Rothenburg ob der Tauber Taubertal-Festival: Eiswiese wird zur Heißwiese

Die Organisatoren und Besucher des Taubertal-Festivals konnte sich dieses Mal nicht über das Wetter beschweren.
Die Organisatoren und Besucher des Taubertal-Festivals konnte sich dieses Mal nicht über das Wetter beschweren. © Foto: Michael Ströbel
Rothenburg ob der Tauber / Michael Ströbel 13.08.2018
Zahlreiche Musikbands sowie die Sonne haben Tausenden von Besuchern beim Taubertal-Festival eingeheizt.

14.500 Besucher haben am Wochenende auf der Eiswiese unterhalb von Rothenburg zum 23. Mal eine gigantische Party gefeiert. Einmal mehr war das Taubertal-Festival ausverkauft. Unter anderen rockten die Beatsteaks, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, die Broilers und Marteria das Gelände. Veranstalter Volker Hirsch war mit dem Fest und seinen Besuchern weitgehend zufrieden: „Wir haben ein sehr ruhiges und im Großen und Ganzen friedliches Festival erlebt“, erklärte er am Sonntagnachmittag auf der Abschlusspressekonferenz.

„Ein supergeiles Festival“ hat Larissa Kämmerer aus der Nähe von Schwäbisch Hall erlebt. Die 23-Jährige war mit ihrer Crew schon zum dritten Mal auf dem Taubertal und freute sich dieses Jahr besonders über das „viel, viel bessere Wetter“ im Vergleich zum Vorjahr – als Dauerregen und knöcheltiefer Matsch an der Tagesordnung waren. „Dieses Jahr war es eigentlich perfekt – viel Sonne und warm genug, um in der Tauber zu chillen“, sagte sie. „Nur nachts war es dann doch ein bisschen kalt, da hab ich mich gut einpacken müssen.“ Besonders „geil“ fand sie den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet. „Da war einfach eine Bombenstimmung.“

Veranstalter Volker Hirsch berichtete von einigen kuriosen Vorfällen. So wurde einem Besucher im Streit die Nase abgebissen. „Dafür fehlt mir komplett das Verständnis“, so Hirsch, der saftig kommentierte: „Wo viele Leute feiern, sind leider immer auch ein paar Arschlöcher dabei.“ Einen „schrägen Vandalismusfall“ habe es auf dem Campingplatz Berg gegeben, wo Unbekannte einen Hydranten abdrehten – und das, „obwohl man dafür einen speziellen Hydrantenschlüssel braucht“. Das bemerkten die Techniker erst spät. Der Wasser-Nachschub kam zwischenzeitlich in einem Container aus Neumarkt – mit dem Traktor. Und das dauerte.

Politische Stimmen auf dem Festgelände

Das Festival 2018 wird wohl als eines der politischsten in die Taubertal-Geschichte eingehen: Nicht nur die seit langem schwelende Debatte rund um die Integration von Flüchtlingen war ein oft angesprochenes Thema. Auch die Landtagswahl in Bayern, die CSU und vor allem ihr Bundesinnenminister Horst Seehofer bekamen ihr Fett weg. Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Monchi kritisierte Seehofer heftig und warf ihm fehlende Menschlichkeit vor. Dazu schwenkte die Band eine riesige Fahne gegen den CSU-Granden. Kraftklub und die Beatsteaks kritisierten die „bayerischen Abschiebezentren“. Im Publikum waren Anti-AfD- und Anti-Nazi-Fahnen zu sehen.

Dass auch Sexismus auf einem Festival keinen Platz hat, machte wiederum Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Monchi in einer Wutrede deutlich. Grund des Anstoßes war ein aufblasbarer Penis, den Festivalbesucher in der Menge in die Höhe gereckt hatten. „Ich singe hier ein Loblied auf meine Eltern und ihr zeigt hier so einen Scheiß“, sagte der Sänger während der mehrminütigen Unterbrechung. Er machte aber auch deutlich, dass Gewalt hier keine Lösung sei, appellierte an die Vernunft und bat, „das Ding einfach runterzunehmen und platt zu machen“. Vom restlichen Publikum jedenfalls erntete er dafür viel anerkennenden Applaus.

Immer beliebter wird das grüne Zelten. Was ist das? „Green Camper“ verpflichten sich freiwillig dazu, ihr Camp an der Tauber sauber zu halten und Nachtruhe zu wahren. Der untere Zeltplatz kam entsprechend blitzblank daher. Wirklich grün war es aber weder auf dem Campingplatz Berg noch im Tal. Das lag freilich nicht an den feiernden Musikfans, sondern an der lang anhaltenden Trockenphase. „Von der Naturschutzseite her ist so ein Wetter gar nicht schlecht, weil die Natur sich dann zurückzieht“, erklärte Florian Vogel, der Umweltbeauftragte des Festivals. „Der Platz wird nach dem nächsten Regen schnell wieder Grün sein.“

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