Gerabronn Nebenbahnstrecke: Reaktivierung realistisch

Gerabronn / Sebastian Unbehauen 28.03.2018
Die Reaktivierung der Strecke Blaufelden–Gerabronn–Langenburg für eine touristische Nutzung ist nicht illusorisch. Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt vorgestellt worden ist.

Über eine „Versachlichung der Diskussion“ freute sich der Gera­bronner Bürgermeister Christian Mauch: „Die Zahlen liegen jetzt auf dem Tisch.“ Er sagte dies am Montag bei der Präsentation der Nebenbahn-Machbarkeitsstudie im Güterschuppen des Gerabronner Bahnhofs. Und er spielte damit auf Jahre der Debatten rund um die Reaktivierung der Strecke zwischen Blaufelden und Langenburg an, die einem Stochern im Eisenbahn-Dampf glichen. Auf der einen Seite stand der rührige Förderverein Nebenbahn, der seit seiner Gründung 2011 als oberstes Ziel ausgab, wieder Züge auf den 1996 stillgelegten Gleisen fahren zu lassen. Auf der anderen Seite standen viele Zweifler, die genau dieses Vorhaben für Traumtänzerei hielten.

Grundlage für die Reaktivierung einer stillgelegten Strecke ist stets eine Machbarkeitsstudie. Dieses Werk, das die Nahverkehrsberatung Südwest gemeinsam mit der Bahn-Tochter DB Engineering & Consulting erarbeitet hat, liegt nun vor. Ergebnis 1: Schülerverkehr, wie vom Förderverein immer wieder als Option angeführt, wird es nicht geben. Eine Ertüchtigung der Bahnstrecke für den normalen Personenverkehr würde mit rund zwölf Millionen Euro zu Buche schlagen. Ergebnis 2: Ein touristisches Angebot ist möglich.

Dietmar Maier von der Nahverkehrsberatung Südwest präsentierte die Studie. Seinen Ausführungen lauschten unter anderen der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner und die Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade, die jetzt im Landesverkehrsministerium arbeitet.

Untersucht wurden Reaktivierungs-Varianten zwischen Blaufelden und Gerabronn, Blaufelden und Ludwigsruhe sowie Blaufelden und Langenburg. Je weiter man Richtung Westen kommt, umso schlechter wird der Zustand der Gleise. In Langenburg enden sie ein paar Hundert Meter vor dem ehemaligen Bahnhof.

Dennoch erklärte Maier es als wünschenswerte Variante, Züge von Blaufelden bis zum Gleisende in Langenburg fahren zu lassen – schließlich hat das Fürstenstädtchen besonders großes touristisches Potenzial, und schließlich gibt es dort attraktive Veranstaltungen wie etwa die Gartentage. 631 000 Euro müssten in diesem Fall investiert werden – ohne dass dabei mögliche Eigenleistungen berücksichtigt sind. Teurer wird’s laut Maier nicht. Dass der Betrag relativ gering ausfällt, liegt erstens daran, dass es keine zu sanierenden Tunnels, Brücken oder Überführungen gibt, zweitens gab es 1965 eine Generalsanierung: „Damit die Queen auf ihrem Weg nach Langenburg keinen Tee ausschüttet“, so Maier. Würde investiert, könnten Fahrten mit 20 bis 30 Stundenkilometer stattfinden.

Der Planer zeigte sich überzeugt, dass man viele Menschen für touristische Fahrten auf der Nebenbahn begeistern könnte. Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt: Von Dampfzugfahrten über Schlemmer-Züge bis hin zu privat gemieteten Zügen etwa für Hochzeiten in Ludwigsruhe sei alles denkbar. Der Verein DBK Historische Bahn aus Crailsheim ist bereit, ein entsprechendes Programm auf die Beine zu stellen, auch die Stationierung einer Dampflok in Gerabronn ist im Gespräch. DBK-Vertreter Klaus Rieder verwies auf den großen Erfolg der Strecken-Reaktivierung zwischen Rudersberg und Welzheim im Rems-Murr-Kreis. Die Gastronomie boome, auch an den Zwischenhalten. Die flache Landschaft zwischen Blaufelden und Langenburg sei derweil perfekt für jene, die Zug und Rad abwechselnd nutzen wollten.

Schon bei 6000 bis 9000 Fahrgästen im Jahr, wie in der Studie angenommen, hält Maier einen kostendeckenden Betrieb der hiesigen Nebenbahnstrecke für realistisch. Und er betonte die Ausstrahlung: „Eine solche Bahn ist ein zusätzlicher Impuls für Tourismus in einer Region.“

Das Ganze steht und fällt mit der Erstinvestition in die Strecke. Es gibt zwar viele Fördermöglichkeiten, aber die betroffenen Kommunen und der Kreis müssten mit ins Boot. Die Bürgermeister(innen) von Langenburg, Blaufelden und Schrozberg fehlten indes bei der Vorstellung der Studie.

Außerdem stellt sich noch die Frage nach der Zukunft des Bahnhofs Blaufelden. Stuft die Westfrankenbahn diesen vom Knotenpunkt zum einfach Haltepunkt herab, verkompliziert sich die Anbindung der Nebenbahn – wird aber nicht verunmöglicht, wie Planer Maier betonte.

Info Die Studie wird in den
nächsten Tagen auf die Internetseite
www.nebenbahn.info gestellt.

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