An Warnungen hat es nicht gefehlt: Schon im Jahr 2004 riet Rudolf Ebert, der damalige Bürgermeister von Insingen, dringend davon ab, ein auf der Ge­markung der Kommune geplantes Straßenbauprojekt wie von den Behörden vorgesehen zu realisieren.

Die Kreuzung der Staatsstraße 1040 mit der Kreisstraße AN 6 zwischen dem Rothenburger Teilort Herrnwinden und Rot am See-Buch unweit der Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg sei zu unübersichtlich und deshalb unfallträchtig – deshalb wäre im Interesse der Verkehrssicherheit ein Kreisverkehr zu empfehlen.

Der Ruf des Kommunalpolitikers verhallte allerdings ungehört in den Amtsstuben – und die Kreuzung wurde mit einer neuen Straße in Richtung Lohr wie geplant umgebaut. Prompt kam es schon wenige Wochen später zu Unfällen: Vor allem Fahrer, die aus Richtung Lohr unterwegs sind, nehmen auf der ansteigenden Strecke oft erst im letzten Moment wahr, dass sie eine aus diesem Blickwinkel nicht sichtbare Vorfahrtsstraße überqueren. Ein Stoppschild warnt zwar vor dieser Gefahr. Dennoch hat sich die Kreuzung in den letzten Jahren zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt.

Drei Todesopfer bei Unfall – Junge noch in Klinik

Das folgenschwerste Unglück spielte sich dann am Sonntag, 4. August, gegen 15 Uhr auf dieser Kreuzung ab: Ein Ford-Fahrer war aus Richtung Lohr unterwegs und wollte die Staatsstraße 1040 in Richtung Bettenfeld überqueren. Dabei übersah er aber einen aus Richtung Herrnwinden kommenden VW. Der Zusammenstoß der beiden Autos, in den noch ein Peugeot verwickelt wurde, hatte tödliche Folgen für zwei Insassen im Ford: Zwei Männer im Alter von 20 und 41 Jahren starben noch an der Unfallstelle.

Nur wenige Stunden später erlag in einem Krankenhaus auch eine 19 Jahre alte Frau, die ebenfalls in dem Ford saß, ihren Verletzungen. Sechs Menschen erlitten bei dem Unfall schwere Verletzungen – darunter ein 14 Jahre alter Junge, um dessen Leben die Ärzte in einer Klinik wochenlang und letztlich erfolgreich kämpften. Der Bub liegt aber nach wie vor im Krankenhaus.

Einen Tag nach dem verheerenden Unglück tagte der Gemeinderat Insingen und verabschiedete einstimmig eine Resolution. In dem von Bürgermeister Peter Köhnlechner unterzeichneten Schreiben an das Staatliche Bauamt in Ansbach forderten die Kommunalpolitiker einen Kreisverkehr: „Es ist für uns als Verantwortliche in unserer Gemeinde nicht hinnehmbar, dass auf Straßen, die durch unser Gemeindegebiet führen, Menschen sterben müssen, nur weil ein bereits bekannter Unfallschwerpunkt nicht mit einem Kreisverkehr entschärft wird“, wie es in der Resolution heißt.

Behörden äußern Bedenken wegen Vorrang der Staatsstraße

Hinter der Forderung aus Insingen stehen nicht nur die drei Landtagsabgeordneten Dr. Peter Bauer (Freie Wähler), Andreas Schalk (CSU) und Martin Stümpfig (Grüne), der der Kommune zudem empfahl, den Petitionsausschuss des bayerischen Landtags einzuschalten: Auch Bürger aus den umliegenden Gemeinden in der Landwehr wandten sich mit ihrem dringenden Wunsch nach einem Kreisel auf diesem Strecken­abschnitt direkt an das Ansbacher Landratsamt.

Eine nach dem Unfall anberaumte Verkehrsschau auf der Kreuzung mit Vertretern von zuständigen Behörden endete zumindest für Bürgermeister Peter Köhnlechner „ernüchternd“, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Denn „es gab Bedenken gegen einen Kreisverkehr – es wurde damit argumentiert, dass der Verkehr fließen und die Staatsstraße hier Vorrang haben müsse.“

Dem Rathaus-Chef von Insingen reichen jedenfalls die inzwischen installierten, aber nur zur Nachtzeit aktiven Warnleuchten an zwei Verkehrsschildern nicht aus. Auch eine in Erwägung gezogene Tempo-80-Zone auf der Staatsstraße 1040 löse das eigentliche Problem nicht. „Wir brauchen ganz einfach einen Kreisverkehr an dieser Stelle, der völlig problemlos realisiert werden könnte – und wir werden in dieser Sache auch keine Ruhe geben und nicht locker lassen“, sagte Peter Köhnlechner, der die Forderung nach einem Kreisel jetzt verstärkt auf die politische Schiene setzen will.

Insinger Alt-Bürgermeister wirbt auch aktiv für den Kreisverkehr

Schützenhilfe erhielt er von seinem Amtsvorgänger Rudolf Ebert, der in einem Brief an den Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig schon mal seine Mithilfe beim Grunderwerb angeboten hat. „Wir müssen alles unternehmen, dass sich so ein schweres Unglück möglichst nicht mehr wiederholen kann“, sagte Rudolf Ebert.

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