Gute Schauspieler erkennt man unter anderem da­ran, dass sie auf der Bühne improvisieren können. Und der Zuschauer im besten Falle nichts davon bemerkt. Der Köchin Frieda, gespielt von Yvonne Altschäffel, gelang dabei am Samstagabend beim Waldtanner Volkstheater eine außergewöhnliche Leistung. Plötzlich begann eine Wolldecke auf der Bühne zu brennen. Yvonne Altschäffel spielte einfach weiter – und baute das Austreten des Feuers in ihren Text mit ein.

Was die 250 Zuschauer nicht sahen: Hinter der Bühne griff das technische Personal bereits zum Feuerlöscher und wollte eingreifen. Doch die Schauspielerin leistete ganze Arbeit. „Super, wie sie das gelöst hat“, lobte Kollegin Verena Sturm. „Allerdings war es auf der Bühne danach ziemlich verraucht.“ Umgehendes Lüften sorgte dafür, dass die Brandmelder in der Halle nicht ansprangen.

Die acht Schauspieler zeigten in der rund vierstündigen Premiere der Kriminalkomödie „Mucks, Mäusla, Mord“ sehr viel Spiel- und Einsatzfreude. Oh, der Chorleiter des GMV Waldtann ist krank? Kein Problem, dann springt eben der Regisseur Markus Häffner ein, um die zwei Lieder des Gesangvereins zu dirigieren. In „Criminal Tango“ fiel dabei ein Schuss. Mehrere Zuschauer erschraken – die perfekte Einstimmung auf den Abend, der seit Wochen ausverkauft war.

Die Waldtanner Akteure hatten sich einige Neuerungen einfallen lassen. Darunter eine gut angenommene Mitmachaktion für die Zuschauer: Jeder bekam ein Kärtchen, auf dem er bis zum Ende des zweiten von drei Akten ankreuzen konnte, wen er für den Mörder hält. Darunter so interessante Möglichkeiten wie „d‘ Souffleuse“ und „Mord, was für a Mord?“.

Burladingen

Rätselraten über Gummistiefel

Dabei schied gerade die letztgenannte Möglichkeit wohl am sichersten aus. Beim Blick auf die Bühne und den Kühlraum waren mehrmals zwei rote Gummistiefel und eine olivgrüne Hose zu sehen. Der Rest des Körpers wurde vom oberen Teil der Kühlhausmauer verdeckt. Aber mehrere Schauspieler beteuerten: „Da hängt a Leich“ und „Ein Mord! Wenigstens keiner aus dem Ort.“

Der im wahrsten Sinne des Wortes bucklige „Buckel“, gespielt von Markus Häffner, kommentierte die Ausdünstungen des an einem Kleiderbügel und an einem Fleischerhaken aufgehängten Körpers so: „Eine Kombination aus Limburger und Autoreifen.“ Andererseits beteuerten mehrere Zuschauer in der Drittelpause: „In Waldtann wird keiner umgebracht, das gab es hier im Theater noch nie.“ Also wurde fleißig gerätselt und dann auch angekreuzt, bevor die „Verdächtigen-Zettel“ vor Beginn des dritten Aktes eingesammelt wurden. Bei der richtigen Lösung winkte der Gewinn einer Flasche Sekt.

Die „Ermittlungen“ übernahmen die Pfarrersköchin Mucki (gespielt von Iris Knauer) und Mesnerin Mausi (Ingrid Stegmeier). Es ergaben sich herrliche Dialoge inklusive deftiger Kommentare wie „Du bist so blöd wie drei Meter Feldweg“. Dumm nur, wenn beim Wegschaffen der Person aus dem Kühlhaus einer der roten Gummistiefel verloren geht.

Skurrile Körperpflege

Und noch blöder, wenn Mucki und Mausi spätabends aus Versehen im Keller eingeschlossen werden und dort übernachten müssen – inklusive der Nachtgeräusche:  „Du schnarchst wie eine schwangere Wildsau“. Die skurrilste Szene: Mausi putzte sich die Zähne mit einem Besen, spülte mit Bier nach und sorgte unter den Achseln mit einem Bund Petersilie für das passende Deo. Der dritte Akt nahm immer mehr an Fahrt auf. Es kam zum Showdown – mit einem sehr überraschenden Ende. Nur 38 Besucher hatten auf dem „Ermittlungszettel“ ihr Kreuzchen bei der richtigen Lösung gesetzt. Wer nun ebenfalls mitraten will, der hat überraschenderweise doch noch die Chance, eine der 13 folgenden Vorstellungen besuchen zu können: Es wurden einige Karten nicht abgeholt.

 Die Schauspieler: Iris Knauer (Pfarrersköchin Mucki), Ingrid Stegmeier (Mesnerin Mausi), Volker Mack (Schankknecht Harri), Verena Sturm (Kellnerin Babsi), Karl Seibold (Wirt Emil), Yvonne Altschäffel (Köchin Frieda), Anita Ebert (Feine Dame), Markus Häffner (Buckl)