Landkreis Unsicherheiten machen krank

Für ein harmonisches Familienleben auf dem Bauernhof müssen die familiären und wirtschaftlichen Weichen richtig gestellt werden. Symbolfoto
Für ein harmonisches Familienleben auf dem Bauernhof müssen die familiären und wirtschaftlichen Weichen richtig gestellt werden. Symbolfoto
Landkreis / SWP 25.04.2012
Der Landwirt ist Unternehmer, Geschäftspartner und Kollege - aber auch Ehemann, Vater, Sohn, Bruder und vieles mehr. Es ist ein mitunter spannungsreiches Verhältnis zwischen Familie und Hof.

Das Ineinanderfließen von familiären und betrieblichen Angelegenheiten ist kennzeichnend für viele Familienunternehmen. Das Evangelische Bauernwerk hatte zu einem Fachtag nach Hohebuch eingeladen, um mit fast 60 Vertretern kirchlicher, landwirtschaftlicher und staatlicher Beratungsstellen das spannungsreiche Verhältnis zwischen Hof und Familie zu beleuchten.

"Unser Alltag ist voller Paradoxien - erst recht im Familienbetrieb", sagte Torsten Groth, Soziologe und Systemanalytiker von der Universität Witten-Herdecke. Im System des bäuerlichen Betriebes gebe es unterschiedliche Dominanzen: einmal den Hof und seine Anforderungen, dann wiederum die persönlichen, aber auch familiären Bedürfnisse der Bewohner und Beteiligten. Zwischen beiden fände ein Wechsel zwischen Familienlogik und Betriebslogik statt, was oftmals zur Entscheidungslosigkeit in bestimmten Situationen führte.

Was tut dem Hof gut, was der Familie, was der eigenen Persönlichkeit? Solche widersprüchlichen Wahrnehmungen könnten nicht nur zu Unsicherheiten führen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes krank machen. Vor lauter Versuchen, es allen Beteiligten und dem Betrieb recht zu machen, werde das eigene Leben aus den Augen verloren. Hilfreich könne es sein, Betrieb und Familie getrennt anzuschauen. Aus seiner Beratungstätigkeit von Familienunternehmen zeigte der Groth auf, dass es immer wieder gelte, die richtige Balance zu finden, so dass nicht einseitig nur Familien- oder nur Betriebsinteressen bedient würden, schreibt Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks, in einer Pressemitteilung.