DLRG Tödliche Wasserwalze

Laut Polizeipressesprecher Ronald Krötz handelt es sich bei dem DLRG-Boot, das auf dem Bild am Freitag noch am Wehr bei Ziegelhütte festgemacht ist, „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um das Unfallboot, das nach dem Unglück dort vertäut wurde“.
Laut Polizeipressesprecher Ronald Krötz handelt es sich bei dem DLRG-Boot, das auf dem Bild am Freitag noch am Wehr bei Ziegelhütte festgemacht ist, „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um das Unfallboot, das nach dem Unglück dort vertäut wurde“. © Foto: Ufuk Arslan
Kerstin Vlcek 08.01.2018
Eine 28-jährige Rettungsschwimmerin ist bei einer Hochwasserübung auf dem Kocher ertrunken. Die Ermittlungen laufen.

„Diese Übung hat die ­Mannschaft schon öfters gemacht, und sie kennt sich auf der Strecke sehr gut aus“, erklärt Ursula Jung, Vizepräsidentin des DLRG-Landesverbandes. Trotzdem kam es am Donnerstag gegen 17 Uhr während einer Hochwasserübung auf dem Kocher bei einem Wehr in Michelbach/Bilz zu dem Unfall. Dabei verlor eine 28-jährige, erfahrene Rettungsschwimmerin aus der Ortsgruppe Mainhardt ihr Leben. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der verstorbenen Rettungsschwimmerin, aber wir sind auch in Gedanken bei unseren Einsatzkräften, die unmittelbar dabei waren“, sagt Ursula Jung.

Ein weiterer Rettungsschwimmer ist unterkühlt ins Krankenhaus gebracht worden.

Damit die Einsatzkräfte im Ernstfall helfen können, müsse unter „realistischen und kontrollierten Bedingungen“ geübt werden, so Ursula Jung weiter. Die Fachkräfte, die solche Übungen auch bei Hochwasser durchführen, seien sich der Gefahr bewusst.

Alle Einsatzkräfte würden deshalb eine theoretische und praktische Ausbildung erhalten. Die Praxisausbildung erfolge zunächst auf langsam fließenden Gewässern. Zu fünft ging die Mannschaft um 16 Uhr bei Ottendorf-Gaildorf mit einem Rafting-Schlauchboot ins Wasser. Die Rettungsschwimmer waren mit Neoprenanzügen, Rettungswesten und einem Funkgerät ausgestattet. „Darüber waren sie jederzeit mit dem Einsatzleiter verbunden, der mit dem Auto am Kocherufer entlanggefahren ist“, erklärt Ursula Jung.

Bevor es dunkel geworden ist, sollte die Übung beendet sein. „Wie weit das Team aber unterwegs sein sollte, dazu hat sich der Einsatzleiter noch nicht geäußert“, so Jung.

Wie es dann bei dem Wehr zu dem Unglück gekommen ist, ist noch Teil der Ermittlung der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft. Eine der Möglichkeiten könnte laut Jung aber folgende sein: „Bei hochwasserführenden Flüssen kann es zu kleineren Flutwellen kommen, die das Boot zum Kentern gebracht haben könnten. Außerdem wird die Strömung in Flussbiegungen plötzlich schneller.“

Als das Boot kenterte sei die erfahrene Rettungsschwimmerin dann in eine Wasserwalze geraten – eine Rückströmung mit starker Sogwirkung. Sich aus so einer Walze wieder zu befreien, sei fast unmöglich, vor allem bei starker Strömung. „Außerdem war das Wasser trüb, und man weiß dann nicht, wo oben und unten ist“, erklärt Jung. Die anderen vier Mannschaftsmitglieder hätten es geschafft, sich am Bootsrand oder an herunterhängenden Ästen festzuhalten.

Kilometerweit abgetrieben

Von der starken Strömung des Kochers wurde die Leiche der ver­unglückten Rettungsschwimmerin dann mehrere Kilometer weit abgetrieben. DLRG, Feuerwehr und Polizei starteten eine Suchaktion. Am späten Donnerstagabend wurde die Leiche am Stausee in Steinbach gefunden und geborgen.

Grenzwert noch nicht überschritten

Laut der Website der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg lag der Pegelstand des Kochers am Donnerstag bei der Messstelle Gaildorf um 16 Uhr bei 1,7 Meter und stieg bis 17 Uhr auf rund zwei Meter an. In beiden Fällen war der sogenannte HMO-Grenzwert, ab dem die zuständigen Stellen informiert werden, noch nicht erreicht. HMO ist die Hochwassermeldeordnung des Landes. Erst um 19 Uhr überstieg der Kocher den HMO-Grenzwert von 2,6 Metern. Abzurufen sind die Pegelstände der verschiedenen Flüsse im Internet unter www.hvz.baden-wuerttemberg.de. kv