Altpietisten Tun was Luther vom Christen erwartet

Bei der Bibelstunde in Kleinallmerspann sind drei junge Leute von der Bibelschule in Kirchberg zu Gast.
Bei der Bibelstunde in Kleinallmerspann sind drei junge Leute von der Bibelschule in Kirchberg zu Gast. © Foto: Ute Schäfer
Kirchberg / Ute Schäfer 12.02.2019

Eines vorab: Bei der Brüderreise des Altpietistischen Gemeinschaftsverbands ist in diesem Jahr auch eine Schwester dabei. Aber sonst ist im großen Wohnzimmer von Emilie Strempfer in Kleinallmerspann alles wie immer – und wie schon seit über 160 Jahren. Einmal im Monat werden Stühle in Reihen aufgestellt, so viel das Zimmer fassen mag, und dann sammeln sich die Brüder (und Schwestern) um den sogenannten Brüdertisch. Dann tun sie das, was Luther von einem jeden aufrechten Christenmenschen erwartet: sich um das Wort Gottes beziehungsweise um die Bibel zu kümmern.

Heute sind drei junge Leute zu Gast, die die Bibelauslegung vorbereitet haben. Sie sind derzeit auf „Brüderreise“. Will heißen: Sie besuchen in den nächsten Tagen die regelmäßigen Bibelstunden im Kirchenbezirk Blaufelden. Der Termin am Sonntagnachmittag in Großallmerspann ist der zweite von insgesamt mehr als 30, den die drei jungen Leute wahrnehmen werden.

Judith Fobbe hat dazu ihre Geige mitgebracht, Patrick Aberle die Mundharmonika und Michael Klimpsch die Gitarre. In Kleinallmerspann singen sie ein Lied aus dem Altpietistischen Liederbuch – „Jesus unsere Freude“ steht auf der Vorderseite. Die Losung stammt von der Herrnhuter Brüdergemeinde, einer der Anwesenden liest seine Gedanken dazu in Gedichtform vor. Dann kommt die Bibelauslegung. In der Bibel, schickt Michael Klimpsch voraus, stehen freilich nicht nur Geschichten. „Hier steht Gottes Wort.“ Die aktuelle Bibelpassage findet er in der Apostelgeschichte und mit ihr führt er die Zuhörer nach Beröa – wo genau das ist, zeigt er auf einer Karte. Dort missionierte Paulus erfolgreich, weil die Menschen das Wort „bereitwillig aufnahmen“ und überdies „in den Schriften prüften, ob es sich so verhielte“. (Apg 17, 10-13). Dies sollten auch die Anwesenden tun, rät er: nämlich im sonntäglichen Gottesdienst und auch sonst die Bibel dabeihaben und prüfen, ob das Wort Gottes die Grundlage für alles sei. Denn: „Ein Leben in Gottes Wort lohnt sich. Ich glaube, da werden Sie mir zustimmen.“ Und die Zuhörer lächeln und nicken.

Mit seinem Schwerpunkt auf dem Wort sah sich der Altpietistische Gemeinschaftsverband (heute nennen sich die Mitglieder „Apis“) bei seiner Gründung 1857 in Stuttgart als Erneuerer des Protestantismus, doch auf dem Hof von Strempfers wurde schon zuvor Bibelstunde gehalten. Wann genau sich hier erstmals Menschen trafen, weiß man nicht so genau. Aber die monatliche Bibelstunde und die jährliche Brüderreise gehören zum Haus wie der große Tisch. Den hat Familie Strempfer eigens angeschafft. Für die Bibelstunde, bei der sich heute gut zwei Dutzend Besucher im Wohnzimmer versammelt haben.

Aber auch für das traditionelle Kaffeetrinken hinterher. „Die Leute sind früher von weit her gekommen“, berichtet Emilie ­Strempfer. „Manchmal sogar bis aus dem Bayerischen.“ Zu Fuß kamen sie zur Bibelstunde, und vor dem Heimweg sollten sie natürlich gestärkt werden. Kaffee und Weißbrot zum Eintunken gab es früher, einige erinnern sich noch gut daran. Heute gibt es Kaffee und Kuchen.

Dafür hat der Tisch ein Innenleben. Es offenbart sich, sobald die Bibelstunde vorbei ist: Er lässt sich auf das Vielfache ausziehen. Schnell ist das weiße Tischtuch ausgebreitet, das Porzellan darauf, da fassen sich die Gäste auch schon an den Händen: „Fröhlich sei das Kaffeetrinken. Guten Appetit“, sagen sie und freuen sich über den Kaffee. Aber auch über ihre Gemeinschaft.

Die Brüderreise geht noch bis 24. Februar

Auf der Brüderreise unterwegs sind derzeit Judith Fobbe, Absolventin der Bibelschule, Patrick Aberle, Student an der Bibelschule Kirchberg, und Michael Klimpsch, Missionar in Vorbereitung auf seinen Dienst in Brandenburg. Die Brüderreise geht bis 24. Februar mit insgesamt mehr als 30 Terminen. Die nächsten Bibelstunden sind heute, 12. Februar, 14 Uhr Haus Andörfer, Sonnenweg 27, Michelbach/Lücke, und 20 Uhr im Jägerhaus in Billingsbach. Morgen steht ein Besuch bei den Konfirmanden in Leuzendorf an und Bibelstunde um 20 Uhr im Haus Stradinger, Landstraße 41, in Hausen am Bach. uts

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel