Kreis Hall / Christine Hofmann Durch die Novellierung von Förderrichtlinien bekommen Kommunen jetzt viel Geld für den Aufbau eines Glasfasernetzes.

Während in Städten und Ballungsräumen längst mit Hochgeschwindigkeit gesurft wird, kommt der Glasfaserausbau auf dem Land nur schleppend voran. Bisher jedenfalls. Jetzt geht es mit Hochgeschwindigkeit ins digitale Zeitalter. Ein neu aufgelegtes Förderprogramm des Bundes bezuschusst den Breitbandausbau in unterversorgten Gebieten, in denen Internet-Geschwindigkeiten unter 30 Megabit pro Sekunde verfügbar sind, mit 50 Prozent.

Zusammen mit der 40-prozentigen Landesförderung können ländliche Gemeinden nun 90 Prozent der Gesamtkosten abtreten, während sie Dörfer, Weiler und abgelegene Wohnplätze mit Glasfaser erschließen – bis in jedes einzelne Haus hinein.

Der Zweckverband Kreisbreitband soll zukünftig helfen, schneller ins Netz zu kommen. Bislang taten sich vor allem kleinere Gemeinden schwer, ihre Leitungen aufzurüsten

Digitale Datenautobahn

So werden jetzt ganz unerwartet Ortsteile an die digitale Datenautobahn angeschlossen, die in der realen Welt nur über schlecht ausgebaute Gemeindeverbindungsstraßen zu erreichen sind.

Für Gemeinden, die eine große Fläche mit wenigen, auf viele Orte verteilt lebende Einwohner haben – und davon gibt es jede Menge in Hohenlohe – , ist das eine große Chance. So beispielsweise für Frankenhardt. Die rund 4800 Einwohner verteilen sich auf einer Fläche von 70 Quadratkilometern auf 39 Wohnplätze. Hier jedes einzelne Gehöft anzuschließen, würde die Gemeinde Unsummen kosten: 13,7 Millionen Euro genau genommen. Dank der Bundes- und Landesförderung schrumpft der Eigenanteil auf erträgliche 1,37 Millionen Euro, die innerhalb von fünf Jahren ausgegeben werden sollen.

So kommt beispielsweise auch der Aussiedlerhof Rohnbühl zum Zug, dessen Anschluss ans Glasfasernetz die Gemeinde Frankenhardt immer noch stolze 30.000 Euro kostet. Ohne Förderung wären es 300.000 Euro.

„Die Zeiten sind günstig: Alle 30 Kreiskommunen wollen so schnell wie möglich Förderanträge stellen und ihre Glasfasernetze ausbauen“, berichtet Heinz Kastenholz, Breitbandkoordinator im Landkreis Schwäbisch Hall. Die günstigen Förderkonditionen gelten bis zum Jahresende, deshalb ist Eile angesagt.

Neue Richtlinien bringen den Kommunen Vorteile, haben aber auch Auswirkungen auf bereits beantragte Projekte – Beispiel Oberrot.

Backbone-Planung tangiert

Der massive Breitbandausbau in der Fläche tangiert die parallel laufende Backbone-Planung des Landkreises. Beim Aufbau eines überörtlichen Glasfasernetzes standen die kleinen Ortsteile bisher in der Priorisierung weit hinten. Wenn hier jetzt schwerpunktmäßig ausgebaut wird, muss sich das Backbone-Netz anpassen. „Die Prioritätenliste wird jetzt umgedreht. Der Landkreis orientiert sich an den Ausbauplänen der Kommunen“, so Kastenholz.

Nach den neuen Förderrichtlinien werden nun die Ausbaukosten bis ins Haus hinein bezuschusst. Bisher endete die Förderung an der Grundstücksgrenze. Die Hauseigentümer mussten bislang die Kosten von der Straße bis zum Haus selbst tragen. Kommunen, die schneller waren als die Novellierung der Förderrichtlinie, sind in diesem Fall benachteiligt.

Die Stadt Schrozberg ist mit dem Breitbandausbau schon weiter „als alle anderen Kommunen zusammen“, wie Bürgermeisterin Jacqueline Förderer betont. Spatenstich für den Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes war im vergangenen September. Die Kosten für den Anschluss aller „weißen Flecken“ betragen zehn Millionen Euro, dafür gibt es eine 70-prozentige Förderung von Bund und Land. „Wir sind froh, dass wir schon so weit sind. Wir haben Fachfirmen bekommen und marktgerechte Preise erhalten. Ich zweifle daran, dass alle Kommunen in den Genuss der 90-Prozent-Förderung kommen, weil jetzt jeder auf den Zug aufspringt“, sagt Förderer. „Da habe ich lieber 70 Prozent Förderung sicher.“

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Förderprogramme von Bund und Land

Die Bundesregierung unterstützt Kommunen, in denen kein marktgetriebener Ausbau eines Gigabit-Netzes stattfindet, beim Aufbau eines Glasfasernetzes. Mit dem sechsten Förderaufruf Infrastruktur vom 1. August 2018 gibt es 50 Prozent Förderung für alle noch verbliebenen „weißen Flecken“, in denen weniger als 30 Megabit pro Sekunde verfügbar sind. Das Antragsverfahren wurde vereinfacht und beschleunigt.

Die Landesregierung fördert bereits seit 2015 auf Basis der „Verwaltungsvorschrift Breitband“ die Planung und den Aufbau von gigabitfähiger Breitbandinfrastruktur mit 40 Prozent. Beide Förderprogramme können gleichzeitig in Anspruch genommen werden. So sind 90 Prozent Förderung möglich.