Rot am See / HARALD ZIGAN  Uhr
Drei kranke Puten im Stall eines Landwirts aus der Gemeinde Rot am See beschäftigten über zwei Jahre hinweg die Justiz - ausgelöst durch Tierrechtler von Peta, die dreimal in den Stall eingedrungen waren.

Aktivisten von Peta schlichen sich bereits im Januar und im März 2013 im Schutze der Nacht in den Putenstall in einem Teilort von Rot am See, schalteten Videoleuchten ein und filmten nach eigenen Angaben "mehrere Dutzend" Tiere, die sich "krank und bewegungsunfähig" vermutlich in einem separaten Bereich befanden, wie er in der Putenmast für erkrankte Tiere üblich ist.

Im Zustand dieser Tiere sah Peta einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz - und erstattete Anzeige gegen den Landwirt. Unangekündigt kontrollierte daraufhin das beim Landratsamt in Schwäbisch Hall angesiedelte Veterinäramt im Juli 2013 den Betrieb. Exakt drei Tiere befanden sich zu diesem Zeitpunkt im "Krankenstall", die nach Ansicht der Kontrolleure eigentlich getötet hätten werden müssen.

Auf der Basis dieser Kontrolle erließ das Amtsgericht in Langenburg einen Strafbefehl über 1200 Euro, den der Landwirt nicht akzeptierte, weil er sich "absolut nichts vorzuwerfen habe", wie er dem HT sagte. Denn es sei in der Putenmast "völlig normal, dass kranke Tiere abgesondert und dann beobachtet werden, ob sie vielleicht noch behandelt werden können". Allzu voreilig habe er die Tiere jedenfalls nicht töten wollen.

In der nächsten Instanz beim Landgericht in Ellwangen wurde das Strafverfahren gegen den Bauern nunmehr gegen eine Zahlung von 450 Euro eingestellt, wie Jochen Fleischer, Pressesprecher des Landgerichts, dem HT bestätigte.

"Ich habe nichts zu verbergen"

"Ich wollte nach dieser monatelangen juristischen Auseinandersetzung nur noch meine Ruhe haben", sagte der Putenmäster, der solche nächtlichen Aktionen wie von Peta für "kriminell" hält: "Diese Leute könnten jederzeit zu mir kommen und den Stall besichtigen, ich habe nichts zu verbergen."

Wer aber nachts in einen Putenstall eindringe und dann noch mit Kameraleuchten hantiere, riskiere eine Panik unter den Tieren. Der Landwirt verwies in diesem Zusammenhang auf einen Fall in Leutenbach (Rems-Murr-Kreis), wo unbekannte Eindringlinge am 13. Mai in einem Stall die ohnehin sehr stressempfindlichen Tiere derart verschreckten, dass 250 Puten tot umfielen. Mit einer gegen Peta gerichteten Anzeige wegen Hausfriedensbruchs hatte der Landwirt aus Rot am See jedenfalls keinen Erfolg: Das Strafverfahren wurde eingestellt.

Peta-Sprecher Dr. Edmund Haferbeck aus Stuttgart hält die heimliche Beschaffung von Bildern und Filmen zum Beispiel aus Putenställen für "absolut zulässig - wir haben da keine Probleme damit und machen das schon seit 20 Jahren".

Als "völlig daneben" bezeichnete Dr. Haferbeck dagegen Aktionen wie vor drei Wochen auf einer Putenfarm in Ruppertshofen. Tierrechtler aus Tübingen hatten hier den Putenmäster mit Reizgas drangsaliert, als er die Gruppe ertappte. "Das waren keine Leute von uns, wir würden so etwas niemals machen", sagte der Peta-Sprecher.