Es war ein langer Weg. Schon seit geraumer Zeit hatte der Untermünkheimer Gemeinderat auf ein generelles Tempolimit von 30 Stundenkilometern in der Ortsdurchfahrt gedrängt. Lärmbeschränkungen der Europäischen Union und ein Gutachten hatten dann Anfang Juli für die Umsetzung des Antrags gesorgt.

Während es in sozialen Medien hauptsächlich von Nicht-Einheimischen, welche den Kochertalort auf der Bundesstraße 19 vor allem als Pendler nur durchqueren, zu Beginn der Beschränkung einen Aufschrei gab, sieht man im Ort die Aktion positiv. „Für die Anwohner ist es ruhiger und es ist weniger stressig“, erklärt Ingmar Krimmer von der gleichnamigen Bäckerei, die direkt an der Ortsdurchfahrt liegt. Er sieht auch einen Vorteil für seinen eigenen Betrieb. Schließlich bietet er seit diesem Sommer eine Außenbewirtschaftung an – und da ist weniger Krach dienlich.

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Sicherer über die Bundesstraße

Auch privat kann er dem Tempolimit nur Positives abgewinnen – nicht nur wegen des geringeren Verkehrslärms. „Wir haben zwei kleine Kinder und mit ihnen muss man immer wieder über die Straße“, berichtet Krimmer. Die langsamere Fahrweise mache das ungefährlicher.

Auch Gerhard Braun schöpft Vorteile daraus, dass die Autos nicht mehr so schnell unterwegs sind. „Man kommt an der Kreuzung bei der Tankstelle wieder besser auf die B 19“, hat der Obermünkheimer bemerkt, wenn er von zu Hause aus in den Kernort fährt. Allerdings hat er auch schlechte Erfahrungen gemacht – mit anderen Fahrern, die es gar zu eilig haben. „Man wird schon mal überholt, wenn man selbst 30 fährt“, berichtet er. Rund 80 Prozent der Fahrer hielten sich seiner Meinung nach an die Beschränkung. „Und wenn man statt 30 km/h immerhin nur 35 Stundenkilometer fährt, zählt das immer noch“, findet er.

Gemeinderatsmitglied und Bürgermeister-Stellvertreter Peter Busch kann durchaus verstehen, dass es manchen schwerfalle, Tempo 30 einzuhalten. „Die Ortsdurchfahrt ist gut ausgebaut und anderswo ist man eben 50 gewohnt“, meint er. Trotzdem: Dass in Untermünkheim 30 Stundenkilometer vorgeschrieben sind, sei gut aus allen Richtungen ausgeschildert. „Und dennoch gibt es immer noch einige, die das Limit etwas großzügig auslegen“, hat er bemerkt.

Deshalb findet er es gut, dass das Landratsamt bereits mehrfach an der Hohenloher Straße geblitzt habe. „Denn die Maßnahme ist gut für die Sicherheit und gegen den Lärm“, so Busch.

Ergebnisse der ersten Tempomessungen


Der Landkreis hat die Einhaltung von Tempo 30 in der Untermünkheimer Ortsdurchfahrt bereits überprüft. Die Messstelle befindet sich im Bereich des Ortseingangs an der B 19 in der Nähe des Netto-Marktes. Die Messungen erfolgten tagsüber, meist morgens zwischen 7 und 9 Uhr und auch mittags zwischen 11.30 Uhr und 13.30 Uhr. Unter anderem wurde dort am 11. und 28. August, am 10. September, am 13. Oktober und 24. November geblitzt.

Insgesamt 2711 Fahrzeuge fuhren dabei an der Anlage vorbei – 440 zu schnell. Der Großteil derer, die geblitzt wurden, fuhr zwischen 30 und 40 Stundenkilometer, nur zwei zwischen 50 und 60 km/h. Auch am 23. September und am 27. Oktober wurde gemessen. Von 2017 Fahrzeugen waren 97 zu schnell. Am 9. November wurden 731 Fahrzeuge erfasst, davon überschritten 50 das Tempolimit – der Großteil dabei um maximal zehn ­Stundenkilometer. Drei wurden mit 50 bis 60 km/h geblitzt. Das schnellste gemessene Fahrzeug fuhr 58 Stundenkilometer. fär