Die geplante Hochspannungsleitung zwischen Kupferzell und Rot am See beschäftigt nicht nur viele Hohenloher Bürger – sondern rief zuletzt auch die sogenannten „Träger öffentlicher Belange“ auf den Plan. Sie waren aufgerufen, im laufenden Raumordnungsverfahren Stellungnahmen beim Regierungspräsidium abzugeben.

Vereinte Kommunen

Die betroffenen Kommunen schlossen sich vor diesem Hintergrund zusammen, um eine Erdverkabelung statt einer Freileitung zu fordern. Unter anderem mit der Begründung, dass die Leitungen in großem Umfang durch hochwertige Natur-, FFH- und Landschaftsschutzgebiete „mit den einmalig schönen Flusstälern Kocher, Jagst und Brettach“ verliefen, was der Bevölkerung nicht vermittelt werden könne. Auch der Regionalverband Heilbronn-Franken hatte sich zuletzt mit dem Thema beschäftigt und fordert eine Erdverkabelung ab Ruppertshofen.

Jetzt hat das Umweltzentrum Schwäbisch Hall, eine Dachorganisation von Naturschutzverbänden im Kreis, ebenfalls eine mehr als sieben Seiten umfassende Stellungnahme abgegeben. Darin weisen die Umweltschützer darauf hin, dass ein Erdkabel einer Freileitung zwar aus ihrer Sicht grundsätzlich vorzuziehen sei. Aber: Auch das Erdkabel führe „für manche Trassenabschnitte zu einem massiven, nicht akzeptablen Eingriff“, so das Umweltzentrum in einer Pressemitteilung. Dies gelte etwa für naturnahe Wälder auf der Ebene. „Anders als von der Netze BW behauptet“, heißt es weiter, „lässt sich die Verlegung nicht auf den schmalen Waldwegen bewerkstelligen, die besonders wertvollen Innensäume müssten dem Aushub und den Fahrtrassen weichen“.

Noch problematischer sei die Querung der Täler, „die gespickt sind mit seltenen Waldbiotopen, Magerrassen, Blumenwiesen und Hecken“. Viele dieser Biotope seien Lebensräume von geschützten und gefährdeten Arten. Das Umweltzentrum befürchtet nicht heilbare Schäden, weil eine Kabelverlegung im Steilhang in der Regel mehr Fläche in Anspruch nehme als in der Ebene.

Bohren statt graben?

Als Alternative wird das sogenannte Spülbohrverfahren ins Spiel gebracht. Damit kann ein unterirdischer Kanal gebohrt werden, ohne dass dafür Bagger anrücken müssen. In den Kanal werden anschließend Leerrohre eingezogen.

Grundsätzlich freilich wäre den Naturschützern eine Lösung am liebsten, die völlig auf den Leitungsneubau verzichtet – „und zwar durch technische Aufrüstung des bestehenden Mittelspannungsnetzes unter anderem mit Hochtemperaturseilen, Installation von Speichern und Bau von Power-to-Gas-Anlagen, wodurch sich die in der jetzigen Weise geplante Ableitung des Stromes erübrigen würde“, so das Umweltzentrum in der Mitteilung.

Auch zu den unterschiedlichen Trassenvarianten wird Stellung genommen. Die drei nördlichen Trassen lehnt das Umweltzentrum „mit Entschiedenheit“ ab. Eine Querung des äußerst sensib­len Brettachtales sei undenkbar. Der Korridor, der bei Diembot die Jagst quert, sei verträglicher, aber nur bei einer Umgehung von Biotopflächen oder bei einer Bohrspülung.

Kritisiert wird, dass die 2016 vom Umweltzentrum ins Spiel gebrachte Südosttrasse nicht in derselben Weise geprüft worden sei wie die anderen Trassen – mit Verweis darauf, dass eine Querung des Jagsttals bei Bölgental wegen des geplanten Rohstoffabbaus nicht möglich sei. Inzwischen jedoch, betonen die Naturschützer, seien die Grenzen des Steinbruchs so weit von Bölgental abgerückt, dass dort ohne spürbare Beeinträchtigung von Einwohnern und Steinbruchbetrieb gequert werden könnte – unter der Maßgabe, dass die Spülbohrung zum Einsatz komme.

Verfahren dauert noch

Das Regierungspräsidium muss die verschiedenen Stellungnahmen nun im Raumordnungsverfahren berücksichtigen. Ist dieses beendet, gibt es noch immer keine Entscheidung. Es folgt das Planfeststellungsverfahren.

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