Oberrot Tangos und gewitzte Klänge

Kaisa Koivula und Jukka Ojala in Oberrot.
Kaisa Koivula und Jukka Ojala in Oberrot.
RALF SNURAWA 01.10.2014
Folkloristische Tänze und Tangos erklangen am Samstag in Oberrot. Die Klarinettistin Kaisa Koivula und der Akkordeonspieler Jukka Ojala stellten osteuropäsiche und finnische Kompositionen vor.

Die Lust am Tänzerischen unterstrichen die Klarinettistin Kaisa Koivula und der Akkordeonspieler Jukka Ojala bei ihrem Konzert am Samstagnachmittag im Äskulap-Infozentrum in Oberrot. Die beiden Musiker sind auf Einladung des Dachverbands der Deutsch-Finnischen Gesellschaft derzeit auf Konzerttournee. In Oberrot boten sie ein Programm mit vorwiegend folkloristisch geprägter Tanzmusik.

Beide Konzertteile wurden allerdings mit stilisierteren Klängen eröffnet. So standen Witold Lutoslawskis 1954 geschriebene "Dance Preludes" am Beginn des tänzerischen Reigens. Suchend-sinnierende Momente standen schön täppisch mit Witz wiedergegebenen sowie tänzerisch ausgelassen gespielten gegenüber.

Mit Lust am gewitzten Spiel klang auch der Schnelltanz am Ende der Auswahl aus Béla Bartóks "Rumänischen Volkstänzen". Schöne Phrasierungen gelangen dem Duo zum "Brâul", dem Rundtanz. Zum Stabtanz, "Joc cu bâta", betonte Jukka Ojala die Akzentsetzungen, während Kaisa Koivula darüber die Melodie schweifen lassen konnte.

Auf die "Rumänischen Volkstänze" folgte ein "Balkan-Medley", bei dem das tänzerische Moment ebenfalls bestimmend war. Allerdings wurde das Akkordeon von seiner bloßen Begleitfunktion wie bei Bartók erlöst, sodass zu "Ajde jano" schöne Wechsel zwischen den beiden Instrumenten zu hören waren.

Reich verziertes Melodieren brachte dann "Bitolcanka oro". Kaisa Koivula spielte die Triller und anderen Verzierungen schön locker und nie aufgesetzt klingend. In "Makedonsko devojce" gelang ihr zusammen mit Jukka Ojala eine empfunden sehnsüchtige Tongebung.

Alle weiteren Stücke des nachmittäglichen Konzerts stammten von finnischen Komponisten. Stilisierter waren dabei noch Einojuhani Rautavaaras "Pelimannit", die "Fiddler", 1952 als op. 1 komponiert, von Jukka Ojala in einer Akkordeonfassung gespielt. Nach einem zupackend und klanglich schön schrägen "Närbölaisten braa speli" ließ er mit "Kopsin Joonas" ein Stück in spannungsreicher Schwebe folgen. "Klockar Samuel Dickström" brachte dynamische Gegensätze, wobei Ojala den Fluss der Musik schön unterstrich. Ruhig verhalten wirkte danach die "Pirun Polska", sodass der Kontrast zu "Hypyt" mit den schön unterstrichenen versetzten Akzentsetzungen und dem humorvollen Grundton kaum hätte größer sein können.

Kantabel wiegend war zuvor Armas Järnefelts "Berceuse" erklungen, akzentuiert und schwungvoll Leevi Madetojas Polska Nr. 1. Nach Rautavaara folgten ausgelassen lebhafte Walzerklänge von Konsta Jylhä und die "Pinnin Polska" von Arto Järvelä.

Natürlich durften Tangotöne nicht fehlen, ist dieser Tanz in Finnland doch zu einem Nationaltanz eigener Ausprägung geworden. So waren etwa Unto Mononens melancholisches "Tähdet meren yilä" und Kullervo Linnas "Iltarusko" mit wunderbar offen gestaltetem Ende zu hören.