Rot am See Teststrecke für Stoßdämpfer

Die Landesstraße 1040 zwischen Brettheim und Hausen am Bach: Die Strecke gleicht auch hier einem Flickenteppich, der von zahllosen Schlaglöchern am Bankett gesäumt wird.
Die Landesstraße 1040 zwischen Brettheim und Hausen am Bach: Die Strecke gleicht auch hier einem Flickenteppich, der von zahllosen Schlaglöchern am Bankett gesäumt wird. © Foto: Zigan
Rot am See / Harald Zigan 12.09.2018
Scharfe Kritik am Ministerium: Die marode Landesstraße 1040 zwischen Rot am See und der Landesgrenze ruft den FDP-Abgeordneten Stephen Brauer auf den Plan.

Kaum im Landtag zu Stuttgart, fährt der neue Abgeordnete Stephen Brauer aus Crailsheim schon schweres Geschütz auf: Als einen „Schlag ins Gesicht der Menschen im ländlichen Raum“ wertet der FDP-Politiker eine Antwort aus dem Verkehrsministerium auf eine „Kleine Anfrage“ zum maroden Zustand der Landesstraße 1040 von Kirchberg über Rot am See bis zur Landesgrenze, die noch sein Vorgänger Dr. Friedrich Bullinger auf den parlamentarischen Weg gebracht hatte.

Vor allem die Strecke von Rot am See über Hilgartshausen, Brettheim und Hausen am Bach und weiter bis zu den weißblauen ­Grenzpfählen eignet sich schon seit vielen Jahren ganz hervorragend als Teststrecke für Stoßdämpfer. Und über zum Teil extrem glatt gefahrene und gefährliche Bodenwellen breitet sich ein Flickenteppich aus, der von zahllosen Schlaglöchern am Bankett eingerahmt wird, wo schon mal Reifen zerfetzt werden.

Wichtiger Zubringer

Für den Raum rings um Rot am See, Gerabronn und Kirchberg bildet die Landesstraße 1040 einen wichtigen Zubringer nach Rothenburg und zur Autobahn 7. Das Ministerium dagegen leitet die Bedeutung der Strecke offenbar allein von Zahlen ab: Mit 2400 Kraftfahrzeugen pro Tag und bei einem Lkw-Anteil von 3,7 Prozent liege die L 1040 „deutlich unterhalb der durchschnittlichen Verkehrsbelastung von Landesstraßen in Baden-Württemberg“, wie es in der Antwort aus dem Ministerium von Winfried Hermann (Grüne) heißt.

„Äußerst dünn und schwammig“ sei das Schreiben der obersten Verkehrsbehörde im Land ausgefallen, wie Stephen Brauer und sein Vorgänger Dr. Friedrich Bullinger unisono kritisieren. Und auf die Frage nach dem verkehrsgefährdenden Zustand des Straßenbelages „antwortet die Regierung lapidar mit dem Hinweis auf entsprechende Warnbeschilderung“, wie es in einer Pressemitteilung der FDP heißt.

Minister Winfried Hermann liege zudem „sowohl im Ton als auch in der inhaltlichen Begründung völlig daneben“, sagt Stephen Brauer: „Wenn man als ausschlaggebendes Kriterium für einen möglichen Sanierungsbedarf stets insbesondere die aktuell vorherrschenden Verkehrsteilnehmerzahlen heranzieht, anstatt auf die tatsächlichen baulichen Mängel zu schauen, werden wir im ländlichen Raum nie zum Zuge kommen.“

„Das leidige Thema L 1040 begleitet mich schon meine gesamte Amtszeit“, sagt Bürgermeister Siegfried Gröner aus Rot am See. Der Schriftverkehr mit Behörden und Abgeordneten, die sich immer wieder für die Strecke eingesetzt haben, fülle im Rathaus schon mehrere Aktenordner. Rot am See poche nach wie vor vehement auf einen Ausbau. Die Chancen auf einen kompletten Ausbau der Strecke sieht Siegfried Gröner aber bei „nahezu Null“: „Wir kommen da wohl nur stückweise weiter“, sagt der Rathaus-Chef.

Unter 1174 Sanierungsprojekten im Land auf den Plätzen 110, 267, 445 und 888

Fachbehörden nahmen die Landesstraße 1040 letztmals im Jahr 2016 für eine so genannte „Zustandserfassung- und bewertung“ (ZEB) unter die Lupe, die in ein „Erhaltungsmanagement“ für die Jahre 2017 bis 2020 mündete. Im Generalverkehrsplan aus dem Jahr 2010 ist für die L 1040 weder ein kompletter noch ein teilweiser Ausbau vorgesehen. Vier Abschnitte wurden immerhin mit „vordringlicher Sanierungspriorität“ eingestuft – allerdings auf einer landesweiten Liste, die derzeit 1174 Straßenprojekte umfasst: Den Platz 110 auf diesem ­ellenlangen Verzeichnis nimmt ein 1000 Meter langer „Erhaltungsabschnitt“ bei Hilgartshausen ein, der im Jahr 2019 saniert werden soll. Bis zum Jahr 2020 sollen dann laut Verkehrsministerium in Stuttgart 800 Meter der Ortsdurchfahrt in Hausen am Bach (Platz 267), ein 700 Meter langer Streckenabschnitt südlich von Brettheim (Platz 445) und ein 700 Meter langes Straßenstück zwischen Hausen am Bach und der Landesgrenze (Platz 888) auf Vordermann gebracht werden. haz

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