Zeitgeschichte Tragödie bleibt unvergesslich

Brettheim / Nils Gundel 10.05.2017
Die Erinnerungsstätte in Brettheim hält seit 25 Jahren das Gedenken an das Kriegsendein dem Dorf wach. Redner würdigen die ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins.

Einen besonderen Abend erlebten Mitglieder und Gäste des Fördervereins Erinnerungsstätte „Die Männer von Brettheim“ am Montag im Haus der Musik und Begegnung in Brettheim. Es fand nicht nur die 27. Hauptversammlung statt, sondern es galt auch ein Jubiläum zu würdigen: Seit 25 Jahren gibt es die Erinnerungsstätte in Brettheim.

Der Vorsitzende Norman Krauß bilanzierte die Entwicklung im Vorjahr: Die Besucherzahlen waren mit 866 Personen im Vergleich zu 2015 (1185 Besucher) merklich zurückgegangen. 307 der Gäste waren Jugendliche, im Vorjahr waren es 367. Auch die Zahl der Schulklassen ist seit einigen Jahren rückläufig. „Ich habe das Gefühl, dass sich mit zunehmendem Abstand zu den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs das Interesse an diesem Geschehen verringert“, sagte Norman Krauß. „Besonders schade finde ich, dass immer weniger Schulklassen hierherkommen.“

Um die Erinnerungsstätte gestalterisch ansprechender zu machen, modernisierte der Verein Teile der Technik in den Räumlichkeiten. Bei den Mitgliederzahlen gab es zwar eine positive Entwicklung, der Verein hatte kurzweilig 150 Mitglieder. Allerdings verstarben neben Fritz Hanselmann, Sohn von Friedrich Hanselmann, noch zwei weitere langjährige Mitglieder.

„Jubiläum ist ein Gedenktag“

Wichtiger als der formale Teil war am Montag aber sicher das 25-jährige Bestehen der Erinnerungsstätte. Nach dem Ortsvorsteher Reiner Groß ging Herbert Schulz aus Satteldorf auf das Jubiläum ein: Er sieht im 8. Mai einen Grund zum Feiern – nicht nur wegen der Eröffnung der Erinnerungsstätte an diesem Tag, sondern auch wegen des Endes des Zweiten Weltkrieges, dessen Gräuel sich in den letzten Kriegsmonaten auch immer stärker gegen die Zivilbevölkerung richteten. „Das Jubiläum ist mehr als ein Festle, sondern ein Gedenktag“, sagte Schulz. Immer mehr Zeitzeugen sterben „und das Vergessen lässt die Täter letztlich triumphieren, und Opfer werden einmal mehr zu Opfern“. Daher sind Gedenkstätten für ihn auch von besonderer Bedeutung: „Sie sind Gedächtnisorte, wo aktuell für das Leben Wissen und Empathie gelernt werden können.“ Die Arbeit der Erinnerungsstätte würdigte auch die Bürgermeister-Stellvertreterin Susanne Nicklas-Bach.

Thomas Stöckle, Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, stellte fest, dass es viele Gedenkstätten erst seit rund 30 Jahren gibt. Allerdings seien die wenigsten staatlich, die meisten sind aus privaten Initiativen entstanden – wie Brettheim. Aber man sei auf einem langsamen, aber richtigen Weg, da sich die Gedenkstättenlandschaft sowohl quantitativ als auch qualitativ positiv entwickle.

Abschließend berichteten Friedrich Braun und der Historiker Hans Schultheiß (er gestaltete die Räume) von der Arbeit, die für die Erinnerungsstätte zu leisten war. In Brauns Zeit als Brettheimer Ortsvorsteher fällt auch der Beschluss zur alljährlichen Gedenkfeier am 10. April unter den Friedhofslinden. „In der unmittelbaren Nachkriegszeit war für die meisten Leute nicht das Erinnern wichtig, sondern vielmehr Essen, Arbeit und eine Bleibe“, sagte Fritz Braun.

Landeszentrale war ein Motor

Größere Bekanntheit erlangten die „Männer von Brettheim“ erst durch Heinz Lauber von der Landeszentrale für politische Bildung, der Lehrerseminare im Dorf organisierte. Mit Unterstützung von Hans Schultheiß und Heinz Lauber wurde letztlich die heutige Erinnerungsstätte im Rathaus verwirklicht.

Und aus dem wüsten und leeren Dachgeschoss wurde ein Gedenk- und Erinnerungsort mit einer Fülle von Exponaten und Zeitzeugenberichten über die Brettheimer Tragödie.