur hat ihre Bezeichnung von der Siedlungswüstung Roggelhausen, das im 30-jährigen Krieg abgegangen ist. Entsprechend verwunschen ist die Landschaft. Die Flächen werden von Michael Buß zugewiesen, der über die Zuständigkeiten im Hohenlohekreis von Künzelsau aus ein Pflegeprojekt "Trockenhänge im Kocher- und Jagsttal" organisiert. Daniel Kutter verpflichtet sich vertraglich, die Gebiete zweimal im Jahr zu beweiden und dabei zwei Drittel dessen, was wächst, abweiden zu lassen. Außerdem muss er nach der ersten Beweidung nachmähen. Er hat noch eine kleine Gruppe Ziegen, die vor allem den Schlehenaufwuchs stärker in Schach hält als Schafe.

Die Krainer Steinschafe sind eine lebhafte Truppe. Sie kommen gleich angerannt, umringen und beschnuppern einen. Es fällt auf, dass sie sehr unterschiedlich aussehen. Ihre Felllänge ist unterschiedlich, auch die Farbe. Es handelt sich um Urschafe. Sie sind seit 6000 Jahren nachweisbar und haben sich nicht so ausdifferenziert wie spätere Zuchtformen. Der Namensbestandteil Stein verweist auf ihr Vorkommen in den Bergen. Sie sind robust, anpassungsfähig und genügsam. Daniel Kutter schaut jeden Tag einmal nach und bringt ihnen mit dem Traktor frisches Wasser. Dann haben sie noch einen Salz- und einen Mineralienleckstein und das Gras. Das ist alles. Selbst in der trockenen Sommerzeit muss nicht zugefüttert werden. Da brauchen sie allenfalls etwas mehr Wasser.

Die Schafe sind Nutztiere. Der Schafhof verkauft Lämmer weiter. Ein Hausmetzger schlachtet Tiere und macht auch Wurst. Das Fleisch gilt als qualitativ hochwertig. Das Fell ist etwas rau, muss aber geschoren werden. Die Wolle kann nicht verkauft werden, und sie selbst beherrschen die Technik der Weiterverarbeitung nicht.

Daniel Kutter ist sehr zufrieden: "Ich hätte mir früher nicht ausmalen können, wie schön das jetzt ist." Die Entscheidung war ein Wagnis, das einzugehen sich gelohnt hat. Er findet Hohenlohe landschaftlich reizvoll, und außerdem hat er den Hof gefunden, den er kaufen konnte. Und man bekommt Flächen, sagt er. Um Ulm herum ist das kaum möglich. Außerdem hat er nette Nachbarn. Keine Frage: Daniel Kutter und seine Partnerin sind mit ihren Schafen eine Bereicherung für die Kulturlandschaft Hohenlohe.

Historische Rassen im Blick

Beim Tag der Landschafe im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen stehen morgen historische und zum Teil seltene Landschafrassen wie das Krainer Steinschaf, das Walliser Schwarznasenschaf, das Waldschaf und viele andere Rassen im Mittelpunkt. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr.

Infos unter www.wackershofen.de.

HT

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