Bunte und monochrome Flächen, feinste Pinselstriche und gröbere Strukturen, naturalistische Wirklichkeit und Verfremdung sind zu sehen. Marinemalerei, Holzskulpturen, abstrakte Kunst, Reliefe, Blumen- und Landschaftsbilder: Das breite Spektrum der am vergangenen Donnerstag im Landratsamt Schwäbisch Hall eröffneten Ausstellung erstaunt.

Der Mainhardter Künstlerkreis besteht aus acht aktiven Mitgliedern: Gila Bahmann, Reiner Cornelius, Sonja Gutjahr, Sara Oget, Gudrun Romahn, Herbert Schieritz und Ricardo Villacis präsentieren sich gemeinsam mit Gastausstellerin Barbara Frohner-Weidner. Claudia Hundsdörfer pausiert. "Ein Thema ist nicht vorgegeben", wie die Vorsitzende Sara Oget berichtet. Auch daher rühre die breite Palette meist aktueller Werke. "Mit sympathischem Schweizer Slang", wie der Erste Landesbeamte Michael Knaus der gebürtigen Thunerin Oget bei der Vernissage attestiert, stellt sie die Künstler kurz vor. Bis auf den 89-jährigen Kunstmaler Reiner Cornelius sind alle anwesend.

"Als größte Behörde im Landkreis haben wir regen Publikumsverkehr", unterstreicht Knaus die Bedeutung des Landratsamts bei der Präsentation von Kunst. Dadurch seien viele Menschen, die vielleicht nie eine Galerie oder ein Kunstmuseum besuchen, mit der Kunst konfrontiert. Knaus erwähnt die bis zu 100 Flüchtlinge, die wöchentlich im zweiten Stock ankommen und so auf die Kunstwerke treffen. "Kunst kann man auch ohne Deutschkenntnisse verstehen oder zumindest auf sich wirken lassen", so Knaus.

Gudrun Romahn lebt seit 30 Jahren in Mainhardt und beschäftigt sich mit Stadtansichten. Täuschend echt und zum Teil reliefartig komponiert sie verschiedene Materialien so miteinander, dass sie kleine Miniaturen in der Fläche schafft. Besonders Fachwerke und Mauern faszinieren sie. "Diese Art Reliefbilder ist meine eigene Erfindung", erzählt sie mit Stolz. Vorlage sind stets von ihr gemachte Fotografien - meist aus anderen europäischen Städten. Doch eine Haller Stadtansicht ist dabei: der Blick auf den Roten Steg von der Mauerstraße.

"Ich habe heute erst Wasser gemalt", erzählt Herbert Schieritz mit Blick auf seine Hände. Farbflecken zeugen von der Arbeit des Künstlers, der naturalistische Schiffe auf bewegter See beigesteuert hat. "Marinemaler sind auch zugleich Historiker und müssen sich mit der Seefahrt auskennen", erklärt Schieritz und erläutert die Feinheiten, auf die es bei dem Gemälde der "Französischen Fregatte La Renommee 1744" ankommt. Er ist vermutlich der südlichste Marinemaler Deutschlands - aber nicht mehr lang: Mit Eintritt ins Rentenalter 2017 plant er, in den Norden zu ziehen.

Die gelernte Reliefgraveurin Sonja Gutjahr hat verwunschene, fast mystische Kompositionen aus ihrem - gemalten - Werk ausgewählt. Gesichter und Figuren steigen aus natürlichen Formen auf.

Der akademische Kunstmaler Reiner Cornelius steuert naturalistische Landschaftsgemälde bei, darunter auch eine lokale Aussicht: "Der Blick auf den Rappenhof".

"Mein Beruf ist der schönste der Welt", meint der Holzbildhauer Ricardo Villacis mit strahlenden Augen. Der aus Ecuador stammende Künstler lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland. Holz sei seine Passion, so der 64-Jährige. Mal sehe er die Idee im Holz, mal suche er für seine Ideen den richtigen Stamm, erzählt Villacis.

Viel Raum nehmen die Werke von Gila Bahmann im zweiten Stock ein. Sie zeigt eine Werkschau vielfältiger Themen und Titel vornehmlich in Acryl, von Landschaften bis hin zu harmonischen Abstraktionen unterschiedlichen Formats.

Sara Oget hat mit Acrylfarben und Beize experimentiert. Das Ergebnis erinnert am Rande an die verlaufenden Farben von Seidenmalerei. Barbara Frohner-Weidner, die auch bei der IG Kunst Gaildorf aktiv ist, experimentiert in Acrylmischtechnik. Durch Übermalung und Schichtung schafft sie bewegte Farbflächen.

Zwischen 80 und 2500 Euro kosten die Kunstwerke im Landratsamt. Mainhardts Bürgermeister Damian Komor plant mittelfristig, auch im Mainhardter Rathaus eine kleine Ausstellungsfläche für regionale Künstler zu schaffen.

Seit sechs Jahren aktiv

Geschichte Der Künstlerkreis Mainhardter Wald wurde 2010 gegründet. Vorher gab es einen losen Zusammenschluss der meist ortsansässigen Künstler, initiiert durch den verstorbenen Herbert "Herbie" Ziegler. "Wir sind ein Verein ohne Konkurrenzdenken", so die erste Vorsitzende Sara Oget. Früher stellte man im Pflanzenparadies in Ziegelbronn aus. Unterm Jahr füllen Mitglieder des Mainhardter Künstlerkreises auch die Schaufenster leerstehender Geschäfte in der Mainhardter Ortsmitte.

SWP